Teuerste WM aller Zeiten: WM 2018 in Russland

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Seit Jahren melden Kritiker, dass die Kosten für die WM 2018 in Russland geradezu explodieren. Es ist fraglich, ob der damit erhoffte Schub für die Wirtschaft erreicht wird.

Wirtschaftsmacht Fußball: Treten die Kosten in den Hintergrund?

Der internationale Fußball ist weit mehr als ein sportlicher Wettbewerb. Mittlerweile wird von einer Fußballindustrie gesprochen, die zur bedeutenden Wirtschaftsmacht geworden ist. Schon das ganz „normale“ Fußballgeschäft beschert den Vereinen, TV-Sendern, Brauereien, der Werbebranche und den Herstellern der Merchandising-Produkte gigantische Umsätze.

Stehen dann in einem Land große Turniere an, erhöht sich der wirtschaftliche Effekt nochmals erheblich. Ein Mega-Event wie die Fußball WM 2018 in Russland gilt als Motor für die Volkswirtschaft und so ist es nicht verwunderlich, dass die Austragungsländer bereit sind, kräftig zu investieren. Fußballstadien werden ausgebaut und modernisiert. Häufig werden sogar mit einem riesigen Aufwand neue Stadien errichtet. Darüber hinaus muss die Infrastruktur angepasst werden, denn Russland rechnet mit einer Million Fans, die zur WM anreisen.

Die WM 2010 in Südafrika hat geschätzte sechs Milliarden Euro gekostet. Vier Jahre später stiegen die Kosten in Brasilien bereits auf mehr als zehn Milliarden Euro. Rechnet man die Folgekosten dazu, wird sogar eine Summe von 20 Milliarden Euro genannt. Obwohl Russland offiziell von 10 Milliarden Euro Gesamtkosten ausgeht, wird sich die Gesamtsumme höchstwahrscheinlich auf deutlich mehr als 20 Milliarden Euro belaufen.

Welche Kosten verursacht die WM 2018?

Den größten Kostenfaktor bildet der Bau der Sportstätten. In Russland werden die Spiele in zwölf Stadien der Superlative ausgetragen. Einige Stadien wurden ausgebaut und modernisiert und andere zu diesem Anlass neu erbaut. Darüber hinaus müssen hohe Ausgaben für den Ausbau der Infrastruktur und die Sicherheit bewältigt werden.

Gastgeber Russland hat den Aus- und Neubau der Sportarenen mit ähnlichem Ehrgeiz betrieben wie seine Vorgänger. (#01)

Gastgeber Russland hat den Aus- und Neubau der Sportarenen mit ähnlichem Ehrgeiz betrieben wie seine Vorgänger. (#01)

Kostenfaktor Nummer 1: Fußballstadien

Gastgeber Russland hat den Aus- und Neubau der Sportarenen mit ähnlichem Ehrgeiz betrieben wie seine Vorgänger. Fans freuen sich auf zwölf hochmoderne Stadien, die jedoch entsprechend teuer sind. Offiziell wurden rund zehn Milliarden Euro in den Bau der Stadien investiert. Mittlerweile gehen Schätzungen jedoch von bis zu 17 Milliarden Euro aus. Schon diese zehn Milliarden Euro wären eine Rekordsumme in der Geschichte der WM. Zu Beginn der Planungen ging man übrigens von vergleichsweise bescheidenen vier Milliarden Euro Kosten aus.

Fast eine Milliarde Euro teuer ist allein die Modernisierung des Prunkstücks der Weltmeisterschaft: Das Moskauer Luschniki-Stadion, in dem das Eröffnungs- und das Endspiel vor den Augen der Weltöffentlichkeit stattfinden, bietet 81.000 Fans Platz. Das Stadion erfüllt die Anforderungen der höchsten Kategorie des Europäischen Fußballverbandes. Das hatte allerdings seinen Preis. Der Umbau kostete Schätzungen zufolge eine Milliarde Euro. Das imposante Sankt-Petersburg-Stadion wurde speziell für die WM gebaut und der Neubau schlug ebenfalls mit einer Milliarde Euro zu Buche. Anfangs geschätzte Kosten erhöhten sich bei jedem Stadion aufgrund von Bauverzögerungen und Problemen beim Bau. Es regt sich der Verdacht, dass die Kosten bewusst optimistisch geschätzt wurden.

Der Austragungsort Rostow am Don erhielt einen Flughafen (#02)

Der Austragungsort Rostow am Don erhielt einen Flughafen (#02)

Kostenfaktor Nummer 2: Infrastruktur

Eine Million Fans werden Russland besuchen, um die WM-Spiele und das ganz besondere Ambiente live zu erleben. Um diesen Ansturm bewältigen zu können, musste die Infrastruktur in den Austragungsorten ausgebaut werden. Russland hat Milliarden in Hotels, Straßen, U-Bahnen und Flughäfen investiert. Der Austragungsort Rostow am Don erhielt einen Flughafen und Jekaterinenburg investierte in den Ausbau der Straßen und Hotels. Kritiker wenden ein, dass Überkapazitäten geschaffen wurden, die nach der WM nicht genutzt werden können.

Kostenfaktor Nummer 3: Sicherheit

In Zeiten drohender Terroranschläge wird den Sicherheitsmaßnahmen oberste Priorität eingeräumt. Auch in dieser Hinsicht sprengt die WM in Russland alle Rekorde. Mehr als 100.000 Einsatzkräfte sorgen für die Sicherheit der Mannschaften und der Fans. Bedenkt man, dass die Sicherheitsmaßnahmen für die Olympischen Winterspiele 2014 bereits 1,4 Milliarden Euro gekostet haben, ist davon auszugehen, dass die Kosten bei der WM weit höher liegen. Es müssen über das riesige Land verteilt elf Spielorte sowie die Camps der 32 Nationalmannschaften gesichert werden.

Mehr als 100.000 Einsatzkräfte sorgen für die Sicherheit der Mannschaften und der Fans. (#03)

Mehr als 100.000 Einsatzkräfte sorgen für die Sicherheit der Mannschaften und der Fans. (#03)

Lohnt sich der Aufwand für die Gastgeber-Länder?

Wenn sich ein Land darum bewirbt, eine Fußball WM auszurichten, ist das eine Frage des Prestiges. Es ist eine Ehre, als WM-Gastgeber dafür zu sorgen, das wichtigste Turnier weltweit perfekt zu organisieren. Schon vor dem ersten Anpfiff blickt die Welt, oder zumindest der an Fußball interessierte Teil der Welt, auf das Gastgeberland und verfolgt gespannt die Vorbereitungen.

Dabei kann mittlerweile ein Trend festgestellt werden: Jede Fußball WM wird teurer als die vorherige und der Fußball-Fan fragt sich kopfschüttelnd, wie ansonsten wirtschaftlich schwächelnde Länder diese Kosten bewältigen. Manchmal kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Kosten schlichtweg keine Rolle mehr spielen. Teilweise ging in der Vergangenheit die Rechnung auf und der Gastgeber profitierte auch wirtschaftlich von der Organisation der WM.

Bisher gilt folgende Rangliste im Hinblick auf die Kosten für eine WM:

  • Rang 3: Deutschland 2006
  • Rang 2: Brasilien 2014
  • Rang 1: Russland 2018

Video: Der Terror und die Fußball-WM – Russland zwischen Angst und Euphorie | WDR Doku

Widerstände in der Bevölkerung

Spätestens seit der WM 2014 in Brasilien mehren sich jedoch die kritischen Stimmen gegen die immer weiter steigenden Kosten. Die Kritiker behaupten, dass der erhoffte Schub für die heimische Wirtschaft ausbleibt. Exponentiell wachsende Kosten belasten die Volkswirtschaft und deshalb sind die Großereignisse mittlerweile in den Austragungsländern stark umstritten. Teilweise wehren sich die Menschen sogar mit Demonstrationen gegen eine Bewerbung als Gastgeber. In Deutschland verhinderte ein Referendum die Bewerbung um die Olympischen Spiele. Hauptargument der Gegner war die Furcht vor ausufernden Kosten für eine Infrastruktur, die nach dem Großereignis nicht mehr gebraucht und kaum alternativ genutzt werden kann.

Video: RUSSLAND von seiner BESTEN Seite? │ WM 2018

Was bringt die WM 2018 Russland im Hinblick auf das Image?

Zum einen ist die WM eine hervorragende Möglichkeit, das Image des Gastgeberlandes zu verbessern. Vier Wochen lang erhält Russland die Möglichkeit, sich der Weltöffentlichkeit als freundlicher, weltoffener Gastgeber zu präsentieren. Dem Imagegewinn steht allerdings der nicht zu unterschätzende Imageverlust gegenüber, der von der Berichterstattung im Vorfeld verursacht wurde.

Am Beispiel des Stadions in Sankt Petersburg wird diese Diskrepanz deutlich. Das Prestigeobjekt Wladimir Putins kostete eine Milliarde Euro und ist ein Stadionbau der Superlative. Abends wird die kreisförmige, silberfarbene Arena von blauem Licht illuminiert. Dann wirkt das imposante Stadion an der Ostsee-Bucht wie ein surreales Raumschiff. Auch innerhalb der Arena wurde nicht gespart. Maximal 67.000 Fans sind von der Ausstattung und perfekten Akustik begeistert.

Allerdings wurde die fast zehnjährige Bauzeit auch von Skandalen begleitet. Besonders der von Journalisten aufgedeckte Skandal, dass nordkoreanische Arbeiter unter unmenschlichen Bedingungen ausgebeutet wurden, sorgte für Schlagzeilen, die sicher nicht so schnell vergessen werden. Inwieweit die Imagevorteile die -nachteile überwiegen, kann nicht beziffert werden. Uneingeschränkt positiv ist das Bild, das Russland der Weltöffentlichkeit bietet, jedoch sicher nicht.

Video: Die Wahrheit über die WM 2018

Zahlen sich die hohen Kosten für die WM 2018 aus?

Fußball ist eine Wirtschaftsmacht und die Wertschöpfungskette ist wesentlich umfangreicher als vor 20 Jahren. Merchandising, Sponsoring, Lizenzen, Ticketverkäufe und Medienrechte in Milliardenhöhe führen dazu, dass Fußball als Wachstumsmotor einer Volkswirtschaft betrachtet werden kann. Großereignisse wie die WM toppen den Hype nochmals und deshalb können die Kosten, die mit der Austragung einhergehen, bis zu einem bestimmten Umfang auch als lohnende Investition betrachtet werden.

Problematisch wird die Situation, wenn eine gewaltige Sport-Infrastruktur in einem Schwellenland errichtet wird. Ein derartiges Vorgehen ist mit hohen Kostenrisiken verbunden. Brasilien hat die Kosten unterschätzt und die erhofften Einnahmen überschätzt. Viele Bauten sind mittlerweile Sport-Ruinen und das Geld fehlte dort, wo der Ausbau der Infrastruktur wesentlich größere Effekte für die Bevölkerung gehabt hätte.

Letztlich ist der ökonomische Vorteil meist geringer als erhofft. In Südafrika führten die Baumaßnahmen kurzfristig zu einem Aufschwung in der Bauindustrie und auch der Tourismus profitierte in der WM-Zeit. Danach ließen diese Effekte jedoch wieder nach. Auch die Folgekosten werden meist nicht in die Betrachtung einbezogen, obwohl diese sich ebenfalls im Milliardenbereich bewegen. Letztlich hofft Russland wie seine Vorgänger auch auf den langfristig positiven Effekt.

WM in Russland: Nur vorübergehend die teuerste WM aller Zeiten

Die Fußball WM in Russland ist zweifellos die bisher teuerste WM aller Zeiten. Es steht allerdings jetzt schon fest, dass die WM 2022 in Katar alles bisher dagewesene in den Schatten stellen wird. In Katar werden futuristische Stadien in Städten gebaut, die bislang noch gar nicht existieren und Investitionskosten von weit über 20 Milliarden Euro eingeplant. Der Sportminister sprach 2017 sogar von mehr als 180 Milliarden Euro.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: fifg -#01: _Viacheslav Lopatin -#02: _Aleks49  -#03: Nikolay Antonov

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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