Erfolgreiche Exotin in männerdominierter Branche – Julia Schnitzler von „Strassburger Filter“ auf Reisen mit deutschen Spitzenpolitikern

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Sie führt ein Unternehmen an, das für Nischenprodukte auf dem Weltmarkt steht und unterschiedlichste Branchen mit patentierten Anlagen und Systemen ausstattet: Julia Schnitzler, geschäftsführende Gesellschafterin der Strassburger Filter GmbH & Co. KG aus Westhofen im Landkreis Alzey-Worms.

Weltweiter Marktführer bei Spezialfiltern für Pharmabranche

Maßgeschneiderte Filtrationslösungen für die Getränke-, Lebensmittel- und Kosmetikindustrie, aber auch für den pharmazeutischen Sektor: dafür steht das Unternehmen Strassburger Filter, das in drei Jahren seinen 100. Geburtstag feiert. Heute führt Julia Schnitzler das Unternehmen in der vierten Generation. Waren es früher noch Filterapparate aus Holz, die das Kerngeschäft des 1919 gegründeten Familienunternehmens ausmachten, erschloss sich Strassburger Filter mit der Umstellung auf Kunststoff- und später auf Edelstahlfilter, neue Anwendungs- und Geschäftsfelder. Heute stellt das Unternehmen spezielle Filteranlagen für die unterschiedlichsten Branchen und verschiedensten Zwecke her: ob für Wein-, Bier- oder Safthersteller, bei der Essig-Filtration oder Filtration von Proteinlösungen im Pharmabereich. Eine Übersicht über die verschiedenen Produkte und Referenzen findet sich unter http://www.strassburger-filter.de.

An der Spitze des Unternehmens und damit von 30 Mitarbeitern – hoch qualifizierte und erfahrene Verfahrenstechniker, Mechatroniker und Elektriker – steht Julia Schnitzler, die Strassburger Filter seit 2005 führt. Sie ist eine Exotin in einer Männerdomäne: Ingenieurin, dazu als Frau an der Spitze eines erfolgreichen mittelständischen Unternehmens. Dabei ist der Frauenanteil im technischen Sektor bekanntlich nicht nur in der Führungsriege gering: nur 15 Prozent aller in technischen Berufen tätigen Personen sind Frauen. Immerhin 28 Prozent aller in einem MINT-Studiengang (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) eingeschriebenen Studenten, sind weiblich.

Mit den patentierten Spezialfilteranlagen zur Gewinnung von Blutplasma, hat sich das Unternehmen mittlerweile sogar eine Weltmarktführerschaft erworben. Seit 2012 gibt es zudem in Shanghai eine Niederlassung, um den so wichtigen asiatischen Markt weiter zu erschließen. Schnitzler ist eine angesehene Unternehmerin, die einen Betrieb für Spezial- bzw. Nischenprodukte abseits der Massenherstellung am Fließband leitet – da ließen die Einladungen der deutschen Spitzenpolitiker, an Auslandsreisen teilzunehmen, nicht lange auf sich warten.

Eine Woche dauerte die Reise nach Südkorea und in die Mongolei im vergangenen Herbst. (#01)

Eine Woche dauerte die Reise nach Südkorea und in die Mongolei im vergangenen Herbst. (#01)

Schnitzler reist mit deutschen Spitzenpolitikern um die Welt

Nachdem Schnitzler mit Bundeskanzlerin Merkel als Mitglied einer Wirtschaftsdelegation bereits 2012 nach China und im März 2015 nach Japan gereist war, stand im vergangenen Oktober mit Bundespräsident Joachim Gauck eine Reise nach Südkorea und in die Mongolei an. Schnitzler und Gauck kannte sich schon von einer Indien- und Myanmar-Reise im Jahr 2014.

Eine Woche dauerte die Reise nach Südkorea und in die Mongolei im vergangenen Herbst, Schnitzler war Teil einer ausgewählten Wirtschafts- und Wissenschaftsdelegation. Die Reise nach Asien stand im Zeichen von einem Vierteljahrhundert Deutscher Einheit, 70 Jahren Teilung Koreas und 25 Jahren Wirtschaftsbeziehungen zur Mongolei, dem flächenmäßig zweitgrößten Binnenstaat der Welt.

Mit Bundespräsident Joachim Gauck nach Südkorea

Um den Austausch und fundierte Gespräche mit koreanischen Wirtschaftsverbänden sowie der koreanischen Handelskammer ging es vor allem bei der Reise nach Südkorea. Zuvor sprach Gauck vor der koreanischen Nationalversammlung in Seoul. Im Anschluss ging es für Gauck und die Delegation zu den ebenfalls in Seoul ansässigen, vor allem in der Elektronik- und Unterhaltungsindustrie erfolgreichen Weltkonzernen LG Electronics und Samsung.

Vor allem hinsichtlich der Edelstahl-Filtrationssysteme für die Blutplasmafraktionierung, ist Südkorea – neben China und Japan – der wichtigste asiatische Markt. Mit Hilfe dieser speziellen Anlagen, von denen im Prinzip jede ein Unikat darstellt und genau auf die individuellen Kundenwünsche zugeschnitten ist, kann wichtiges Blutplasma gewonnen werden. Die Anlagen trennen die flüssigen von den festen Bestandteilen im Blut. Aus dem flüssigen Teil (Plasma) kann man später wichtige Medikamente herstellen, z.B. gegen Blutgerinnungsstörungen oder Krankheiten der Immunabwehr.

Die Aufträge aus Südkorea machten zuletzt bereits rund ein Viertel des gesamten Jahresumsatzes aus. Auch aus diesem Grund, sind die wirtschaftlichen Kontakte und Beziehungen sowie Vertriebspartner vor Ort, auf dem aufstrebenden asiatischen Markt, so wichtig für die Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit von Strassburger Filter, und damit natürlich auch für Schnitzler. Und mit der Präsenz bzw. Niederlassung vor Ort ist es seit einiger Zeit auch möglich, den stetig wachsenden asiatischen Kundenkreis direkt vor Ort zu betreuen und mit Produkten zu versorgen. In der Mongolei besuchte die dreifache Mutter Schnitzler mit den Delegierten und Gauck u.a. die Deutsch-Mongolische Hochschule für Rohstoffe und Technologie, nachdem man vom mongolischen Staatspräsidenten und führenden Wirtschaftsvertretern empfangen wurde.

Die kompetente, qualifizierte Ausbildung des Nachwuchses aber auch das Thema „berufliche Bildung“ standen bereits bei früheren Reisen als (zukunftsweisendes) Thema immer wieder auf der Tagesordnung.

Video: Strassburger-Filter

China-Reise 2016 mit Kanzlerin Merkel steht bereits fest

Asien als neuer, noch weiter zu erschließender Markt ist für Schnitzler bzw. Strassburger Filter von großer Bedeutung. Wer auf erfolgreiche und langfristige wirtschaftliche Kooperations- und Vertriebspartner in Asien setzt, muss vor allem auch persönlich vor Ort immer wieder Präsenz zeigen. Schnitzler weiß: der direkte, individuelle Kontakt zu künftigen Vertriebs- und Geschäftspartnern sowie Kunden aus der Pharmaindustrie, schafft eine gute Vertrauensbasis – einer der Hauptgründe für die Auslands- und Geschäftsreisen von Schnitzler, die diese auch in Zukunft nutzen möchte.

Kürzlich sagte Schnitzler, die von 1988 bis 1992 Verfahrenstechnik mit Schwerpunkt Apparatebau studierte und heute im Mainzer Stadtteil Gonsenheim, in einem Gespräch mit der TH Bingen: „Es ist schön, wenn ein kleines Unternehmen mitreisen darf. Gerade in Anbetracht dessen, dass der deutsche Mittelstand im Ausland einen extrem guten Ruf hat, finde ich es auch angebracht und gerechtfertigt.“

Bundeskanzlerin Merkel scheint diese Ansicht zu teilen: vor kurzem erhielt Schnitzler die Einladung, sie bei einer erneuten Reise nach China zu begleiten. Den Kontakt zu den Bestandskunden in Asien pflegen, dort neue Märkte erschließen und auf die lange Sicht auch weiter expandieren, in andere Gebiete und Märkte der Welt: das sind die vorrangigen Ziele Schnitzlers. In den nächsten Jahren, meint sie, wolle Strassburger Filter auf allen Kontinenten vertreten sein.

Für jede Branche das maßgeschneiderte Filtersystem

Weinpresse früher: Heute werden maßgeschneiderte Kammerfilterpressen bei der Weinherstellung verwendet. (#02)

Weinpresse früher: Heute werden maßgeschneiderte Kammerfilterpressen bei der Weinherstellung verwendet. (#02)

Sind es bei den asiatischen Kunden vor allem die Spezialfilteranlagen, die reißenden Absatz finden, haben sich in vielen Jahren die weiteren, modernen Filtrationslösungen und Anlagen in anderen Bereichen und Branchen bewährt: von den maßgeschneiderten Kammerfilterpressen bei der Weinherstellung über Schichtenfilter in der Bier-Produktion bis hin zu Spezial-Membrananlagen bei der Wein- oder Essig-Filtration.

Die Spezialanlagen zur Blut-Filtration sind dabei aber längst nicht die einzigen, von Strassburger Filter patentierten oder zum Patent angemeldeten Filtersysteme. Die beheizbaren Filterplatten z.B. („heiße Platte“), eignen sich für eine integrierte thermische Trocknung. Die „heiße Platte“ ist ein Entwässerungsverfahren für schlecht filtrierbare Produkte, da die Trennung und Trocknung in ein und demselben Apparat stattfinden. Die Vorteile u.a.: eine kurze Trocknungszeit, geringe thermische Entsorgungskosten und lohnenswert vor allem auch bei eher geringen Produktionsmengen.

Oder die Entschwefelungsanlagen, die nach patentiertem Strassburger Verfahren arbeiten, und benötigt werden, um z.B. Süßreserve oder Most zu entschwefeln. Dafür wendet Strassburger Entschwefelungskolonnen aus Glas an, das Herzstück der Entschwefelungsanlage. Der große Vorteil von Glas: es lässt sich im Gegensatz zu anderen Materialien ausgezeichnet reinigen und ist resistent gegenüber aggressiven Dämpfen.

Schnitzler und Strassburger Filter arbeiten, planen und forschen auch in Zukunft an hervorragenden, hochmodernen und effizienten Filtrationslösungen und -techniken für unterschiedlichste Anforderungen.


Bildnachweis: © Fotolia Titelbild: SeanPavonePhoto – #01: luzitanija – #02:  rosifan19

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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