China: Automobilindustrie bekommt Brennstoffzelle verordnet

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Die Brennstoffzelle wird in China Automobilindustrie und Straßen dominieren. Medienberichte und auch politische Entscheidungen weisen bereits darauf hin, dass Fahrzeuge mit Brennstoffzellen sowohl batterieelektrische Fahrzeuge wie auch Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren ablösen werden.

China: Automobilindustrie bekommt Brennstoffzelle verordnet

Noch sind Fahrzeuge mit Brennstoffzelle eher selten auf Chinas Straßen, doch dies soll sich schon bald ändern. Maßgeblich hierfür ist die Planungskommission in China. Während bislang die E-Mobilität das Lieblingskind der Planungskommission Chinas war, sind nunmehr neue Töne zu vernehmen.

Eine neue Strategie erreicht kürzlich über die „China Daily News“ die Öffentlichkeit. Vier sogenannte Wasserstoff-Korridore will man etablieren. Hierbei stehen die Entwicklungen in Japan und in Kalifornien Pate.

Wasserstoff-Korridore nach Vorbild Japan und Kalifornien

Wie weit der Gedanke der Fuel Cell Electric Vehicles in China bereits die Runde gemacht hat, erkennt man daran, dass einige Regionen sich committen, regional bis zu 20 Wasserstoff-Korridore eröffnen zu wollen. Natürlich kann in China die Automobilindustrie von gewissen Vorteilen profitieren. Dies sind die Ressourcen des Landes und vor allem die Größe des Marktes, welche durch die zu erwartenden Stückzahlen schnell zu einer Wirtschaftlichkeit führt. Ungeachtet dessen gilt China in Sachen FCEV als Spätstarter.

Weichenstellung: Subventionen nur noch für die Brennstoffzelle

Die Brennstoffzelle ist politisch gewollt. Wie ebenfalls von der China Daily Mail zu erfahren war, werden staatliche Subventionen künftig nicht mehr dem Elektromobil zufließen. Vielmehr sollen diese Gelder direkt die Entwicklung der Wasserstoff-Brennstoffzelle vorantreiben. Im Gegenzug wird auch gleich die Technologie der auf Lithiumionen-Batterien basierenden Elektroautos abgekündigt. Sauberer und effizienter seien die FCEVs – so ist es zu vernehmen.

Das chinesische Finanzministerium und Chinas Ministerium für Wissenschaft und Technologie haben ihre Subventionen für batteriegetriebene Elektromobilität noch im März diesen Jahres auf 35% heruntergefahren. Damit wurden bereits Fakten geschaffen, die richtungsweisend sind.

Die Subventionen für E-Autos wurden auch an eine Mindestreichweite geknüpft: 250 Kilometer weit muss das Vehikel tragen. Bislang genügten bereits 150 Kilometer. Reicht das Fahrzeug 400 Kilometer weit, sinken die Subventionen nur um 50%. Doch die Freude ist verfrüht, denn ab 2020 werden sämtliche Subventionen gestrichen.

Laut einer Studie von Frost & Sullivan wird China mit zu den Gewinnern in der Automobilindustrie gehören. Asiatische OEMs werden den Markt für Brenstoffzellenfahrzeuge dominieren. Hier im Bild ein Honda Clarity Fuel Cell Car auf dem 87. Internationalen Automobil-Salon in Genf. (#1)

Laut einer Studie von Frost & Sullivan wird China mit zu den Gewinnern in der Automobilindustrie gehören. Asiatische OEMs werden den Markt für Brenstoffzellenfahrzeuge dominieren. Hier im Bild ein Honda Clarity Fuel Cell Car auf dem 87. Internationalen Automobil-Salon in Genf. (#1)

Frost & Sullivan: Markt der Brennstoffzellenfahrzeuge wird wachsen

Im Jahr 2016 gab es weltweit ganze 261 Wasserstofftankstellen. Bis zum Jahr 2030 soll das Netz auf 7.564 Wasserstofftankstellen ausgebaut werden. Zeitgleich soll die Zahl der FCEV (Fuel Cell Electric Vehicle) auf weltweit 530.000 Einheiten anwachsen. Frost & Sullivan sieht den Markt der FCEV klar von asiatischen OEMs dominiert.

Auch staatliche Anreize ermöglichen es der Brennstoffzellen-Mobilität, zu mehr Popularität zu gelangen. Die Weiterentwicklung der Brennstoffzellen-Stacks und die Verbesserung der bestehenden Brennstoffzellensysteme unterstützen die Entwicklung von der technischen Seite. Frost & Sullivan erwartet so eine Beschleunigung von Kommerzialisierung und Akzeptanz.

Ein Zeichen der zunehmenden Kommerzialisierung ist die Markteinführung von 20 Brennstoffzellenautos. Dies wird die Grundlage für die weitere Entwicklung des Fuel Cell Passenger Car Market sein.

Hier eine Zusammenfassung der Schlüsseleinflüsse weltweit.

  1. Investitionen

    Frost & Sullivan rechnet mit Investitionen im Bereich von zwei Milliarden US-Dollar. Als Treiber der Investments sieht man bekannte Topinvestoren:

    • Kleiner Perkins Caufield & Byers
    • Credit Suisse
    • Rolls-Royce Holdings

     

  2. Staatliche Anreize

    Die Preise für Brennstoffzellen-Stacks sollen vom US-Energieministerium gesenkt werden.

  3. Akzeptanzstrategien der OEMs

    Hyundai, Honda und Toyota entwickeln bereits jetzt Strategien für eine verbesserte Akzeptanz von Brennstoffzellenfahrzeugen.

Darüber hinaus rechnet man mit weiteren Synergieeffekten aus Joint Ventures zwischen OEMs und Energieversorgern.

China: Automobilindustrie und Konsumenten unabhängiger

Die chinesische Automobilindustrie hatte bei der Entwicklung gewiss einen großen Vorsprung der anderen Nationen aufzuholen. Der Gedanke, sich nicht mit dem mühseligen Aufholen des Vorsprungs beim Verbrennungsmotor aufzuhalten und gleich in einer Zukunftstechnologie durchzustarten, war für Chinas Automobilindustrie eine gute Entscheidung. Für die gesamte Wirtschaft Chinas brachte diese Direktive die Unabhängigkeit vom Öl. China hatte sich zudem frühzeitig Schürfrechte an für die E-Mobilität wichtigen Rohstoffen gesichert. Eigentlich eine sehr heile Welt, in der sich Chinas Automobilindustrie da aufstellen konnte.

Japan hat die Geschwindigkeit maßgeblich beeinflusst, mit der in China die Automobilindustrie ihren Technologieschwenk ausführt. Im Bild: das Toyota Concept-i concept BEV, FCEV car. (#29

Japan hat die Geschwindigkeit maßgeblich beeinflusst, mit der in China die Automobilindustrie ihren Technologieschwenk ausführt. Im Bild: das Toyota Concept-i concept BEV, FCEV car. (#29

High Speed in China: Automobilindustrie soll bis 2030 eine Million FCEV liefern

Der Richtungswechsel soll auf einen Besuch des Premierminister Li Keqiang in Japan zurückgehen. Die Fortschritte der Entwicklung von Brennstoffzellen waren Gegenstand der Reise und Li Keqiang zeigte sich von dem Stand der japanischen Automobilindustrie nachhaltig beeindruckt. Glaubt man der China Daily News, dann war es nicht zuletzt die Beobachtung, dass ein wasserstoffgetriebener Toyota Mirai sich in wenigen Minuten betanken lässt.

Die Erkenntnisse der Japanreise werden nun in Windeseile umgesetzt. Als erstes hat BYD dies zu spüren bekommen. Der Rückgang der staatlichen Förderung führt bereits zu Verlusten. Nach Informationen des Nachrichtenportals Sohu erhielt BYD in den letzten fünf Jahren über eine Milliarde Euro an Subventionen für sein E-Mobility-Programm.

Im April 2019 waren von den knapp 2 Millionen zugelassenen Pkw nur etwa 100.000 Fahrzeuge mit Hybridantrieb.

Chinas Automobilindustrie auf Umweltkurs

Schon im Jahr 2018 erklärte China-Experte Jochen Sieber von JSC Automotive, dass es dem chinesischen Ministerium für Ökologische Umwelt mit seinen Bemühungen ernst sei. Er stellte die Entscheidung pro E-Mobility auf den Prüfstand und prophezeite, dass sich die Ausrichtung von Chinas Automobilindustrie auch jederzeit ändern könne. So ist es nun geschehen.

Von offizieller Seite werden nun die Elektroautos ob ihrer „häufigen Brände“ (etwa 40 Vorkommnisse) beschimpft. Doch das darf man getrost als Begleitmusik des Abgangs abtun. Mit dem Richtungswechsel gelingt China allerdings tatsächlich auch ein Schritt hin zu mehr Umweltorientierung. Der Abbau der Schwermetalle für die Herstellung der Elektroautos und auch später die Entsorgung giftiger Abfälle sind künftig obsolet.

Stets auf der Suche nach Alternativen

Auch der Schwenk hin zur Brennstoffzelle muss für Chinas Automobilindustrie noch lange kein sicherer Hafen sein. So werden derzeit auch die Erdgasvorkommen in der See vor Südchina in die Überlegungen zur Motorenentwicklung einbezogen.


Bildnachweis: © shutterstock – Titelbild Jenson, #1 Von VanderWolf Images, #2 Bilanol

Marius Beilhammer

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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