Digitalisierung im Handwerk: Auf dem Weg zum Handwerk 4.0

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Nicht nur in der Industrie, sondern auch im Handwerk führt die Digitalisierung zu einer Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Für das Handwerk, das im Wesentlichen mittelständisch geprägt ist, sind jedoch andere Lösungsansätze gefragt, als für die Industrie. Handwerksbetriebe profitieren zudem davon, dass sie ihr Dienstleistungsspektrum durch den Einsatz digitaler Technologien erweitern können.

Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit durch Einsatz digitaler Technologien im Handwerk

Die digitale Transformation wird meist in einem Atemzug mit „Industrie 4.0“ genannt. Doch auch im Bereich des Handwerks ist der Trend zur Digitalisierung bereits in vollem Gang. Auch in diesem Sektor gilt, dass Firmen, denen es optimal gelingt, Daten zu relevantem Wissen zu transformieren, große Wettbewerbsvorteile erreichen.

Eine Studie vom Bitkom und dem ZDH ergab, dass 69 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die Chancen der Digitalisierung erkennen. 55 Prozent der Mittelständler besitzen jedoch noch keine konkrete Strategie, mit der sie den Prozess der Digitalisierung vorantreiben könnten. Hohe Investitionskosten und die Notwendigkeit der Mitarbeiterqualifikation in Bereichen, die vermeintlich gar nichts mit dem Kerngeschäft zu tun haben, sind unüberwindbar scheinende Hürden auf dem Weg zum digitalen Handwerk.

Eine Studie vom Bitkom und dem ZDH ergab, dass 69 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die Chancen der Digitalisierung erkennen. (#01)

Eine Studie vom Bitkom und dem ZDH ergab, dass 69 Prozent der befragten Handwerksbetriebe die Chancen der Digitalisierung erkennen. (#01)

Ansatzpunkte für eine stärkere Digitalisierung im Handwerk

In der Industrie sind die Produktionsprozesse in vielen Bereichen automatisierbar, sodass sich in diesem Sektor sehr leicht Ansatzpunkte für eine Digitalisierung ergeben. Im Handwerk ist dies, zumindest auf den ersten Blick, nicht der Fall. Oft ist jeder Auftrag eine Einzelfertigung und wenig standardisierbar. Aber dennoch nutzen innovative Handwerksbetriebe bereits für einen Großteil ihrer Leistungen die Digitalisierung.

Auch für Handwerksbetriebe gilt mittlerweile im Bereich Marketing: Online first. Der erste Kontakt eines potentiellen Kunden findet meist im Internet auf der Homepage des Unternehmens statt. Kaum ein Kunde schlägt die Gelben Seiten auf, wenn er einen bestimmten Handwerksbetrieb sucht, sondern begibt sich für seine Suche ins Internet. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, eine hervorragende Website zu erstellen oder diese erstellen zu lassen und kontinuierlich zu pflegen. Die Website vermittelt dem Kunden den entscheidenden ersten Eindruck, für den es bekanntlich keine zweite Chance gibt. Wirkt die Website altbacken, lieblos und unprofessionell, klickt sich der Kunde ganz einfach zum nächsten Handwerksbetrieb weiter und die Chance ist vertan.

Weitere Bereiche, in denen die Digitalisierung zu Wettbewerbsvorteilen führt, sind die Professionalisierung der Verwaltungsarbeiten sowie die Konfektionierung und die Lagerhaltung. Auch die Visualisierung von Kundenwünschen erfolgt am besten digital.

Ein Viertel aller Handwerksbetriebe setzt auch bereits digitale Technologien erfolgreich ein. Die Sensortechnik erleichtert und verbessert Wartungen, 3-D-Drucker bieten völlig neue Möglichkeiten der Produktion von Ersatzteilen und Cloud-Computing eröffnet den Firmen kostengünstige Möglichkeiten der Datenspeicherung. Wenn es darum geht, Kunden- und Mitarbeiterdaten effizient zu verwalten, greifen sogar bereits mehr als die Hälfte aller Firmen zu digitalen Lösungen. Auch wenn die Kernaufgabe immer noch das Handwerk bleibt und weniger Einsatzmöglichkeiten für digitale Technologien bietet, sind die Vorteile für die Unternehmen groß. Die digitale Optimierung der Verwaltung und des Marketing verschafft den Handwerksbetrieben Zeit und Energie, die für das Kerngeschäft genutzt werden können.

Was hindert das Handwerk an einer stärkeren Digitalisierung?

Viele Firmen scheuen die hohen Investitionskosten und befürchten zudem, den Herausforderungen nicht gewachsen zu sein. Wenn sich durch die Digitalisierung die Arbeitsprozesse im Verwaltungsbereich ändern, erfordert dies völlig neue Kompetenzen von den Mitarbeitern.

Es ist wichtig, dass bereits bei der Ausbildung entsprechende Qualifikationen vermittelt werden. Damit sinkt auch die Scheu vor dem Einsatz der modernen Technologien. Handwerksbetriebe sollten auch langjährige Mitarbeiter durch Fort- und Weiterbildungen in diesem Bereich schulen. Ein weiterer Stolperstein auf dem Weg zur erfolgreichen Digitalisierung des Handwerks ist das Fehlen zuverlässiger Breitband-Internetverbindungen in einigen Regionen. Mit dem versprochenen Ausbau der Netze wird dieser Mangel jedoch in absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören.

 

Es ist wichtig, dass bereits bei der Ausbildung entsprechende Qualifikationen vermittelt werden. Damit sinkt auch die Scheu vor dem Einsatz der modernen Technologien. (#02)

Es ist wichtig, dass bereits bei der Ausbildung entsprechende Qualifikationen vermittelt werden. Damit sinkt auch die Scheu vor dem Einsatz der modernen Technologien. (#02)

Veränderung der Kundenkommunikation durch den Einsatz digitaler Technologien

Im Bereich Verkauf und Beratung sind besonders drei Aspekte für Handwerksbetriebe relevant. Zum einen werden ein Großteil aller Kundenanfragen auf der Website generiert. Die hier angegebenen Möglichkeiten eines Kontakts per E-Mail oder Kontaktformular erleichtern dem Kunden die Anfrage erheblich und erhöhen somit die Chance auf neue Aufträge. Es folgt die automatische Weiterleitung der Kundenanfrage an die entsprechenden Stellen im Handwerksbetrieb. Es ist also sichergestellt, dass die Anfrage direkt an die richtige Stelle weitergeleitet wird, nicht vergessen wird oder verloren gehen kann und schnellstmöglich bearbeitet wird.

Dem Mitarbeiter, der für die Anfrage verantwortlich ist, stehen in Echtzeit alle nötigen Informationen über die Verfügbarkeit von Produkten, den Auftragsstatus, den Servicestatus oder den möglichen Liefertermin und die Kapazität der ausführenden Mitarbeiter zur Verfügung. Auf diese Weise kann schnell und fehlerfrei geplant und dem Kunden ein entsprechendes Angebot unterbreitet werden.

Erhöhung der Produktivität

Auch im Handwerk führen die die digitalen Technologien zu einer Erhöhung der Produktivität. Mobiles Arbeiten beim Kunden vor Ort ermöglicht die Eingabe des Auftrags- und Servicestatus direkt in das System. Die interne Zusammenarbeit und die digital optimierte Ausgestaltung der Wertschöpfungskette wirken sich ebenfalls positiv aus und der Einsatz von Cloud-Services erlaubt eine kostengünstige Implementierung der digitalen Strategie. Besonders bei der Ausgestaltung von digitalisierten Geschäftsprozessen besteht in vielen Handwerksbetrieben noch erheblicher Handlungsbedarf.

Generierung digitaler Angebote und Geschäftsmodelle

Um neue digitale Angebote und Geschäftsmodelle zu entwickeln, müssen bereits umfangreiche Voraussetzungen erfüllt sein. Innovative Produkte, die einen integrierten Datendienst beinhalten, oder Pay-per-Use-Modelle können nur angeboten werden, wenn es schon entsprechende Kundenkanäle gibt. Self-Service-Portale bieten für die Kunden der Handwerksbetriebe beispielsweise diese technischen Voraussetzungen.

Dafür ist es wiederum notwendig, dass die internen Prozesse im Unternehmen datengestützt elektronisch ablaufen. Insgesamt ergeben sich in diesem Bereich enorme Potentiale für die Handwerksbetriebe. Es wird möglich, Produkte und Serviceangebote mit Hilfe von Kundendaten zu individualisieren. Kostenlose digitale Zusatzprodukte bieten Kunden einen Anreiz, mit der Firma zusammenzuarbeiten. Auch die Nutzung von Internetportalen anderer Anbieter eröffnet Chancen, neue Kunden zu akquirieren.

Video: Das vernetzte Dach. Digitalisierung im Handwerk: Ewald Sahm GmbH in 10. Generation

Umgang des Handwerks mit den Themen IT-Sicherheit und Datenschutz

Besonders wenn es darum geht, Kundenbeziehungen digital zu gestalten, rückt das Thema Sicherheit ins Zentrum des Interesses. Die Zusammenarbeit mit neuen Geschäftspartnern oder das Anbieten von Smart Products sind ebenfalls nicht vorstellbar, wenn die Sicherheitsfragen nicht geklärt sind. Wird bekannt, dass Unbefugte auf die Kundendaten zugegriffen haben, hat dies fatale Folgen für das Image des Unternehmens. Besonders im Bereich Sicherheit im Hinblick auf den Zugriff auf Daten und Anwendungen sowie die Speicherung und Übertragung von Daten herrscht in vielen Handwerksbetrieben noch Handlungsbedarf.

Cloud-Lösungen ebnen den Weg zur umfassenden Digitalisierung im Handwerk

Fast 80 Prozent der Handwerksunternehmen sehen die Potentiale der Digitalisierung, mit denen die Kostenstruktur optimiert und die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert werden können. Dennoch empfinden laut einer Studie des Zentralverbandes des deutschen Handwerks 56 Prozent aller Handwerksbetriebe die Digitalisierung als große Herausforderung und scheuen vor allem die hohen Investitionskosten für die modernen Technologien. Cloud-Lösungen bieten den Unternehmen professionelle und dennoch kostengünstige Lösungen.

Welchen Vorteil haben Cloud-Lösungen für Handwerksbetriebe?

Wenn sich Unternehmen für eine Cloud-Lösung entscheiden, entstehen monatlich fixe Kosten je Nutzer und somit sind die IT-Kosten kalkulierbar. Der Leistungsumfang ist beeindruckend, denn es sind in diesem fixen Betrag bereits alle Kosten für den Betrieb der Server, die Lizenzen für die Betriebssysteme und die Wartungen enthalten.

Auch die gemeinsam genutzten Infrastrukturen sind inklusive, sodass die Firmen von hochverfügbaren Festplattensystemen sowie leistungsfähigen Internetzugängen profitieren. Eine derartige IT-Infrastruktur zu installieren, würde erhebliche Investitionskosten verursachen. Besonders für die mittelständischen Handwerksbetriebe sind deshalb Cloud-Lösungen eine hochwertige und dennoch relativ kostengünstige Alternative.

Erfüllen die Cloud-Lösungen hohe Sicherheitsstandards?

Viele Handwerksbetriebe sind einer Cloud-Lösung gegenüber kritisch eingestellt, weil damit vermeintlich Sicherheitslücken einhergehen. Das ist jedoch nicht der Fall.

Cloud-Lösungen realisieren höchste Sicherheitsstandards. Die Handwerksbetriebe könnten einen derartig hohen Aufwand selbst kaum wirtschaftlich realisieren. Dedizierte Firewall-Appliances sorgen für eine effektive Verschlüsselung. Besteht ein besonders hoher Sicherheitsbedarf kann ein Virtual Private Network (VPN) eingerichtet werden. Die Auditierung durch externe Datenschutzbeauftragte stellt sicher, dass sich die Unternehmen auf die vertraglich zugesicherten Sicherheitsvorkehrungen verlassen können.

Cloud-Lösungen realisieren höchste Sicherheitsstandards. (#03)

Cloud-Lösungen realisieren höchste Sicherheitsstandards. (#03)

Welche Bedingungen müssen für eine erfolgreiche Cloud-Lösung vorliegen?

Wie jede andere Strategie muss auch die Digitalisierung mit Hilfe einer Cloud-Lösung vom gesamten Betrieb getragen werden. Die Ziele der Digitalisierung sollten kommuniziert und verinnerlicht werden.

Im nächsten Schritt werden dann die Geschäftsprozesse im Hinblick auf das Digitalisierungspotential analysiert. Es folgt eine Festlegung der Schritte und Zwischenziele, die für die Mitarbeiter nachvollziehbar und auch im Tagesgeschäft umsetzbar sind. Mit dem Erreichen dieser Meilensteine wird die Ablauforganisation stetig verbessert. Damit werden optimale Bedingungen für die Automatisierung geschaffen und eine bedarfsgerechte Skalierung ermöglicht.

Welchen Nutzen bringt das Cloud-Computing den Unternehmen?

Mit einer Cloud-Lösung gelingt es einfacher, Widerstände gegenüber der Digitalisierung abzubauen. Nachdem die Mitarbeiter sich dann von den technischen Möglichkeiten und auch der Arbeitserleichterung überzeugen konnten, steigt die Akzeptanz, weitere Digitalisierungsmaßnahmen mitzutragen und damit die Wahrscheinlichkeit eines Umsetzungserfolgs.

Themen wie Service, vorausschauende Wartung und mobile Zeiterfassung rücken fast automatisch in den Mittelpunkt der weiteren Anstrengungen. Cloud-Lösungen bieten den Firmen die Möglichkeit, etwas Neues ohne hohen Investitionsaufwand auszuprobieren und dann zu entscheiden, welche Bausteine der Digitalisierung für das eigene Unternehmen geeignet sind. Das erhöht die Flexibilität und erlaubt ein Wachsen der IT-Struktur mit dem Betrieb. Es kann schnell und kostengünstig auf Veränderungen innerhalb des Unternehmens reagiert werden. Das hat zur Folge, dass sich die Handwerksbetriebe nicht auf die Informationstechnologie, sondern auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.


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