Shitstorms, die Sie im September 2015 verpasst haben

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„Bild“ Zeitung – „Wir helfen – „#refugeeswelcome“ sorgte für Shitstorm

Eigentlich sollte Mitte September bei allen Fußballmannschaften anstatt des sonst üblichen Sponsorenlogos auf den Trikotärmel der deutschen Fußball Bundesliga der „Bild“ Aktion Aufdruck „Wir helfen – „#refugeeswelcome“ gedruckt sein. Doch der linksalternative Kiez-Klub FC St. Pauli wollte da nicht machen und sich stattdessen lieber auf eigene Aktionen konzentrieren. Das war anscheinend eine Provokation für den Chefredakteur der „Bild“, Kai Diekmann. Dieser machte die Absage des Vereins öffentlich – obwohl sie eigentlich vertraulich bleiben sollte. Auf Twitter behauptete, der St. Pauli hätte „kein Herz für Flüchtlinge“.

Aber anders, als gerechnet, ging der Schuss nach hinten los. Denn nicht der FC St. Paul geriet in die Kritik, sondern vielmehr Diekmann und die „Bild“. Twitter User drücken unter dem Hashtag „#BILDnotwelcome“ ihren Unmut aus – darunter auch bekannte Journalisten. Viele empfinden das Verhalten der „Bild“ als scheinheilig, andere unterstellen ihr, mit dieser Aktion aus Leid anderer Profit schlagen zu wollen. So berichtete das Fußball-Magazin „11 Freunde“ bereits im Vorfeld davon, dass die Aktion eine Werbeveranstaltung für die „Bild“ sei. Zahlreiche Fußball-Fans forderten ihre Lieblingsvereine dazu auf, es dem St. Pauli gleichzutun.

In den vergangenen Jahren fiel die „Bild“ immer wieder wegen ihrer Berichterstattung über Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien und über Ausländerkriminalität negativ auf. So schrieb Stefan Niggemeier 2008 über die „latente, oft subtile Fremdenfeindlichkeit der „Bild“-Zeitung“. Im Jahr 2010 berichtete die Zeitschrift „taz“ von zwei Kioskbesitzern, die sich wegen des ausländerfeindlichen Populismus der „Bild“ weigerten, diese weiter zu verkaufen.
Quelle: http://www.huffingtonpost.de/2015/09/17/shitstorm-fluchtlingsakti_n_8150288.html

Lebensmittelkonzern Nestlé twittert – und erzeugt einen Shitstorm

Einer der erfolgreichsten Twitter Tweets dieses Monats heißt „FragNestlé“. Anscheinend hat der Lebensmittelkonzern aus der Schweiz Geld in eine Social-Media-Werbekampagne gesteckt und den Hashtag gekauft. Verbraucher sollten so per Tweets den Lebensmittelkonzern all das fragen, was sie interessiert.

Die Reaktionen fielen jedoch kritischer, gemeiner und gehässiger aus, als es sich die Marketingabteilung vermutlich vorgestellt hatte. Dabei ging es um den umstrittenen Kauf von Wasserrechten weltweit durch das Unternehmen, um die Ausbeutung der Natur und das allgemeine Auftreten des Konzerns in der Dritten Welt. Daher muss der Konzern jetzt auch zu Fragen Stellung nehmen wie:

  • „Wann fangt ihr an, im Sinne der gesamten Menschheit und Umwelt zu handeln? Geht es nur darum, den eigenen Geldbeutel zu füllen?“
  • „In meinen Augen sollte Wasser ein öffentliches Gut sein, auf das jeder Anrecht hat. Wieso sieht Nestlé das anders?“.
  • „Warum hasst ihr Regenwälder? Warum liebt ihr Kinderarbeit? Warum habt ihr ein Monopol für Schokolade und Wasserflaschen?“.

Da Nestlé viele Gegner hat, war diese Reaktion aber laut Reputationsexperte Joachim Schöpfer durchaus vorhersehbar – das sollte auch dem Konzern bekannt sein. Doch dem Anschein nach haben sich die Verantwortlichen endlich dazu entschlossen, den Dialog mit den Kunden tatsächlich aufnehmen zu wollen. Ob diese Taktik nun tatsächlich aufgeht, bleibt abzuwarten und ist unter anderem davon abhängig, wie konsequent Nestlé diesen Weg künftig beschreiten wird. Zieht sich der Konzern allerdings wieder einfach zurück, weil er jetzt kalte Füße bekommen hat, wäre die Aktion ein Flop. Daher heißt der Tipp vom Reputationsexperten: Weitermachen!
Quellen: news.utopia.de, www.wuv.de

VW erzeugt gleich zwei Shitstorms: Nach Abgaswerten Folter von Mitarbeitern

Der Abgasskandal ist noch im Hinterkopf und noch lange nicht ausgestanden, da gibt es schon den zweiten Shitstorm: Volkswagen soll die Festnahme und Folter von brasilianischen Mitarbeitern zugelassen haben. Dem „Focus“ zufolge wurde vom Arbeiterforum für Wahrheit, Gerechtigkeit und Reparation Klage eingereicht. In der Militärdiktatur soll VW die illegale Festnahme und Folter von Mitarbeitern bewusst hingenommen haben.

In der Zeit zwischen 1964 und 1985 wusste VW von einer Staatspolizei in den Reihen des Unternehmens und hat Festnahmen am Arbeitsplatz zugelassen. Darunter zwölf Mitarbeiter des VW-Werks in einem Vorort São Paulos. Dutzende Mitarbeiter seien überwacht und auf schwarzen Listen gesetzt worden. Nun fordern die Kläger eine Entschädigungszahlung des Unternehmens. Fest stehe aber auch: Volkswagen war nicht alleine beteiligt, hat aber als Unternehmen eine Führungsrolle eingenommen und andere Unternehmen sogar koordiniert.

Das ist für VW nun der zweite Shitstorm innerhalb nur weniger Tage. Erst Mitte September war eine Manipulation an Abgaswerten bei den Dieselmodellen bekannt geworden. Der Wolfsburger Konzern hat gemäß US-Umweltbehörde EPA eine Software entwickelt, die dafür sorgte, dass bei Tests die Werte zur Luftreinhaltung eingehalten wurden – aber nicht im Betrieb. Somit stießen die Autos im Verkehr mehr Stickoxide aus, als erlaubt.

Quelle: www.news.de

Pharmakonzern Turing sorgt mit Preispolitik für Shitstorm in den USA

Medikamente sind in den USA teuer – extrem teuer. Doch das Aids- und Schwangeren Medikament „Daraprim“ war bislang preiswert – bis Pharma-Chef Martin Shkreli ohne Begründung mal eben den Preis um satte 5.000 Prozent nach oben korrigierte – und damit für eine Hasswelle sorgte. Obwohl er noch versuchte auf Twitter seine Reputation wieder herzustellen und gegen den Shitstorm mit äußerst zweifelhaften Aussagen ankämpfte, muss er letztendlich doch am Ende klein beigeben und ließ den Preis wieder über Nacht sinken.

Der Hintergrund: Turing Pharmaceuticals hatte im August 2015 das Patent des Medikamentes gekauft – damals kostete eine Tablette „Daraprim“, welches bereits seit 62 Jahren auf dem Markt ist, noch 13,50 US-Dollar. Es wird bei Infektionen von Aids-Patienten und schwangeren Frauen eingesetzt. Anscheinend zu wenig für den Pharmakonzern und er erhöhte den Preis auf sagenhafte 750 US-Dollar – wohlgemerkt pro Tablette.

Der Protest von betroffenen Patienten und Medizinern wurde im Internet bekannt und der Chef des Pharma-Konzerns Shkreli wurde schnell zum raffgierigen Kapitalisten. Selbst im US-Wahlkampf um das Präsidentenamt wurde das überteuerte Medikament zum Thema. Präsidenten-Kandidatin Hillary Clinton kündigte an, gegen solchen Wucher künftig in ähnlichen Fällen vorgehen zu wollen. Shkreli selbst sorgte für einen weiteren Reputationsverlust, indem er gerne in den sozialen Medien den neureichen Playboy spielt.

Quelle: www.focus.de

Macho-Aufstand und Shitstorm gegen EA-Konsolenspiel Fifa

Das Konsolenspiel Fifa des US-Riesen Electronic Arts liegt regelmäßig unter den ersten zehn Plätzen im Verkaufsranking von Amazon. Doch in der neuen Version 16 kann erstmals auch mit Frauenteams gezockt werden – das löste bei den Fans einen Shitstorm aus. Der Konzern dazu in einem Twitter Tweet: „Sehr betrüblich, dass es unter den Followern von @easportsfifa frauenfeindliche Bemerkungen zur Einführung von Frauen in Fifa gibt.“

Quelle: www.boerse-online.de


Bildnachweis: © freeimages.com – Peter Aloisio

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