Siemens Mobility: Großauftrag für Londoner U-Bahn-Züge

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Die Konzerntochter Siemens Mobility hat sich einen millionenschweren Großauftrag für den Bau von U-Bahn-Zügen gesichert. Insgesamt 94 Züge werden auf der Londoner Piccadilly-Line ab 2023 Fahrgäste durch die britische Hauptstadt befördern.

Siemens Mobility setzt sich gegen kanadische und japanische Konkurrenz durch

Die Erneuerung der traditionsreichen Londoner U-Bahn ist ein riesiges Projekt und die Bekanntgabe des Projektzuschlags wurde mit Spannung erwartet. Siemens Mobility ist es gelungen, sich gegen seine Konkurrenten Bombardier aus Kanada, Alstom aus Frankreich und Hitachi aus Japan durchzusetzen und sich den milliardenschweren, prestigeträchtigen Auftrag zu sichern.

Deep Tube: Hightech-Projekt unter Londons Straßen

Die 1863 eröffnete U-Bahn ist die älteste der Welt und schon seit Jahren läuft die Planung, die veraltete Wagen-Flotte zu erneuern und gleichzeitig das teilweise unerträgliche Hitzeproblem zu lösen. Beim Bau der U-Bahn vor mehr als 100 Jahren war den Konstrukteuren noch nicht bewusst, dass die Hitzeenergie der Züge von der Umgebung absorbiert wird. Besonders in den tief liegenden Linien führt dies zu einem beträchtlichen Aufheizen der Wagen. Außerdem rechneten die Ingenieure des viktorianischen London nicht damit, dass einmal mehr als eine Milliarde Fahrgäste jährlich die U-Bahn nutzen würden. Immer wieder müssen Wagen evakuiert werden, weil die Hitze gesundheitsgefährdende Werte erreicht.

Unter dem Projektnamen „Deep Tube“ reichten 2016 die Konzerne Angebote ein. Es sollen die vier U-Bahn-Linien erneuert werden, die am tiefsten unter der Erde liegen und bei denen der dringendste Modernisierungsbedarf besteht. Das Projekt schließt die Erneuerung der Signal- und Kontrollsysteme sowie eine Erhöhung der Kapazität ein. Der erste Projektabschnitt betrifft die Piccadilly-Line. Hier sollen 94 Wagen ersetzt werden, wobei 2023 mit dem Austausch begonnen wird. 2025 soll diese Projektphase beendet sein.

Video: Das Milliarden Duell auf der Schiene – Siemens gegen Bombardier

TfL gibt Zuschlag für Siemens Mobility bekannt

Der deutsche Konzern galt als Favorit, aber erst am 15.06.2018 gab TfL (Transport for London) bekannt, dass Siemens Mobility tatsächlich den Auftrag über die 94 Wagen der Picadilly-Line erhält. Das Unternehmen übernimmt die Entwicklung und den Bau der Inspiro-Züge der neuesten Generation sowie deren technischen Support für die komplette Einsatzdauer. Sabrina Soussan, die Chefin der britischen Tochter Siemens Mobility Limited, äußerte sich begeistert über den Zuschlag.

Der Auftrag im Umfang von 1,7 Milliarden Euro ist darüber hinaus mit der Hoffnung verbunden, dass auch die anderen drei U-Bahn-Linien von Siemens Mobility erneuert werden. Das hat für TfL entscheidende Vorteile. Das einheitliche Zugdesign ermöglicht einen hohen Grad an Standardisierung:

  • des Zugbetriebs
  • der Ausrüstung
  • des Personaleinsatzes
  • der Ersatzteile
  • der Wartung

Video: Wien: Siemens liefert fahrerlose U-Bahn

Langfristige Zusammenarbeit für das Deep Tube-Projekt

Der Auftrag führt dazu, dass der Konzern seine bereits vorliegenden Pläne, für insgesamt 229 Millionen Euro eine neue Fabrik in Goole zu bauen, forcieren wird. Auf diese Weise entstehen in Nordengland 700 neue Arbeitsplätze. Indirekt werden in der gesamten Lieferkette in Großbritannien sogar 1.700 neue Arbeitsplätze geschaffen. Nach Abschluss des Deep Tube-Projekts wird mit einer Steigerung der Kapazität auf den vier U-Bahn-Linien von durchschnittlich 36 Prozent gerechnet.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Robert Fruehauf

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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