Wirtschaftsspionage bedroht Innovationsstandorte: So schützt ihr das eigene Know-how

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Spionageabwehr ist prinzipiell eine hoheitliche Aufgabe, sprich: Der Verfassungsschutz ist in der Pflicht.

Telefone zu manipulieren ist nur eine Möglichkeit, an sensible Interna in Firmen zu kommen.

Dieser handelt auch und kümmert sich zudem um die Aufklärung. Ausländische Nachrichtendienste suchen Informationen aus politischen, militärischen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen. Sie schleusen sich in Unternehmen ein, suchen Kontakt in sozialen Medien und haben schon so manches Mal das Vertrauen redseliger Personen ausgenutzt.

Die Methoden sind subtil, Betroffene merken oft nicht, dass sie ausspioniert werden. Als Kollegen getarnt bauen sie eine Beziehung zu ihren Opfern auf oder sie verschaffen sich heimlich Zugang zu relevanten Akten, indem sie vorsätzlich einbrechen. Der Staat will das Know-how der ansässigen Firmen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Behörden und der Bundeswehr schützen, denn eine funktionierende Wirtschaft mit all ihren Facetten ist der Kern eines stabilen Staates. Welche Angriffspunkte Spione im Visier haben und wie sich Unternehmen schützen können, ist jetzt Thema.

Deutsches Know-how ist weltweit gefragt

Deutschland ist stolz auf seine Wirtschaftsstärke und das zu Recht. Unser Land ist Exportweltmeister und bringt immer wieder Firmen mit innovativen Technologien hervor. Einige Weltmarktführer haben ihre Wurzeln in Deutschland, so zum VW und Bosch. Die Universität von St. Gallen hat listet in einem Weltmarktführer-Index Firmen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich auf. Wer die lange Liste der Firmen sieht, die ganz oben an der Spitze stehen, wundert sich nicht, dass deutsche Firmen Angriffsziele ausländischer Nachrichtendienste sind – also Opfer von Spionage werden.

Zu diesen Nachrichtendiensten gehören zum Beispiel die folgenden Organisationen:

  • Ministery of State Security (MSS), Volksrepublik China. Mitarbeiterzahl ca. 50.000.
  • Slushba Wneschnej Raswedkij (SWR), Russland. Mitarbeiterzahl ca. 13.000.

Neben den aufgeführten Organisationen existieren weitere aus den so genannten Risikostaaten wie Iran, Nordkorea, Syrien und Pakistan. Deutsche Unternehmen erkennen in der Regel nicht, wenn ausländische Geschäftspartner unlautere Absichten verfolgen. Sie knüpfen Kontakte zu neuen Handelspartnern, treffen sich zu Geschäftsbesprechungen und fädeln von langer Hand einen attraktiven Deal ein.

Dabei gewähren sie Einblicke in interne Produktionsprozesse, laden die vermeintlichen Geschäftspartner in die Firma ein und erläutern Firmenstrukturen. Spione erfahren auf diesem Weg Namen und Zuständigkeiten, scannen die Firmenräume, bringen Wanzen an oder kopieren Daten von Festplatten oder aus Akten.

Genau hier besteht Aufklärungsbedarf. Der Verfassungsschutz hat eine Broschüre dazu herausgebracht, die sich mit dem Thema der zweifach nutzbaren Produkte/Dienstleistungen befasst. Zweifach deshalb, weil manche Produkte/Dienstleistungen zu zivilen und zu militärischen Zwecken eingesetzt werden können. Die Broschüre läuft unter dem Namen „Proliferation – Wir haben Verantwortung“.

Video: Wirtschaftsspionage

Wie funktioniert Wirtschaftsspionage? Ein Überblick.

Spione sind clever und sie nutzen die stetig fortschreitenden technischen Entwicklungen, um an relevante Informationen zu kommen. Zum einen arbeiten sie im Verborgenen, zum anderen greifen sie auf frei verfügbare Daten zu.

Diese offenen und konspirativen Beschaffungsmethoden werden von Spionen unter anderem angewendet:

Offene Methoden:

  • Recherche im Netz und in Printmedien
  • Besuch öffentlicher Veranstaltungen
  • Studium an Universitäten, Mitarbeit an wissenschaftlichen Projekten als Studenten, Praktikanten, Auszubildende, Gast-/Austausch-Wissenschaftler)
  • Unternehmensübernahmen
Im Verdachtsfall sollten Unternehmen sich an eine Wirtschaftsdetektei wenden oder den Verfassungsschutz kontaktieren. (#02)

Im Verdachtsfall sollten Unternehmen sich an eine Wirtschaftsdetektei wenden oder den Verfassungsschutz kontaktieren. (#02)

Konspirative Methoden

  • Verdeckte Einschleusung von Spionen in Unternehmen als Mitarbeiter, Geschäftspartner, Berater, Teilhaber
  • Bestechung
  • Observation
  • Einbruch
  • Diebstahl
  • Abhören/Verwanzen von Räumen und Telekommunikationsgeräten
  • Einschleusen von Schadsoftware (Cyberattacken)
  • Erpressung

Innerhalb der Wirtschaftsspionage gibt es mehrere potenzielle Lecks. Spione wissen genau, wo und wie sie an Informationen kommen und sie scheuen sich nicht, aggressiv und mitunter auch enorm aggressiv vorzugehen. Da die Vorgehensweise der Spione tückisch ist, sollten sich Firmen im Verdachtsfall professionelle Unterstützung holen. Bewährt haben sich Detekteien, die eine umfassende Erfahrung mit Wirtschaftsspionage haben.

Zu den Profis in der Branche zählt die Lentz Gruppe mit Niederlassungen der Detektei in Düsseldorf, Köln, Berlin, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Heidelberg, Leipzig, München, Nürnberg und Stuttgart. Die Wirtschaftsdetektive arbeiten diskret und nutzen aufeinander abgestimmte Observationstaktiken, um das wertvolle Know-how einer Firma zu schützen.

Die Experten kennen viele Tricks von Wirtschaftsspionen und können mit speziellen Verfahren Räume abhörsicher gestalten. Zudem sind sie in der Lage, rechtssichere Beweise zu sammeln, die Firmen im Bedarfsfall verwenden können. Wirtschaftsdetektive können ebenfalls als Mitarbeiter getarnt mit der verdächtigen Person in Kontakt treten und zum Beispiel testweise Informationen platzieren. Auf diesen und anderen Wegen finden sie zuverlässig heraus, ob der Verdacht begründet ist oder nicht.

Mitarbeiter sind Schwachpunkt Nummer 1 aus Sicht der Wirtschaftsspione. Oft ist es den Mitarbeitern gar nicht bewusst, dass sie Träger relevanter Informationen sind und entsprechend sorglos gehen sie mit Interna um. (#01)

Mitarbeiter sind Schwachpunkt Nummer 1 aus Sicht der Wirtschaftsspione. Oft ist es den Mitarbeitern gar nicht bewusst, dass sie Träger relevanter Informationen sind und entsprechend sorglos gehen sie mit Interna um. (#01)

Datenleck Mensch

Mitarbeiter sind Schwachpunkt Nummer 1 aus Sicht der Wirtschaftsspione. Oft ist es den Mitarbeitern gar nicht bewusst, dass sie Träger relevanter Informationen sind und entsprechend sorglos gehen sie mit Interna um. Der Schaden, der dadurch entsteht, kann immense Ausmaße annehmen. Gut ausgebildete Spione sind in der Lage, Menschen so zu manipulieren, dass sie freimütig Auskunft geben. Sie sorgen dafür, dass empfängliche Mitarbeiter ins Plaudern geraten und lenken das Gespräch in die gewünschte Richtung. So gelangen Daten nach außen.

Um in Kontakt zu treten, sind die sozialen Netzwerke eine beliebte Plattform. Dort geben Menschen bereitwillig Auskunft über ihre berufliche Stellung, teilen sogar Details über Aufgabenbereiche und Projektschwerpunkte mit. Auch die Freigabe von Informationen über Hobbys oder Einzelheiten der Familienkonstellation können Ansatz für Spione sein, Zugang zu den Zielpersonen zu finden. Gelingt es Ihnen, eine gewisse Abhängigkeit herzustellen, ist der erste Schritt getan. Sie machen finanzielle Angebote, schaffen Vergünstigungen oder übergeben Geschenke. Manchmal greifen sie auch zu härteren Methoden und erpressen einen Mitarbeiter.

Illoyalität gegenüber dem Arbeitgeber kann sich daraus ergeben, dass ein Mitarbeiter frustriert, über- oder unterfordert ist, sich zu schlecht bezahlt fühlt, in finanzieller Not steckt, an einer Sucht erkrankt ist oder in einer schwierigen Beziehung steckt. Aber auch Abenteuerlust und übersteigertes Geltungsbedürfnis sind gute Ansatzpunkte für Spione, einen Menschen als Informationsquelle zu manipulieren.

Aus einem scheinbar harmlosen Gespräch unter Kollegen kann sich ein Datenleck mit schwerwiegenden Folgen entwickeln.

Video: Top Secret Wirtschaft im Spionage Netz Doku über die Wirtschaftsspionage Teil 1

Weitere Angriffspunkte für Wirtschaftsspione

Spione schrecken vor Einbruch nicht zurück. Bei einem Einbruch wird nicht immer gestohlen, manchmal scheint gar nichts weggekommen zu sein. Falls der Täter auf sensible Firmen-Interna abgesehen hat, könnte er Wanzen oder Kameras angebracht haben oder Daten von Computern geklaut oder diese manipuliert haben.

Schadsoftware und Phishing sind gefährlich. Sie nutzen Sicherheitslücken im firmeninternen Betriebssystem aus und dringen in Netzwerke ein. Viren, Würmer und Trojaner greifen Daten ab, sammeln spezielle Informationen, manipulieren und zerstören komplette Datenstrukturen. Der Schaden ist immens.

Mit Phishing können Cyberkrimineller persönliche Daten von Usern erlangen. Sie locken User auf gefälschte Webseiten, um an Nutzername und Passwort zu kommen. Falls der Cyberkriminelle im Vorfeld beispielsweise über soziale Medien bereits Kontakt zum Opfer aufgenommen hat und ein Vertrauensverhältnis besteht, kann es geschehen, dass sensible Daten freimütig bereitgestellt werden. Cyber Security ist deshalb für Firmen besonders wichtig.
Nicht zuletzt sind Telekommunikationsgeräte, seien es Festnetztelefone oder mobile Endgeräte, manipulierbar. Spione nutzen die vielen technischen Möglichkeiten für ihre Zwecke zu gelingt es ihnen beispielsweise, eine heimliche Konferenzschaltung zu installieren oder die Anruffunktionen so zu verändern, dass sie Gespräche mitschneiden können oder das Handy zur Raumüberwachung einsetzbar wird.

Der Verfassungsschutz rät Firmen zu vorausschauendem Handeln

Der Verfassungsschutz rät, in Sachen Spionage vorbeugend zu handeln. Wer wartet, bis ein Spion sensible Daten geklaut hat, handelt zu spät. Sicherheit in einem Unternehmen sollte Chefsache sein. Die IT-Abteilung sollte ein Sicherheitskonzept entwickeln und Controlling einrichten. Mitarbeiter bieten Wirtschaftsspionen die größte Angriffsfläche. Diese auf die Sensibilität von internen Daten hinzuweisen und mit ihnen eine klare Geheimhaltungsvereinbarung abzuschließen, ist ein absolutes Muss. Im Verdachtsfall sollten Unternehmen sich an eine Wirtschaftsdetektei wenden oder den Verfassungsschutz kontaktieren.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: gangis khan -#01: Gorodenkoff -#02: Photographee.eu

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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