Siemens Gasturbinen: Gerüchte über den Verkauf kursieren

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Die Meldungen um einen geplanten Verkauf der Siemens Gasturbinen Sparte mehren sich. Siemens-Chef Joe Kaeser stritt dies ab, vermied jedoch ein klares Bekenntnis zur kriselnden Turbinen-Sparte.

Siemens Gasturbinen: Das Geschäft mit großen Turbinen schwächelt

Im Rahmen strategischer Überlegungen prüft Siemens derzeit verschiedene Optionen. Es wurde bekannt, dass der Verkauf der Siemens Gasturbinen Sparte eine der Möglichkeiten ist, über die hinter verschlossenen Türen diskutiert wird. Es ist verständlich, dass der Konzern sich zurückhaltend äußert, denn auch Mitbewerber wie General Electric stehen vor ähnlichen Problemen. Es könnte sich also als schwierig erweisen, einen Käufer zu finden.

Der Handlungsdruck ist jedoch da, denn die Auftragslage bei den Großkraftwerken ist entgegen der ansonsten positiven Konzernentwicklung seit längerer Zeit schlecht. In Deutschland ist der Markt für Gasturbinen nahezu zusammengebrochen und auch Siemens hat mehr und mehr darunter zu leiden.

Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild:

  • minus 28 Prozent Umsatzerlöse im Kraftwerksgeschäft
  • minus 74 Prozent operativer Gewinn

Video: Beste Gas-Turbine der Welt – Siemens

Siemens Gasturbinen: Vom Aushängeschild zum Auslaufmodell?

Die Herstellung riesiger Gasturbinen gehörte lange Zeit zu den wichtigsten Produktlinien innerhalb des Bereiches Strom und Gas. Doch die Energiewende und der damit einhergehende Einbruch der Bestellzahlen zwingen den Konzern, verschiedene Optionen zu durchdenken. Der Verkauf ist jedoch nur eine der Möglichkeiten. Es ist ebenfalls denkbar, dass Siemens die Krise abwartet und an der Herstellung von großen Gasturbinen festhält. Allerdings hat das Unternehmen bereits im November bekanntgegeben, dass im Bereich Strom und Gas fast 7.000 Stellen gestrichen werden und dies auch mit der Schließung einiger Standorte verbunden sein wird.

Der Schritt, die Turbinen-Sparte zu verkaufen, fiele dem Konzern sicher nicht leicht, handelt es sich doch um einen Bereich, der mit hohem Prestige verbunden ist. Noch vor einigen Jahren erweiterten die Anbieter ihre Kapazitäten auf insgesamt 400 Großturbinen pro Jahr. Doch der erwartete Boom blieb aus. Stattdessen wird die Energiewende vorangetrieben und der vermutete Umstieg von Kohle- zu Gaskraftwerken blieb in vielen Staaten aus. Das Ergebnis ist ernüchternd: Es werden maximal 100 Gasturbinen nachgefragt, sodass Siemens mit hohen Überkapazitäten zu kämpfen hat.

Video: Power aus Berlin für die Welt

Widersprüchliche Meldungen: Wird Siemens auch in Zukunft Gasturbinen herstellen?

Noch im Mai wurden hoffnungsvolle Meldungen veröffentlicht. Das britische Versorgungsunternehmen SSE bestellte eine Großturbine der neu entwickelten HL-Klasse. Im Berliner Werk atmete man auf. Die schwache Auslastung hatte dazu geführt, dass befürchtet wurde, Berlin sein von den oben erwähnten Streichungen betroffen. Der britische Auftrag hat ein Volumen von 350 Millionen Pfund und umfasst den Bau einer Großturbine, die eine Leistung von 567 Megawatt erreicht. Es wird zwar vermutet, dass der Stellenabbau dennoch in geplantem Umfang durchgeführt wird, aber mit diesem Auftrag war die Hoffnung verknüpft, dass die Talsohle durchschritten ist und es langsam wieder für die Turbinen-Sparte aufwärts geht.

Zwangsurlaub für Mitarbeiter in der Kraftwerk-Sparte

Der Auftrag aus Großbritannien ist leider nur ein kleiner Hoffnungsschimmer, denn insgesamt betrachtet, verzeichnet die Branche im Bereich der Stromerzeugung einen anhaltenden Markteinbruch. Ende Mai schickte Siemens deshalb auf der ganzen Welt Mitarbeiter in einen Betriebsurlaub.

Ist der Verkauf der Turbinen-Sparte wahrscheinlich?

Siemens-Chef Kaeser hat dementiert, dass bereits eine Entscheidung getroffen wurde. Der Konzern hat bis jetzt auch noch keine Banken mit der Vorbereitung eines Verkaufs beauftragt. Die Investmentbanker unterbreiten dem Unternehmen jedoch Vorschläge und dass diese angesichts der schlechten wirtschaftlichen Situation der Turbinen-Sparte geprüft werden, ist gewiss. Es ist bezeichnend, dass die Aktie nach Bekanntwerden der Verkaufsgerüchte um 2,40 Prozent gestiegen ist.


Bildnachweis: Shutterstock-Titelbild: Sushkin

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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