Jig-Angeln ade: Fischteiche sind bedeutender Wirtschaftsfaktor für Fischzuchtbetriebe

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Das Jig Angeln erfreut sich größter Beliebtheit – muss allerdings mit Problemen kämpfen. Denn immer mehr Fischzuchtbetriebe betreiben einen eigenen Angelteich. Dieser wiederum eignet sich zwar sehr gut für Geschäftemacherei, aber nicht für das Angeln mit der Jig Methode. Leider sind auch die Fische in den Angelteichen nicht mehr die, die es in der freien Natur zu angeln gibt.

Warum Jiggen?

Freunde der Jig Methode werden diese Frage mit einem ganz einfachen „Weil es nichts Besseres gibt!“ beantworten. Die Jig Methode ist pure Ruhe und Entspannung beim Arbeiten, ist sozusagen eine Angelmethode für Faule, wobei das Faulsein hier nicht negativ gemeint ist.

Die Bezeichnung „Jiggen“ kommt aus der englischen Sprache und meint das Auf- und Abschnellen des Köders beim Angeln. Viele Hobbyangler sind auf den Jig gekommen und wollen diese Methode am liebsten gegen keine andere mehr tauschen.

Beim Jig wird ein Köder aus Gummi benutzt, der langsam auf den Boden des Gewässers absinkt. Dabei ist darauf zu achten, dass die Leine immer straff bleiben muss. Während des Absinkvorgangs liegt die Erfolgsquote bei rund 90 Prozent! Der Köder hüpft praktisch über den Boden – wenn er unten angekommen ist und die Leine schlaff wird, muss der Gummifisch vorsichtig wieder nach oben bewegt werden. Danach sinkt der Köder wieder ab und die Erfolgsquote für das Anbeißen steigt.

Beim Jiggen muss der Angelfreund nicht wirklich viel tun, er muss lediglich aufpassen, dass die Rute in einer Linie mit der Schnur bleibt und dass die Leine immer straff ist.

Jig Angeln wider die Angelteiche

Das Jig Angeln erfordert ein Gewässer, in dem sich die Fische in ihrem natürlichen Lebensraum bewegen. Nur dann verhalten sie sich auch wie in der Natur und gehen auf einen Köder, der auf- und abhüpft, in der gewünschten Art und Weise ein. Ein Angelteich ist ein künstlich angelegtes Gewässer, in dem sich wenig Bewuchs befindet und bei dem ständig etwas los ist. Angelfreunde fahren am liebsten mit dem Auto bis an den Teich heran und fischen die aus Fischzuchten stammenden Fische kiloweise heraus. Etwa 600 dieser Angelteiche gibt es in Deutschland. Teilweise wird ein fester Betrag pro Tag berechnet, dann kann der Angler soviel angeln, wie er möchte. Teilweise wird der Fang am Ende gewogen und es wird nach Kilogramm abgerechnet.

Das Jiggen ist quasi als natürliche Methode zu sehen, Fische zu fangen. Das Angeln in einem Angelteich steht dieser Sache aber in vielen Punkten entgegen. So werden die Fische dort aus Fischzuchten entnommen, in denen sie qualvoll und möglichst schnell auf das gewünschte Schlachtgewicht gebracht werden. Es werden zu viele Fische auf zu engem Raum gehalten, daher fressen sie sich gegenseitig Schuppen und Flossen an. In die Angelteiche werden zusätzlich Raubfische gesetzt, die in erster Linie eins sein müssen: übergroß. Damit soll der Angler den Kick bekommen, den er beim Fang eines solchen Riesenfisches verspürt. Die Hechte und Störe werden aber nicht gefangen, sie müssen wieder ausgesetzt werden. Im schlimmsten Fall werden sie mehrmals pro Woche geangelt, danach werden – nach dem obligatorischen Foto natürlich – die Haken aus dem Maul entfernt (oder teilweise auch nicht) und die Fische gehen zurück ins Wasser. Dies ist eindeutig Tierquälerei!

Außerdem werden Fische in Angelteichen nicht gefüttert, die natürlichen Futterquellen sind aber aufgrund der künstlichen Anlage des Teiches sehr begrenzt. Für diese Fische bedeutet das Angeln wahrscheinlich nicht Tod, sondern Erlösung.

Wer nun aber Jig Angeln möchte, will ein naturnahes Angelerlebnis haben. Die Fische in Angelteichen leiden Hunger und beißen schon aus diesem Grund in jeden Köder, der ihnen vor die Nase gehalten wird. Das hat mit einer sportlichen Herausforderung nichts mehr zu tun, sondern es handelt sich lediglich noch um das „Abangeln“ aus dem Teich. Außerdem werden die Angelscheine der Angler nur selten überprüft, was aus den Augen der Betreiber der Teiche auch durchaus verständlich ist: Sie wollen schließlich etwas verkaufen und möchten nicht auf ihren Fischen sitzen bleiben. Allzu strenge Kontrollen würden die Zahl der Angler aber deutlich mindern.

Wer hat nun etwas von Angelteichen?

Im Grunde gibt es drei Gruppen, die von derartigen Angelteichen profitieren und denen etwas daran gelegen sein könnte, dass solche Teiche weiterhin existieren. Auf der einen Seite sind dies natürlich die Fischzuchtbetriebe, die ihre Tiere in Massen züchten und verkaufen wollen. Auf der anderen Seite stehen die Angelshops und Hersteller von Angelausrüstungen. Bevorzugt werden solche Verkaufsläden in der Nähe von Angelteichen angelegt, denn hier ist die Anzahl an potenziellen Kunden natürlich groß. Es wird dementsprechend die Ausrüstung auf das Klientel abgestimmt, welches auf Angelteichen tätig ist – Jig Angler haben hier schlechte Karten.

Die dritte Gruppe, die Angelteiche unterstützen dürfte, sind die Angler, die nicht auf Sportsgeist und die urtümliche Freude am Angeln setzen, sondern die schnelle Erfolge um jeden Preis haben wollen. Dass die ganze Sache dem Tierschutz widerspricht und den Angelsport in Verruf bringt, scheint dabei eher nebensächlich zu sein. Tierschutzorganisationen konzentrieren sich nicht umsonst mehr und mehr auch auf die Angler, wobei die Angelfreunde auf Angelteichen im Fokus stehen. Gleichzeitig hat dies natürlich Auswirkungen auf alle Angler, auch auf solche, die in Einheit mit der Natur und ganz konservativ angeln wollen.

Anschauungsmaterial: Jig-Angeln im Video auf YouTube

Jig Angler voran!

Als Fazit aus dieser ganzen Problematik lässt sich daher der Fakt ableiten, dass Jig Angler eine deutlich größere Anzahl an Angelfreunden stellen sollten. Jeder, der sich mit dieser Methode beschäftigt und sie für sich entdeckt, ist daher von der Jig Gemeinde mit Freuden zu begrüßen. Es wird nicht nur etwas für den Angelsport und die eigene Entspannung getan, sondern auch tierschutzverträglich geangelt. Dieser Aspekt geht leider bei vielen Anglern heutzutage völlig verloren und steht gänzlich hinter dem Erfolgserlebnis. Fische müssen so groß und schwer wie möglich sein, dazu sollen sie zahlreich gefangen werden. Was das für die Tiere bedeutet, scheint vielen Anglern egal zu sein. Nicht so denjenigen, die sich dem Jig verschrieben haben, denn sie unterstützen schon allein aus dem Grund tierquälerische Angelteiche nicht, weil sie in solchen Gewässern gar nicht angeln können. Wer außerdem auf natürliche Art angeln will, möchte nicht auf einem Teich unterwegs sein, der Fahrzeugen den direkten Weg bis zum Ufer ermöglicht und direkt am Parkplatz die nächste Kneipe beherbergt. Jig Angler sind ruhige Vertreter ihrer Art, lieben Entspannung und möchten nicht allzu viel bei ihrem Sport tun. Der Angelerfolg soll sich natürlich einstellen, es gilt aber nicht, den Erfolg um jeden Preis zu erreichen. Andere Aspekte sind hier deutlich wichtiger.


Bildnachweis: © freeimages.com – £ukasz Sad³owski

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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