LKW-Fahren: Fahrermangel zwingt zum Umdenken

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Supermarktregale sind immer voll, Krankenhäuser werden mit dringend benötigten Waren beliefert, die Industrie kann ihre Produktion „laufen lassen“. Berufskraftfahrer, die vielleicht ihren heimlichen Kinderwunsch „LKW-Fahren“ ausleben, oder Quereinsteiger waren, machen das alles erst möglich. Aber Fahrer sind knapp und werden noch knapper! Gute Fahrer sind rar und heiß begehrt. Junge Menschen, die LKW fahren wollen, sind immer noch die Ausnahme. Was ist also über all die Jahre schiefgelaufen?

Fragen an jemanden, der Lkw fahren immer noch toll findet

Sonntagabend kurz vor 22:00 Uhr, Michael „Mac“ Fuchs steigt nach erfolgter Abfahrtskontrolle in seinen tief schwarzen Renault Magnum 480 und macht sich bereit für die anstehende Tour nach Frankreich. Diesmal ist der Auflieger geladen mit Plexiglas. „Es ist nicht immer schön, Sonntag mittags schon ins Bett gehen zu müssen, nur damit man abends ausgeschlafen ist“ Mac Fuchs , ich will ihn hier nun so nennen, denkt oft wehmütig darüber nach. „Wenn im Sommer die Freunde Grillen ist das schon hart, gehen zu müssen“. Das sei einer der Nachteile, wenn man LKW fahren möchte. Was macht denn das LKW fahren für ihn aus, frage ich. „Wenn Du in tolle Sonnenaufgänge fährst, alle schlafen noch. Oder auch das Wissen, durch mich läuft auch hier in Frankreich die Wirtschaft ein ganz klein wenig besser. Das macht mich schon etwas stolz. Nur Nachwuchs ist leider nicht in sicht. Menschen, die auch LKW fahren wollen“. Wie ist das Problem des Fahrermangels seiner Meinung nach denn entstanden? Frage ich. Einen Hauptgrund hierfür sieht „Mac“ in der nicht stattgefundenen Nachwuchsarbeit. „die Spediteure sind einfach davon ausgegangen das ist alles ok so. Nachwuchs kommt von den Quereinsteigern. Nur, die kommen nicht mehr, diese Quelle ist versiegt!“ Das Image als Fernfahrer im Ausland entschädigt ihn aber für den teilweisen rüden Umgang in Deutschland.

Lkw fahren: Nachwuchsmangel wird schlimmer

Über ein Drittel der Berufskraftfahrer wird laut einer aktuellen Studie des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) in den nächsten 15 Jahren altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden. Somit zeichnet sich nach Ansicht des BAG in erster Linie ein Nachwuchsmangel ab. Einen Hauptgrund sieht der BGL (Bundesverband Güterverkehr) im demographischen Wandel insbesondere für den Mangel an qualifizierten Fahrern.

Nach einer Statistik des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit verlassen in den nächsten zehn Jahren etwa 200.000 LKW-Fahrer aus Altersgründen den Job. LKW fahren wird damit für 20.000 Menschen pro Jahr möglich, neue Fahrerstellen sind zu besetzen. „Viele Jahrzehnte versorgte die Bundeswehr das Transportlogistikgewerbe mit gut ausgebildetem Fahrpersonal. Diese Quelle ist versiegt“, erläutert Karlheinz Schmidt, Hauptgeschäftsführer des BGL. „Auch die bei der Agentur für Arbeit gemeldeten Bewerber um einen Arbeitsplatz als Kraftfahrer kommen oft wegen fehlender Qualifikation nicht in Betracht“, erklärt er die Situation des Fahrermangels.

Das liege daran, dass ein Großteil der Speditionen bisher von seinen Fahrern keine abgeschlossene Berufsausbildung verlangte, so dass ¬meist der Führerschein als Qualifizierungsnachweis ausreichte. Durch die rechtlichen Bestimmungen des Berufskraftfahrer-Qualifikationsgesetzes (BKrFQG) sei eine derartige Rekrutierungspraxis zwar nicht mehr möglich, dennoch sei das Ausbildungsengagement der Branche nach wie vor gering. Hinzu kommt, dass bisher viele Speditionen ihre LKW-Fahrer auf dem externen Arbeitsmarkt rekrutieren und nicht intern für sich aus- und weiterbildeten. „Erschwert wird die Sicherung des Fahrernachwuchses zudem durch den Rückgang der Bewerberzahl“, ergänzt Karlheinz Schmidt. „Viele Jugendliche streben nach Abschluss der Schule statt einer Berufsausbildung ein Studium an.“ Lkw Fahren ist bei den jungen Schulabsolventen faktisch kein Thema.

Attraktivität des „Lkw fahren“ rapide gesunken

Doch vor allem sind es die schlechten Bedingungen, die junge Menschen davon abhalten, diesen Beruf zu ergreifen. Das bestätigt Michael Gierke, Autor der BAG-Studie. Schlechte Bezahlung, Probleme an der Laderampe sowie Schwierigkeiten die Lenk- und Ruhezeiten einhalten zu können, ungeregelte Arbeitszeiten, das Dauerproblem Parkplatznot – mit all diesen Widrigkeiten werden Berufskraftfahrer konfrontiert. Dass diese Gründe zu einem Ausbildungsabbruch führen, kann Mac aus seiner alltäglichen Praxis bestätigen. „Sie sind oft lange weg von Zuhause und ihnen fehlt die soziale Komponente. Zudem hat der Beruf ein schlechtes Image und auch die Bezahlung ist nicht mehr so gut, wie sie einmal war. LKW fahren hat viel von dem verloren, was einmal war“. Ein ernüchterndes Resumeé.

Wandel im Berufsfeld „Lkw fahren“ vollzogen

Besseres Image soll Nachwuchs für das Lkw fahren locken

Um das Problem des Fahrermangels weiter einzudämmen, entstehen derzeit unzählige Imagekampagnen. So auch in Niedersachsen. Mit der Nachwuchskampagne „Mit Bock aufn Bock“ wollen Transportunternehmen der Region jungen Leute LKW fahren schmackhaft machen. „Ziel ist die Aufwertung des Berufsbildes“, betont Andreas Jedamzik, Leiter des Arbeitskreises Berufskraftfahrer bei der Vorstellung der Kampagne. Die Bedeutung der Kraftfahrer für das alltägliche Leben stehe im Fokus, denn „der LKW bringt allen was“. Vielen, gerade jungen Menschen, sei gar nicht bewusst, wie sich der Beruf in den letzten Jahren gewandelt hat und warum sich ohne Berufskraftfahrer nichts mehr bewegt.

Eine Imageverbesserung des Berufsbildes wünscht sich auch Mac. „Es ist wichtig, den Beruf den jungen Menschen interessant zu machen – gerade über den technischen Bereich.“ Denn nicht zuletzt sei es das schlechte Image des Berufsstandes, das die jungen Menschen davon abhält, LKW fahren überhaupt in Betracht zu ziehen. Ein weiterer wichtiger Aspekt, um junge Menschen zum LKW fahren zu begeistern, wäre für Mac ein „rollendes Office“, damit die Jugend auf Tour mit Kumpels und Kollegen in Verbindung stehen kann. „Da sollten auch die Hersteller mit eingebunden werden.“


Bildnachweis: © freeimages.com – luca ciardelli

Marius Beilhammer

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

1 Kommentar

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    Thomas Frank on

    Jetzt rächt sich die Ausbildungsfaulheit deutscher Transportunternehmen! Und was macht man um den Fahrermangel zu bekämpfen? Man holt sich billige Leute aus Ost-Europa!

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