Spezialguss Wetzlar GmbH: Kauf durch Duktus ist umstritten

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Die Belegschaft der Spezialguss Wetzlar GmbH ist sehr verärgert über den geplanten Verkauf an den Nachbarn und direkten Konkurrenten, den Gussrohrherrsteller Duktus. Die Gründe dafür:

Bei der Belegschaft der Spezialguss Wetzlar GmbH kommt der Verkauf nicht gut an

Der geplante Verkauf der Eisengießerei Spezialguss Wetzlar GmbH ruft bei der Belegschaft großen Unmut hervor. Denn bereits in den letzten Jahren haben die Beschäftigten einige, teils weitreichende, Eingeständnisse an die Firmenleitung gemacht, um das Überleben der Eisengießerei zu sichern. Leider scheint das vergeblich gewesen zu sein.

Denn nachdem in den letzten fünf Geschäftsjahren das Unternehmen durchweg roten Zahlen geschrieben hat, hoffte man, durch ein sogenanntes Schutzschirmverfahren einen neuen Investor zu finden und damit die Gießerei endlich wieder auf Kurs zu bringen.

Die Eisengießerei, die Gießformen im Handformverfahren und Spezialguss herstellt, sowie 35 der aktuell 138 Beschäftigten, sollten von Duktus übernommen werden. (#01)

Die Eisengießerei, die Gießformen im Handformverfahren und Spezialguss herstellt, sowie 35 der aktuell 138 Beschäftigten, sollten von Duktus übernommen werden. (#01)

Zunächst hoffnungsvolle Entwicklung für die Gießerei

In den ersten Verhandlungsrunden sah es noch durchaus positiv aus für die Spezialguss Wetzlar GmbH. Parallel zum Start des Insolvenzverfahrens in Eigenregie am ersten März, begann man mit den Verhandlungen mit der Firma Duktus bezüglich einer möglichen Übernahme. Dukuts, die selbst Teil der vonRoll hydro Gruppe sind, wollten den geographischen Nachbarn Spezialguss Wetzlar GmbH zu Beginn der Verhandlungen kaufen und legten bereits ein konkretes Angebot vor: Die Eisengießerei, die Gießformen im Handformverfahren und Spezialguss herstellt, sowie 35 der aktuell 138 Beschäftigten, sollten von Duktus übernommen werden.

Für die restlichen Mitarbeiter der Gießerei sollte eine Transfergesellschaft gegründet werden. Doch ein paar Tage nach den nahezu abgeschlossenen Verhandlungen kam plötzlich alles anders: Die Firma Duktus stellte wie aus heiterem Himmel Bedingungen an den Kauf der Eisengießerei.

Die Beschäftigten der Gießerei, darunter viele Fachleute für Handformverfahren und Maschinenformguss, erheben zum Teil schwere Vorwürfe gegen die Firma Duktus. (#02)

Die Beschäftigten der Gießerei, darunter viele Fachleute für Handformverfahren und Maschinenformguss, erheben zum Teil schwere Vorwürfe gegen die Firma Duktus. (#02)

Schwerwiegende Vorwürfe der Spezialguss Wetzlar GmbH

Die Beschäftigten der Gießerei, darunter viele Fachleute für Handformverfahren und Maschinenformguss, erheben zum Teil schwere Vorwürfe gegen die Firma Duktus. So soll es unter anderen eine Negativliste geben, auf der die Namen der Beschäftigten festgehalten sind, von denen man sich unter allen Umständen trennen will.

Zusätzlich dazu sollten die Beschäftigten noch weitere Eingeständnisse beim Lohn machen, obwohl bereits die derzeitigen Löhne unter dem gültigen Tarifvertrag der Spezialguss-Branche liegen. Die Eisengießerei, die unter anderem Gussformen im Handformverfahren herstellt, musste im Jahr 2013 aus dem Tarifvertrag der Branche aussteigen, da sie die tariflichen Löhne nicht mehr bezahlen konnte.

Keine Unterstützung vom ehemaligen Mutterkonzern

Das Pikante an der Geschichte: Die Spezialguss Wetzlar GmbH und die Duktus waren bis zum Jahr 2007 beide Teil der Buderus Guss GmbH und profitierten auch danach noch voneinander. So kauft die Gießerei der Duktus jährlich bis zu 12.000 Tonnen Roheisen und auch Energie ab. Diese Partnerschaft wollte man in der Geschäftsleitung der Eisengießerei auch noch nach der Insolvenz aufrecht erhalten.

Nun zweifelt man aber daran, ob die Absichten der Duktus/vonRoll hydro so konkret und vor allem Ernst gemeint waren, wie sie zunächst erschienen. Bevor weitere Schritte unternommen werden, muss das verloren gegangene Vertrauen der Spezialguss Wetzlar GmbH daher erste wieder aufgebaut werden.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild:  Bukhanovskyy -#01: mady 70 -#02: huyangshu

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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