Die Shitstorms im Monat September 2016

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Shitstorm wegen kaputter Sneakers

Das bekannte Edelkaufhaus Barneys in New York hat in seinem Schaufenster Sneakers für mehr als 500 € stehen, die teilweise mit Klebeband geflickt oder verdreckt sind. Dieser Trend sorgt in den sozialen Medien derzeit für viel Aufregung wegen des Kaufpreises. Die Turnschuhe stammen vom Kultlabel Golden Goose, welches normalerweise Turnschuhe in Retrooptik anbietet. Mit diesem Used-Look treibt es das Label nach Meinung der Verbraucher allerdings zu weit. Ein Modell wurde zum Beispiel mit künstlichen Schlammrändern und Schmutzflecken versehen und mit Klebeband geflickt. Damit werden ein paar stark gebrauchte Sneakers imitiert, die gerade so noch am Fuß halten.

Trotz alledem stehen sie bei den Modeverrückten im Moment ganz hoch im Kurs. Dabei ist Barneys das erste Kaufhaus, welches die Schuhe überhaupt im Angebot hat. Laut Produktbeschreibung müssen nun Kunden nicht mehr mühevoll ihre Turnschuhe selbst durchlatschen. Wohl deshalb heißt der Style auch „Mühelos cool“. Die Besonderheit: die Schuhe waren schon nach einigen Tagen ausverkauft. Vor allem auf Twitter ist die Entrüstung groß und die Kommentare gehen sinngemäß in die Richtung, dass Reiche viel dafür zahlen, um selbst nach Arbeiterklasse auszusehen.

Ärztliches Attest über Zöliakie sorgt für Aufregung

Auf Facebook hat sich ein Café in Dublin einen Shitstorm eingehandelt – der Inhaber hat dort verkündet, dass er künftig glutenfreies Essen nur noch denjenigen Gästen serviert, die ein ärztliches Attest über Zöliakie vorweisen können. Über diese Ankündigung regten sich zahlreiche Menschen auf. Den Grund nannte der Betreiber auch gleich: ein Gast hatte nach einem guten freien Pfannkuchen gefragt und die Bedienung wollte wissen, ob sie denn unter Zöliakie leide. Dabei stellte sich heraus, dass diese Kunden noch nicht einmal wusste, was das Wort überhaupt bedeutet. Darauf bestellte sie einen herkömmlichen Pfannkuchen, der bekannter Weise zu einem hohen Prozentteil aus Mehl besteht und daher besonders glutenreich ist.

Der Shitstorm hat natürlich nicht lange auf sich warten lassen und zahlreiche Facebook Nutzer beschimpften den Inhaber als ignorant. Dieser gab an, dass es sich bei der Mehrheit seiner Kunden, die auf glutenfreies Essen bestünden, nur um einen eingebildeten Zustand handle, vor allem dann, wenn noch nicht einmal der Name der Krankheit bekannt sei.

Streamingdienst Kunden verpassen Manchester-Derby und lösen Shitstorm aus

Pünktlich zum Manchester Derby kam es beim Streamingdienst DAZN zu Serverproblem. Deutsche Kunden konnten das Duell nicht sehen und waren erbost. Der Sportstreaming Dienst DAZN ist erst vor einigen Wochen eröffnet worden. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als das „Netflix des Sports“. Doch bereits beim ersten Top-Ereignis der Saison – dem Erstligaderby zwischen Manchester City und Manchester United – konnten User nur schwarze Bildschirme sehen. Anscheinend lagen Serverprobleme vor und etwa 10 Minuten nach Anpfiff gab das Unternehmen auf Twitter bekannt, dass es Probleme gebe und an der Lösung gearbeitet würde.

Dafür hagelte es in den sozialen Netzwerken Kritik – die Begründung: für eine Abo Gebühr in Höhe von 9,99 € monatlich dürfte so etwas nicht passieren. Zahlreiche Twitter Kommentare der verärgerten Nutzer sorgten dafür, dass in den Twitter Trends #DAZN in die Top-3 schoss. Nach Angaben des Unternehmens sollen auf der Streaming Plattform in der Saison 2016/2017 etwa 200 Spiele der Premier League exklusiv und live übertragen werden. Der Stream kann theoretisch über jeden Webbrowser gestartet werden. Noch vor einiger Zeit lagen die Übertragungsrechte beim Pay-TV-Sender Sky. Beim Kampf um deutsche Lizenzen hat Sky jüngst verloren – in der Vergangenheit hatte auch Sky oft bei wichtigen Spielen mit denselben Problemen zu kämpfen. Übrigens hatte Sky Sports UK während der Partie in Manchester ebenfalls Serverprobleme.

Matratzen Firma löst Shitstorm wegen „Twin Tower“-Werbespot aus

Ein Matratzenunternehmen in Texas hatte am 11. September (der 15. Jahrestag der Anschläge) einen Werbespot ausgestrahlt, der sich über den Twin-Tower lustig macht. Das Unternehmen Miracle Mattres versprach jede Matratze für den Preis einer Zwillingsmatratze zu verkaufen. Damit wollte das Unternehmen auf die einstürzenden Zwillingstürme im World Trade Center anspielen. Im Werbevideo waren zwei rückwärts taumelnde Mitarbeiter zu sehen, die in umfallende Matratzentürme fielen.

Der Clip verbreitete sich schnell und es hagelte einen deftigen Shitstorm – sogar CBS News berichtete von der Geschmacklosigkeit. Der Ladenbesitzer Mike Bonanno gab an, dass das Werbevideo ohne sein Wissen gemacht wurde und entschuldigte sich. Außerdem teilte er auf Facebook mit, dass er das Ladenlokal schließen würde – inzwischen ist das Geschäft tatsächlich geschlossen.

Wirt erntet Storm wegen Rausschmiss einer Nikab-Trägerin

In Bielefeld hat ein Wirt eine Nikab-Trägerin aus seinem Lokal verwiesen, nachdem sich diese geweigert hat, die Nikab (ein Gesichtsschleier, der das gesamte Gesicht verdeckt und nur einen Sehschlitz offen lässt) abzunehmen und ihr Gesicht zu zeigen. Im Netz erntete der Gaststätteninhaber nur einen Shitstorm, sondern es gab auch viele Kunden, die ihn in seiner Entscheidung bestärkten. Auf seiner Facebook Seite schrieb der Wirt: „Liebe Freunde, wenn ihr Euch über die vielen negativen Bewertungen seit gestern wundert (Google und FB): ich bin gestern mit einer Muslima aneinandergeraten und habe dadurch wohl jetzt einen Shitstorm an der Backe!“.

Dieser Vorfall sprach sich schnell rum und dem Wirt wurde von vielen Nutzern diskriminierendes und rassistisches Verhalten vorgeworfen. Der Shitstorm ist jedoch  nicht das einzige Problem, mit welchem der Inhaber nun zu kämpfen hat, denn viele Facebook User machen sich auch damit Luft, dass sie das Restaurant in diversen Bewertungsportalen schlecht benoten. Allerdings gab es genauso Zuspruch für die Reaktion. Hiervon zeigte sich der Wirt gerührt und schrieb: „Ey Leute – ihr seid der Hammer! Ich sitze hier und habe ganz rote Ohren vom vielen Lob und den tollen Bewertungen. Danke, danke, danke. Meine Familie und meine Mitarbeiter aus vielen Nationen bedanken sich ebenfalls bei Euch“.

Toilettengeld an Kölner Grundschule sorgt für Shitstorm

Auf Facebook wurde in einer anonymen Gruppe ein Brief einer Grundschule aus Köln an Eltern veröffentlicht, in der sieben Euro Toilettengeld eingefordert wurden. Unter dem Beitrag regten sich viele Facebook User über diese Regelung auf und forderten sogar zu einer Demo auf. Dabei ist das Thema für Eltern von Kölner Schulkindern keinesfalls unbekannt – nur schlägt es erst jetzt in den sozialen Medien hohe Wellen.

Mit dem Geld werden Toilettenfrauen bezahlt, die dafür sorgen, dass die Toiletten sauber sind – beschlossen wurde diese Maßnahme in einer Schulkonferenz. So ist zum Beispiel die Kölner Gesamtschule Holweide die erste Schule in Nordrhein-Westfalen gewesen, die bereits im Jahre 2001 eine bewirtschaftete Schultoilette einführte. Die Bezirksregierung wies darauf hin, dass niemand gezogen werden kann, dieses Geld zu zahlen und dass es sich dabei um freiwillige Spenden handelt.


Bildnachweis: © unsplash.com – verie woodard

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Hans-Jürgen Schwarzer leitet die Content-Marketing-Agentur schwarzer.de. Als Marketer, Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger gehört er zu den Hauptautoren von startup-report.de und industry-press.com. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatriot dabei „ausgefallene“ Ideen und technische Novitäten besonders am Herzen.

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