Druckverfahren in der Werbeindustrie

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Jeder liebt Werbegeschenke. Seien es bedruckte Kugelschreiber, Beutel, T-Shirts oder USB-Sticks – kostenlose Give-aways erfreuen sich bei Jung und Alt großer Beliebtheit und werden nur zu gern genommen.

Wiedererkennungswert durch Druck im Corporate Design

Das beweist der regelmäßig erscheinende Werbeartikel-Monitor der GWW: Jede Befragung zeigt deutlich, dass rund 80 Prozent der Deutschen mindestens einen Werbeartikel besitzen und diesen regelmäßig nutzen. Doch nicht nur Konsumenten profitieren von derlei Geschenken. Unternehmen geht es zwar weniger um den Mehrwert der Produkte, sie erhoffen sich stattdessen eine deutlich höhere Reichweite und somit einen stetig wachsenden Stamm von Neukunden.

Den Wiedererkennungswert erzeugen sie durch einen optisch hervorgehobenen Druck im Corporate Design – welches in der Regel aus den Unternehmensfarben, dem Logo oder Motto besteht. Doch mit welchem Verfahren kommt die Farbe auf den Stift?

Den Wiedererkennungswert erzeugen sie durch einen optisch hervorgehobenen Druck im Corporate Design – welches in der Regel aus den Unternehmensfarben, dem Logo oder Motto besteht. (#01)

Den Wiedererkennungswert erzeugen sie durch einen optisch hervorgehobenen Druck im Corporate Design – welches in der Regel aus den Unternehmensfarben, dem Logo oder Motto besteht. (#01)

Drucktechniken früher und heute

Seit Jahrtausenden bedrucken Menschen die unterschiedlichsten Materialien. In der Steinzeit malte man Zeichnungen an Höhlenwände, später in Asien Schriftzeichen auf Seide – selbst heute gehört der Kartoffel- oder Stempeldruck für viele Familien zum gemeinsamen Basteln mit ihren Kindern einfach dazu.

Im industriellen Bereich muss man allerdings in deutlich größeren Dimensionen denken – 1.000 T-Shirts lassen sich zwar durchaus mittels Kartoffeldruck veredeln, effizient ist es allerdings nicht. Daher haben sich im Laufe der letzten Jahrhunderte viele neue Drucktechniken entwickelt, welche Massenproduktionen ermöglichen.

Für die Vervielfältigung diverser Druckvorlagen unterscheidet man zwischen folgenden Druckprinzipien:

  • Fläche gegen Fläche:
    Hierbei presst eine Druckplatte (Tiegel) das zu bedruckende Material auf eine andere (eingefärbte) Platte.
  • Zylinder gegen Fläche:
    Findet gerade im Zeitungsdruck seine Verwendung. Der Druckzylinder dreht sich über der Druckform. Dazwischen befindet sich das Material.
  • Zylinder gegen Zylinder:
    Es ähnelt dem „Fläche gegen Fläche“-Verfahren, nur dass sich hier sowohl das Druckbild als auch das zu bedruckende Material auf zwei Zylindern befindet.

1.     Hochdruck

Seinen Einsatz findet dieses Verfahren heutzutage in erster Linie im Buchdruck. Und der Name ist Programm, denn die Technik wurde von niemand geringerem als Johannes Gutenberg erfunden. Der Vorgang selbst ist denkbar einfach:

Die Druckflächen werden aus dem Druckstock herausgeschnitten. Lediglich die Erhöhungen nehmen die Druckfarbe an, während die Innenflächen farblich ausgespart werden. Es handelt sich hierbei um ein sogenanntes Direktdruckverfahren, da das Motiv wie bei einem Stempel auf das Material gepresst wird.

Die Druckflächen werden aus dem Druckstock herausgeschnitten. Lediglich die Erhöhungen nehmen die Druckfarbe an, während die Innenflächen farblich ausgespart werden. (#01)

Die Druckflächen werden aus dem Druckstock herausgeschnitten. Lediglich die Erhöhungen nehmen die Druckfarbe an, während die Innenflächen farblich ausgespart werden. (#01)

Flexodruck

Selbstverständlich hat sich das Hochdruckverfahren seit Gutenberg weiterentwickelt. Gerade in der Verpackungsindustrie wird heute der Flexodruck verwendet. Der Vorteil liegt in den Fotopolymerplatten. Diese Endlosdruckformen aus Kautschuk werden durch CO2-Laser mit dem jeweiligen Druckmotiv graviert und können dadurch immer wieder eingesetzt werden. Dieses Verfahren ist zum Beispiel für Verpackungsfolien geeignet, die Unternehmen somit individuell nach ihren Bedürfnissen gestalten lassen können. Es findet aber ebenfalls bei T-Shirts, Taschen oder Beuteln Verwendung.

2. Tiefdruck

Im direkten Gegensatz zum Hochdruck steht das Tiefdruckverfahren. Hierbei werden Vertiefungen (auch Näpfchen genannt) in die Druckform eingelassen und anschließend mit einer niederviskosen (dünnflüssigen) Farbe befüllt. Das Tiefdruckverfahren ist aufwendig, da man für jede Farbe ein separates Druckwerk benötigt. Verwendet wird es vorwiegend bei Prospekten, Zeitschriften oder Katalogen – überall dort, wo Bedarf nach einem Endlosdruck besteht.

3. Flachdruck

Dieses Verfahren lässt sich als eine Mischung aus Tief- und Hochdruck bezeichnen, wobei auf Vertiefungen bzw. Erhöhungen verzichtet wird. Stattdessen befindet sich alles auf einer Ebene. Im Allgemeinen wird die Druckplatte in lipophile und lipophobe bzw. hydrophile Bereiche unterteilt. Das bedeutet, dass einige Partien fettanziehend sind. Die aufgetragene Farbe bleibt dadurch haften. Andere Stellen besitzen hingegen einen Wasserfilm, der eine Farbaufnahme verhindert.

Er zählt mittlerweile zu den gängigsten Verfahren im Druckbereich. Er eignet sich besonders für Visitenkarten, Kataloge oder Flyer.(#03)

Er zählt mittlerweile zu den gängigsten Verfahren im Druckbereich. Er eignet sich besonders für Visitenkarten, Kataloge oder Flyer.(#03)

Offsetdruck

Er zählt mittlerweile zu den gängigsten Verfahren im Druckbereich. Er eignet sich besonders für Visitenkarten, Kataloge oder Flyer. Im Rahmen des Offsetdrucks wird häufig Papier als bedruckbares Material verwendet. Karton, Kunststoff und Glas sind aber ebenfalls möglich. Der Offsetdruck basiert ursprünglich auf dem Steindruck, ist im Gegensatz dazu aber ein indirektes Druckverfahren. Das bedeutet, dass die Farbe nicht direkt vom Druckzylinder auf das Material aufgetragen wird. Dazwischen befindet sich ein Gummizylinder. Der Vorteil liegt darin, dass man weniger Druckfarbe benötigt.

4. Durchdruck

Hierbei benutzt man spezielle Schablonen oder Kunststoffgewebe mit freien Stellen, durch welche die Farbe mittels eines Gummirakels hindurch gedrückt wird. Als bedruckbare Materialien eignen sich Textilien, Glas, Schmuck oder sogar Stein. Der Vorteil des Durchdrucks ist die Tatsache, dass die Farben sehr intensiv und langlebig sind.

Siebdruck

Wie der Name schon sagt, wird hier ein Sieb aus Polyester, Stahl oder anderen Materialien genutzt. Auf dieses legt man die Schablone. Die Farbe wird mit der Gummirakel aufgetragen und durch das Sieb auf den zu bedruckenden Gegenstand gepresst. Dieses Druckverfahren ist besonders geeignet für hohe Auflagen, weil trotz der Masse auf Klasse gesetzt wird. Das bedeutet, dass eine hochwertige Qualität gewährleistet werden kann.

Die neueste Technik macht es möglich, dass es mit dem Digitaldruck ein Verfahren gibt, wo Schablonen oder Druckformen unnötig sind. Stattdessen wird das Druckbild zunächst im Computer visualisiert und anschließend an die Druckmaschine übertragen. (#04)

Die neueste Technik macht es möglich, dass es mit dem Digitaldruck ein Verfahren gibt, wo Schablonen oder Druckformen unnötig sind. Stattdessen wird das Druckbild zunächst im Computer visualisiert und anschließend an die Druckmaschine übertragen. (#04)

5.   Digitaldruck/NIP (Non-Impact-Printing)

Die neueste Technik macht es möglich, dass es mit dem Digitaldruck ein Verfahren gibt, wo Schablonen oder Druckformen unnötig sind. Stattdessen wird das Druckbild zunächst im Computer visualisiert und anschließend an die Druckmaschine übertragen. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Zum einen können Auftraggeber Kosten sparen, denn sie müssen nicht erst eine Form bestellen. Außerdem kann man viel kreativer und flexibler auf Motivwünsche eingehen. Der Digitaldruck rentiert sich vor allem bei kleinen Auflagen.

Weitere Druckverfahren im Überblick

Thermotransferdruck

Dieser eignet sich besonders für DVDs und CDs. Im Rahmen dieses Verfahrens wird der Druckkopf erhitzt. Darin befindet sich eine spezielle Polyesterfolie, von der durch die Wärme die Farbe gelöst wird. Gleichzeitig überträgt das Gerät die Farbe auf ein sogenanntes Retransferband. Von diesem wird die Folie auf das zu bedruckende Material geschmolzen.

Video: Sublimation Deutsch richtig erklärt Teil 1

Sublimationsdruck

Für dieses Verfahren wird eine spezielle Sublimationstinte sowie eine Spezialfolie benötigt, denn beide müssen starke Hitze überstehen können. Was bedeutet das? Beim Sublimationsdruck ändert die Tinte ihren Aggregatszustand von flüssig zu gasförmig.

Doch wie funktioniert das?

  1. Das gewünschte Motiv wird auf die Folie gedruckt.
  2. Diese wird mittels einer sogenannten Transferpresse auf den zu bedruckenden Gegenstand gepresst.
  3. Durch den starken Druck entwickelt sich Hitze.
  4. Die Tinte wird gasförmig und in das Material (beispielsweise eine Tasse) eingedampft.

Das Besondere am Sublimationsdruck ist, dass Nutzer den Druck selbst nicht spüren. Normale Folienprints unterscheiden sich in der Haptik. Durch das Sublimieren bemerkt man jedoch keinen Unterschied zum Ausgangsmaterial. Daher ist dieses Verfahren besonders geeignet für das Bedrucken von (Foto-)Tassen oder Textilien.

Tampondruck

Dass hier verwendete Tampon hat nur im Entferntesten etwas mit den herkömmlichen Tampons zu tun. Es besteht aus Silikonkautschuk und überträgt die Farbe von der ursprünglichen Form auf den Artikel. Er eignet sich hervorragend für Werbegeschenke, weil ein Bedrucken auf unebenen Materialien oder filigranen Gegenständen problemlos möglich ist

Video: Papier prägen ohne Prägemaschine

Prägedruck

Wird irreführend auch 3D-Druck genannt und hat die Haptik ganz klar auf seiner Seite. Er übernimmt sowohl die Erhöhungen als auch die Vertiefungen des Motivs und überträgt diese auf das zu bedruckende Material. Dieses Verfahren erzeugt ein hochwertiges Farbergebnis und verleiht dem Werbegeschenk zudem einen ausgefallenen Effekt. Geeignet ist es zum Beispiel für Visitenkarten, Briefbögen oder auch Textilien geeignet.

Textildruck

Es gibt nicht den einen Textildruck, sondern verschiedene Verfahren – sie sind abhängig von dem verwendeten Material. Polyester benötigt beispielsweise ein anderes Vorgehen als Nylon. Gleichzeitig vereint es aber auch eine Vielzahl der bisher genannten Druckverfahren.

So können Textilien unter anderem folgendermaßen bedruckt werden:

  • Flexodruck
  • Digitaldruck
  • Siebdruck
  • Thermosublimationsdruck

Die Wahl des Verfahrens ist abhängig von dem Motiv. Der Flexodruck ist zum Beispiel ideal für Schriftzüge oder Logos.

Werbeartikel können auch mit einem dieser Technik gedruckt werden. Wobei drucken in diesem Fall das falsche Wort ist. Denn eigentlich werden sie vollkommen neu erstellt und mit einem speziellen 3D-Drucker ausgedruckt. (#05)

Werbeartikel können auch mit einem dieser Technik gedruckt werden. Wobei drucken in diesem Fall das falsche Wort ist. Denn eigentlich werden sie vollkommen neu erstellt und mit einem speziellen 3D-Drucker ausgedruckt. (#05)

3D-Druck

Werbeartikel können auch mit einem dieser Technik gedruckt werden. Wobei drucken in diesem Fall das falsche Wort ist. Denn eigentlich werden sie vollkommen neu erstellt und mit einem speziellen 3D-Drucker ausgedruckt. Mehr Informationen dazu gibt es hier.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: guruXOX-#01: Plasteed -#02: _ boitano  -#03: RossHelen _-#04: marin_bulat -#05: FabrikaSimf

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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