Tarifvertrag MFA: Gehaltstabelle 2018/2019

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Die Gehälter für medizinische Fachangestellte und Arzthelferinnen wurden bereits mit Gültigkeit 1. April 2017 neu ausgehandelt. Der Tarifvertrag MFA steht also und es ist ein weiteres Gehaltsplus vereinbart worden. Wie stark steigen in den Jahren 2018 und 2019 die Gehälter?

Tarifvertrag MFA: 2019 wird neuer Tarifvertrag erwartet

Bereits 2017 wurde der bis heute gültige Tarifvertrag MFA vereinbart. Zunächst rückwirkend um 2,6 Prozent zum April letzten Jahres. Zum 1. April diesen Jahres gab es dann erneut 2,2 Prozent mehr Geld. Und zwar in allen Tätigkeitsgruppen sowie für Auszubildende. Ein bisheriges 13. Gehalt wurde in eine Sonderzahlung für Mitarbeiter unter anderem entsprechend ihrer Zugehörigkeit zur Praxis umgewandelt.

Der aktuelle Tarifvertrag ist gültig bis Ende März 2019. Das bedeutet: Ab Anfang April 2019 können sich Medizinische Fachangestellte auf eine neue Lohnerhöhung einstellen. Wie hoch diese sein wird, handeln die Vertragspartner aus. Es handelt sich hierbei um die Tarifpartner der niedergelassenen Ärzte (AAA) und der Medizinischen Fachangestellten (Verband medizinischer Fachberufe e.V.). Dieser hier behandelte Tarifvertrag MFA wird auch als Manteltarifvertrag bezeichnet und gilt in erster Line für niedergelassene Ärzte und ihre Praxen.

Eine medizinische Fachangestellte (MFA) unterstützt den Arzt bei seiner täglichen Arbeit mit den Patienten. (#1)

Eine medizinische Fachangestellte (MFA) unterstützt den Arzt bei seiner täglichen Arbeit mit den Patienten. (#1)

Tarifvertrag MFA: Beruf soll attraktiver werden

Die genauen Konditionen des Tarifvertrages 2019 stehen noch aus. Da es aber erklärtes Ziel ist, diese Tätigkeit beliebter bei Schulabgängern zu machen, sind erneute Gehaltssteigerungen fast sicher zu erwarten. Die Wirtschaft muss sich darauf einstellen, dass in diesem und vielen anderen Berufen die Ansprüche der Bewerber steigen und einfach auch mehr Geld für anspruchsvolle Tätigkeiten erwartet wird.

Was aber machen die zu 98 Prozent weiblichen Beschäftigten eigentlich genau? Überraschend viele Dinge, welche schon fast vergleichbar mit einer examinierten Krankenschwester sind. Dazu gehören Patienten empfangen und im System aufnehmen, Instrumente bereitlegen und dem Arzt assistieren, aber auch Verbände anlegen und Injektionen verabreichen. Ein MFA ist der erste Ansprechpartner für Patienten, macht neue Termine aus und kümmert sich um korrekte Abrechnungen.

Tarifvertrag MFA: Tätigkeitsgruppen je nach Erfahrung

Die MFA werden anhand von Tätigkeitsgruppen entlohnt. Je mehr Erfahrung gesammelt wurde, umso höherwertige Aufgaben übernimmt der Arbeitnehmer und entsprechend höher ist die Bezahlung. Um einen kurzen Überblick zu bekommen, hier wesentliche Aufgaben in den unterschiedlichen Tätigkeitsgruppen:

  • Tätigkeitsgruppe 1: Einstieg nach der abgeschlossenen Ausbildung. Arbeit in erster Linie nach Anweisung des Mediziners oder einer erfahrenen Fachkraft
  • Tätigkeitsgruppe 2: Weitgehend selbstständiges Ausführen von Tätigkeiten (u.a. ambulante Versorgung von Senioren, Notfallmanagement, mindestens 40 Stunden Fortbildung vorgeschrieben)
  • Tätigkeitsgruppe 3: Kompetenz in Präventions-Maßnahmen für Kinder und Erwachsene, Röntgen mit Strahlenschutz-Kurs und mindestens 80 Stunden Fortbildung erforderlich)
  • Tätigkeitsgruppe 4: Selbstständiges Ausführen von Tätigkeiten und mindestens 120 Stunden Fortbildung. Inhalte (in Auswahl): Ambulantes Operieren, Kenntnisse einer Dialyse, Ernährungsmedizin, Versorgung im Palliativbereich, Gastroenterologische Endoskopie.
  • Tätigkeitsgruppe 5: Weiteres Vertiefen von Wissen durch umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen (insgesamt mindestens 360 Stunden), langjährige Berufserfahrung erforderlich
  • Tätigkeitsgruppe 6: Mindestens 600 Stunden Fortbildung. Auch im Rahmen einer Ausbildung zur Betriebswirtin für Management im Gesundheitswesen oder als Fachwirtin im Gesundheits- und Sozialwesen möglich

Tarifvertrag MFA: Jahre im Beruf entscheidend für Höhe des Gehalts

Innerhalb der Tätigkeitsgruppen gibt es weitere Stufen. Diese sind abhängig von den Jahren, welche man im Beruf verbracht hat. Für den aktuellen Tarifvertrag MFA ergeben sich zum Beispiel in der Tätigkeitsgruppe 1 Unterschiede im Bruttogehalt von bis zu 600 Euro (1884 Euro brutto in den ersten Jahren und 2.475 Euro nach 17 Jahren Berufszugehörigkeit). Wobei anzumerken ist, dass sich in der Praxis die meisten Medizinischen Fachangestellten nach mehreren Jahren im Beruf sicher fortbilden und aus der ersten Tätigkeitsgruppe aufsteigen.

Fachkräftemangel als ernstes Problem auch bei Medizinischen Fachangestellten

Eine Medizinische Fachangestellte ist besonders nach vielen Jahren Berufspraxis mehr als „nur“ eine Arzthelferin. Diese Tätigkeit erfordert umfassende medizinische Grundkenntnisse, um Patienten sicher zu betreuen und zu pflegen. Gewissenhaft und dem Patienten zugewandt, so sollte sich eine MFA präsentieren. Doch auch in dieser Branche herrscht ein ernster Fachkräftemangel. Seit vielen Jahren schon besteht ein wachsender Mangel, qualifizierte Mitarbeiter in den Praxen zu halten.

Es gebe zwar jede Menge Auszubildende, doch viele Mitarbeiter entscheiden sich nach der Ausbildungszeit für besser bezahlte Jobs und wandern ab. Carmen Gandila, Verbandspräsidentin des Verbandes medizinischer Fachberufe (VmF), betont in der „Ärzte Zeitung“,  dass Medizinische Fachangestellte in Zukunft noch mehr zur Entlastung der Ärzte gebraucht werden. Speziell auf dem Land übernehmen diese auch Hausbesuche und gewährleisten in Zusammenarbeit mit den Ärzten die medizinische Versorgung in den ländlichen Regionen.

Ein wichtiger Teil der täglichen Arbeit findet am Computer mit digitalen Patientenakten statt. (#2)

Ein wichtiger Teil der täglichen Arbeit findet am Computer mit digitalen Patientenakten statt. (#2)

Tarifvertrag MFA: 2019 wird extrem wichtiges Jahr

Deshalb ist die neue Tarifrunde 2019 von herausragender Bedeutung. Die finanzielle Ausstattung der MFA muss weiter deutlich verbessert werden. Sonst könnte es vor allem auf dem Land zu dramatischen Engpässen kommen. Laut dem Portal „arzt-wirtschaft.de“ sucht bereits jede fünfte Praxis nach Fachpersonal. Dabei ist die Bezahlung durchaus fair und ein großer Teil der Praxen orientiert sich an den Tarifvereinbarungen. 91 Prozent bekämen sogar Gehälter, welche über den Vereinbarungen liegen.

Methoden der Mitarbeiter-Gewinnung

Um neue Mitarbeiter zu gewinnen, setzen Ärzte auf persönliche Kontakte oder auf Inserate in Zeitung oder Internet. Auch die Arbeitsagentur als Recruiting-Instrument wird von fast der Hälfte aller Ärzte in Anspruch genommen. Interessant: Die eigene Homepage oder Leihfirmen nutzen die Mediziner mit niedergelassener Praxis nur selten,

Die Ergebnisse? Wenig zufriedenstellend. Viele Bewerber sind schlicht nicht ausreichend qualifiziert. Und sogar 25 Prozent der Praxen erhalten auf ihre Stellenangebote überhaupt keine Rückmeldung. Dazu kamen bei einigen Bewerbern unrealistisch hohe Gehaltsforderungen und Probleme mit dem Arbeitsbeginn oder -ende. Lediglich ein Viertel gab an, mit der Suche nach MFA-Mitarbeitern keine Probleme gehabt zu haben.

Für welche Tätigkeiten werden Medizinische Fachangestellte gesucht? Es ist vor allem der Bereich Organisation und Verwaltung. Beinahe 70 Prozent aller Ärzte suchen hier nach ausgebildetem und motivierten Personal. Hier wünschen sich die meisten Mediziner also mehr kompetente Unterstützung. Aber auch fähige Helfer bei medizinischen Tätigkeiten und beim Bereich Datenschutz werden gesucht.

Tarifvertrag MFA: 2019 dürften spannende Abschlüsse zu erwarten sein

Was das bedeutet: Der ab dem Jahr 2019 gültige Tarifvertrag MFA dürfte spannend werden. Eigentlich sind sich die Tarifparteien einig, dass mehr gutes Personal benötigt wird. Dennoch versuchen die Arbeitgeber bei allem Verständnis für die Belange der Mitarbeiter, den Preis etwas zu drücken, damit die Arbeitskosten nicht allzu teuer für sie werden. Herauskommen wird ein Kompromiss, der für alle Beteiligten akzeptabel sein muss. Eventuell definieren die Vertragspartner weitere Kompetenzen, die für die Erlernung dieses Berufes nötig sind und sind dann bereit, über weitere Lohnerhöhungen nachzudenken.

Was vom Berufsbild MFA in den nächsten Jahren zu erwarten ist

Wohin entwickelt sich der Beruf und wo kann man in Zeiten des Fachkräftemangels ausreichend qualifiziertes Personal finden? Die Ansprüche an die digitale Welt dürften weiter wachsen. Das bedeutet nicht nur die Arbeit am Computer, zum Beispiel am Empfang. Nein, auch das Bedienen medizinischer Geräte wird immer mehr erwartet. Das kann im besonderen Fall auch schon im ersten Lehrjahr passieren. Etwa das Anschalten von Röntgengeräten ist aufgrund der Strahlenbelastung eine durchaus heikle Aufgabe, wenn man nicht über genügend Erfahrung verfügt.

Oder der Betrieb eines Dialyse-Gerätes zur Blutwäsche. Hierbei handelt es sich um Tätigkeiten, die ein Medizinischer Fachangestellter erst nach gründlicher Einarbeitung und Fortbildung ausüben darf. Auch wenn dies in den meisten Fällen sicher auch ordnungsgemäß passiert, muss man eventuell Kompromisse machen, wenn gerade keine Fachkraft anwesend ist. Das sind dann ungünstige Auswirkungen des Mangels an Facharbeitern, von der auch viele Arztpraxen betroffen sind.

Tarifvertrag MFA: Die Zukunftsperspektiven im Beruf als „Arzthelferin Plus“

Der Job hat also grundsätzlich Zukunft. Gerade junge Frauen entscheiden sich für eine Ausbildung, weil es hier um eine Art Schnittstelle zwischen Mensch und Technik geht. Das Kümmern um Patienten ist genauso gefragt wie das Rezepte ausgeben und das Erklären, was diese oder jene Medikamente bedeuten. Die Mischung aus medizinischen und verwaltungstechnischen Tätigkeiten ist auch der Grund, warum es sich um eine anspruchsvolle Beschäftigung handelt, die über den reinen Job als Arzthelferin wie in früheren Zeiten hinausgeht.

Und weil die Menschen immer älter werden und die Bevölkerung wächst, wird der Bedarf an guten MFA-Mitarbeitern stetig wachsen. Das muss dann auch Konsequenzen für die Bezahlung haben, welche im Tarifvertrag MFA im Jahre 2019 neu ausgehandelt wird. Der Fachkräftemangel bedeutet eben auch, dass es eine hohe Nachfrage und nur wenige Bewerber gibt. Ergo können die letztendlich wenigen Angestellten, die später im Job arbeiten werden, auch ein gutes Gehalt verlangen.

Müssen sich Ärzte stärker an Fortbildungen ihrer Mitarbeiter beteiligen?

Für den Tarifvertrag MFA bedeutet es, dass die Arbeitgeber tiefer in die Tasche greifen müssen. Auch die niedergelassenen Ärzte dürften sich noch stärker an den Kosten beteiligen. Konkret kann es wohl sein, dass diese sich noch umfangreicher an Maßnahmen zur Fortbildung beteiligen werden und auch sonst noch viel mehr machen müssen, damit sich die Medizinischen Fachangestellten im Beruf wohlfühlen. Denn nur wenn der Arbeitgeber etwas zurückgibt, ist auch der Mitarbeiter bereit, notfalls auch 120 Prozent zu bringen. Das gilt überall im Berufsleben, ist aber in einem Beruf mit Fachkräftemangel besonders dringend.

Selbstverständlich haben die Medizinischen Fachangestellten ihre Aufgaben zu machen. Das gilt für die Arbeit mit erkrankten Menschen noch viel mehr als sonstwo. Hier können Fehlentscheidung im schlimmsten Fall Lebensgefahr für den Patienten bedeuten. Aber auch sonst gibt es manchmal Arbeit zu verrichten, für die sich ein normaler Verwaltungsangestellter am Bürostuhl wohl zu fein wäre. Das betrifft zum Beispiel Tätigkeiten wie Blut abnehmen oder Urinproben oder auch die Desinfizierung von medizinischen Instrumenten und Gerätschaften.

Tarifvertrag MFA: Ein guter Kompromiss für alle Beteiligten bei den Verhandlungen

Es lässt sich sagen: Der Job eines Medizinischen Fachangestellten ist sehr spannend und abwechslungsreich, erfordert aber hohen Einsatz an jedem Tag. Das wissen auch alle Beteiligten an den Tarifrunden im nächsten Jahr. Ziel muss eine Vereinbarung sein, mit der alle leben können: Die Ärzte genauso wie die Mitarbeiter und ihre jeweiligen Vertreter in den Verbänden. Die exakten Abschlüsse und das dann zu zahlende Gehalt dürften hochspannend werden und sie dürften einen Maßstab setzen für ähnliche Tarifeinigungen in anderen Branchen mit Fachkräftemangel.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: lenetstan -#1: Stokkete -#2: Africa Studio

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

1 Kommentar

  1. Stephanie scholtz on

    Schöner Ansatz, aber was bringt das alles, wenn die Ärzte nicht verpflichtet sind Tarifverträge mit den MFA’s abzuschließen und somit auch nicht verpflichtet nach Tarif zu zahlen

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