Die Shitstorms des Monats August 2016

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Shitstorm gegen den Softwareriesen Kaspersky

Mit dem Slogan: „Willst du ein Mann sein und den Damen zeigen, was du drauf hast? Dann bring sie in die Welt der Cybersecurity“ hat der Hersteller von Antiviren-Software eine Werbekampagne gestartet. Die sexistische Werbung zog wütende Reaktionen der User nach sich. Zu sehen war ein Mann auf einer Bank, der den Laptop einer Frau bediente, die neben ihm saß. Eine Vielzahl weiterer Frauen, welche ebenfalls eine Installation des Virenschutzes wollten, standen in einer Reihe an.

Die Werbekampagne sollte anscheinend die Botschaft weitertragen, dass Frauen nicht selbst ein Antivirenprogramm installieren können. Umso unverständlicher ist die Werbekampagne, da es eine Frau war, nämlich Natalia Kaspersky, die das Unternehmen so voran brachte. Die Entschuldigung folgte prompt. Das Unternehmen würde den Fehler sehr bereuen und sich für diese Werbung entschuldigen.

Shitstorm gegen Entwickler von Pokémon Go-Update

Die Updates Anfang August für iOS und Android der App für Pokémon Go haben dem Softwareentwickler Niantic reichlich Ärger eingebrockt. Ursache war ein Bug, der in der Software immer wieder auftauchte. Um solch einen Fehler zu beheben, haben Softwareentwickler verschiedene Möglichkeiten: die Ursache suchen und beheben oder aber einfach ignorieren. Doch Niantic hat sich für eine dritte Möglichkeit entschieden: das Feature, die Fußabdrücke, die die Entfernung des Anwenders zum nächsten Pokémon zeigen sollten, wurde einfach gelöscht. Ursprünglich erschienen auf dem Display ein bis drei Fußstapfen als Entfernungsangabe – doch seitdem die Beliebtheit der App in immer mehr Ländern stieg, wurden ausschließlich drei Schritte angezeigt.

Anstatt nun den Fehler zu beheben, entschloss sich Niantic zu der einfachsten Lösung: löschen! Eigentlich hätte dem Software Entwickler klar sein müssen, dass dieser Schritt bei seinen Kunden nicht auf allzu viel Gegenliebe stößt. Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum die User so sauer sind: mit diesem Update wurden auch alle Kartendienste von Drittanbietern blockiert. Wer nun weiter kommen möchte, muss Lockmodule einsetzen, die Geld kosten. Eine weitere Neuerung, die ebenfalls für Unmut sorgte, ist das Entfernen des Sparmodus des Akkus auf dem iPhone. Inzwischen fordern die ersten Spieler ihr Geld zurück. Kein Wunder, dass die Bewertungen der App im Android Store seit einigen Tagen einen Negativtrend aufweist.

Erneuter Shitstorm gegen Gap-Werbekampagne

Die Werbekampagne für die neue Gap-Kinderkollektion ging nach hinten los und der amerikanische Moderiese trat mal wieder ins Fettnäpfchen. Die neue Werbung arbeitet mit vielen Klischees und Rollenerwartungen – so wird Sexismus bereits bei Kleinkindern geschürt. Denn laut Gap sind Jungs besonders intelligent wie ein Abbild von Albert Einstein auf den Jungens T-Shirts zeigt. Nicht nur, dass der Name Einsteins mit „Einstien“ falsch geschrieben ist, soll der Slogan „The Little Scholar. Your future starts here.“ suggerieren, dass Jungens die besseren Wissenschaftler sind. Bei dem Mädchen ist der Slogan „Social Butterfly“ zu lesen, womit Gap ausdrücken möchte, dass die Damenwelt besonders sozial ist und gerne redet.

Da bekannter Weise schlechte Publizität auch Publizität ist, lautet unsere Frage: legt es Gap hier eventuell bewusst auf Provokationen an? Denn bereits im April dieses Jahres war die Marke massiver Kritik ausgesetzt. Damals stützte sich ein hellhäutiges junges Mädchen auf den Kopf eines deutlich kleineren Mädchens mit dunkler Hautfarbe ab. Bereits diese Kampagne kam in den sozialen Medien nicht gut an.

Schönheitscheck am Eingang eines Restaurants in Australien sorgt für negative Schlagzeilen

Am Eingang des Restaurants „Petersham Inn“ in Australien werden weibliche Besucher kontrolliert, ob sie attraktiv sind. Der Gastronomiebetrieb mit Sitz in Sydney hat eine Werbeaktion ins Leben gerufen, die ihm Sexismusvorwürfe eingebrockt haben. Denn besonders attraktive Frauen dürfen im „Petersham Inn“ kostenlos essen. Der Inhaber verspricht sich davon, mehr Gäste anzulocken.

Das stößt nicht nur bei den Kunden, sondern auch bei den Anwohnern negativ auf. Kunden fühlen sich persönlich attackiert und bezeichnen die Werbekampagne als abscheulich. Ursprünglich war das Restaurant ein besonders familienfreundliches Lokal. Doch kürzlich wurde es in eine Sportsbar umgebaut – mit Oben-Ohne Kellnerinnen.

Rassistischer Snapchat-Filter bringt Nutzer in Rage

Der Instant Messengerdienst Snapchat hat mit einem neuen Kamerafilter den Zorn der User auf sich gezogen. Statt Hundeohren oder Regenbogen gibt es nun einen Filter mit asiatischen Karikaturen. Der Filter verbreitert das Gesicht, macht rote Bäckchen, geschlossene Augen und einen Schmollmund. Auf den sozialen Netzwerken ließen die Snapchat Nutzer ihrem Unmut freien Lauf.

Der neue Filter würde Stereotypen bedienen und der bislang rassistische Filter sein. Snapchat äußerte sich zu den Vorwürfen und gab an, dass der Filter nicht beleidigen sollte und dazu entwickelt wurde, um Spaß zu machen. Mittlerweile wurde der Filter aus dem Angebot genommen.

Sexistische Werbekampagne von Coca-Cola sorgt in Irland für Unmut

Die neue Coca-Cola Werbekampagne namens „Brutally refreshing“ sorgte im katholischen Irland für Unmut. Der Vorwurf: Sexismus und Frauenfeindlichkeit. Mit dem Slogan: „You’re not popular, you’re easy“ und „She’s seen more ceilings… than Michelangelo“ würden Frauen angesprochen, die wahllos mit Männern Sex haben und leicht ins Bett zu bekommen sind. Nach dem Auftauchen dieser brutalen Werbekampagne fordern in den sozialen Medien hunderte Iren eine Gegenattacke und verlangen, dass sich Coca-Cola für diese sexistische Werbung entschuldigen und schämen sollte.

Diese Proteste zeigten schnell Wirkung und Coca-Cola löschte die Kampagne. Außerdem versprach eine Coca-Cola Sprecherin, dass in Zukunft solche kontroversen Werbesprüche nicht mehr auftauchen sollten. In der Presse entschuldigte sich der Konzern für die Kampagne. Aber auch Coca-Cola ist ein Wiederholungstäter, was die Diskriminierung per Werbung betrifft. Bereits im letzten Jahr musste ein Werbeclip nach Rassismusvorwürfen gelöscht werden.

Anmerkung der Redaktion:
Ist es nicht das gute Recht einer jeden Frau, „wahllos mit Männern Sex haben“ zu dürfen, wenn ihr danach ist? Wie kommen hunderte Iren dazu, den Frauen etwas anderes vorschreiben zu wollen? Dürfen irische Frauen nicht selbst entscheiden, wie sie es mit dem Sex halten wollen? Beinhaltet die Emanzipation nicht auch sexuelle Selbstbestimmung?
Bestimmt würden diese Iren aufschreien, wenn jemand sie „Brutally antiquated“ titulieren würde. Zu recht?

Neue Nutzerbedingungen bescherten WhatsApp Shitstorm

WhatsApp Anwender fühlen sich betrogen. Als Anfang 2014 der Messenger Dienst durch Facebook übernommen wurde, wurde angegeben, dass beide Dienste eigenständig bleiben würden. Schließlich würde man viel Wert auf die Privatsphäre der Anwender legen. Dass das alles nur Floskeln sind, zeigt sich nun. Denn künftig will der Gründer Mark Zuckerberg die beiden Services miteinander verbinden und die Telefonnummer für personalisierte Werbung nutzen. In Zukunft landen somit im Posteingang nicht nur Nachrichten von Freunden, sondern auch Werbemails.

Nach einer entsprechenden Pressemitteilung in der Zeitschrift „Guardian“ stößt diese Ankündigung auf Ablehnung. In den sozialen Netzwerken ist ein Shitstorm entfacht worden. Viele Nutzer kündigen inzwischen an, dass sie WhatsApp den Rücken kehren werden. Ein weiterer Aufhänger, der ebenfalls für Erregung sorgt: Facebook räumt zwar den WhatsApp Anwendern die Möglichkeit ein, der Datennutzung für Werbung zu widersprechen, allerdings ist die Weitergabe der eigenen Telefonnummer an Facebook anscheinend doch unvermeidbar. Nach Ansicht von Experten verstößt damit Facebook gegen eine Entscheidung der US-Handelskammer FTC. Bereits im Jahr 2012 wurde Facebook verpflichtet, erst die Nutzer-Einwilligung einzuholen, bevor der Umgang mit privaten Daten geändert werden darf.


Bildnachweis: © Fotolia – Val Thoermer

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