Rainer Maria Rilke: Gedichte und Mäzene

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Rainer Maria Rilke ist für seine Gedichte bekannt, die die Orientierung am Jenseits im Christentum infrage stellen. Hier üben die Rilke Gedichte eine sehr scharfe Kritik und die rationale und naturwissenschaftliche Herangehensweise an die Deutung der Welt missfiel vielen Menschen nicht nur zu Rilkes Zeit. Dennoch fand Rainer Maria Rilke zahlreiche Unterstützer, zu denen auch der Mäzen Werner Reinhart gehörte.

Rainer Maria Rilke: Wichtige Werke

Rilke lebte von 1875 bis 1926, geboren wurde er in Prag, gestorben ist er in Montreux in der Schweiz. Sein eigentlicher Name war René Karl Wilhelm Johann Josef Maria Rilke. Er gilt als einer der wichtigsten und bedeutendsten Dichter der modernen Literatur, ließ sich von der modernen Kunst beeinflussen und schuf die sogenannte Dinglyrik. Schopenhauer und Nietzsche übten ebenfalls einen großen Einfluss auf den Dichter und seine Werke aus, zu denen „Wegwarten“, „Mir zur Feier“, das „Stunden-Buch“, „Die Blaue Hortensie“ oder „Der Panther“ gehören. Natürlich stellt dies nur eine kleine Auswahl der Rilke Gedichte und Gedichtbände dar, denn sein Schaffen war überaus vielseitig und umfassend. Sein Leben lässt sich in mehrere Schaffensperioden einteilen. Eine wichtige Zeit war bis 1906, als viele Gedichte im impressionistischen Stil erschienen – so auch die Sammlung der Rilke Gedichte in „Das Buch der Bilder“.

Im späten Werk finden sich Rilke Gedichte mit einer lebensbejahenden Einstellung wieder. In der Zeit von 1912 bis 1922 entstehen zum Beispiel die „Duineser Elegien“, die sich poetisch mit dem ganzen Leben befassen und auch Rilkes Einstellung zum Tod darstellen. Die Gedichte, die während der letzten Lebensjahre von Rainer Maria Rilke entstehen, lassen sich jedoch in viele verschiedene und eher kleine Gruppen einteilen. Es gibt die Rilke Gedichte, in denen es um Natur und Landschaften geht, auch poetische Experimente und heitere Werke finden sich während dieser Zeit.

Rilke Gedichte: Tod als wichtiges Thema

Für Rainer Maria Rilke war der Tod stets ein Hauptthema. Er konnte sich nicht damit abfinden, dass das Christentum das Jenseits als anbetungswürdig befand und das Leben auf die Zeit nach dem Tod orientierte. Einen großen Einfluss auf die Sichtweisen Rilkes hatte die Philosophie von Nietzsche, der Rilke dazu brachte, die Wirklichkeit ohne Verherrlichung des Jenseits anzuerkennen. Das Weltverständnis von Rainer Maria Rilke war fortan ohne jegliche romantische Vorstellung vom Jenseits geprägt. Er beobachtete intensiv die Vorgänge in der Natur und entwickelte einen Weltinnenraum, in dem sich Innen- und Außenwelt – also Natur und Gefühle – miteinander verbinden ließen.

In der mittleren Schaffensperiode war das Innenleben für Rilke aber weniger interessant, hier ging es eher um die Grunderfahrungen des Menschen. Die erlebten Dinge wie Krankheit, Tod und andere schwere Erfahrungen finden sich in den Dinggedichten wieder. Hier erlebte der literarische Symbolismus eine erste Hochphase.

Rainer Maria Rilke: Unterstützung durch Werner Reinhart

Im Jahr 1919 reiste Rilke in die Schweiz – offiziell zu einem Vortrag, inoffiziell, um den Wirrungen des Krieges zu entgehen. Er arbeitete an den „Duineser Elegien“ weiter, die er aber erst 1922 fertigstellen konnte. Allerdings hatte Rilke hier das Problem, dass der Wohnraum für ihn nicht bezahlbar war. So lebte er unter anderem in Locarno und Soglio. Bis zum Jahr 1921 zog sich die Suche nach einer geeigneten Bleibe hin, dann zog Rilke in das Château de Muzot in der Nähe von Siders. Dies blieb auch seine Wohnstätte, denn im Mai 1922 kaufte Werner Reinhart das Haus und Rilke konnte fortan mietfrei dort wohnen. Werner Reinhart wurde zum wichtigsten Mäzen Rilkes; er unterstützte zwar auch andere Künstler, doch Rilke nahm bei ihm eine besondere Stellung ein.
Frei von Sorgen bezüglich einer Bleibe konnte Rilke seine Werke rasch beenden. Allerdings begannen 1923 seine schweren gesundheitlichen Probleme, die sich später als eine bis dahin unbekannte Form von Leukämie herausstellen sollten. Er lebte zeitweise im Sanatorium und konnte seiner Krankheit doch auch durch Ortswechsel nicht entkommen. Im Jahr 1925 reiste Rilke nach Paris, hier entstanden umfangreiche lyrische Werke auf Französisch.

Werner Reinhart: Sein Leben für die Kunst

Werner Reinhart war eines von fünf Geschwistern. Er ging einen für die damalige Zeit üblichen Weg: Reinhart absolvierte eine Ausbildung zum Kaufmann, ging ein Jahr nach Paris und war dort in einem Bankhaus tätig. Nach seiner Volontariatszeit in Frankreich war er als Angestellter im elterlichen Unternehmen tätig und häufig auf Geschäftsreisen im Ausland unterwegs. Seine Wege führten ihn nach Japan, Indien, China und England. Im Jahr 1912 wurde Werner Reinhart Teilhaber des Unternehmens Gebrüder Volkart – seine Mutter war eine geborene Volkart. Sein Leben für die Kunst zeigte sich unter anderem in der Tätigkeit im Musikkollegium Winterthur, wo er fast vierzig Jahre lang in verschiedenen Funktionen arbeitete. Reinhart war hier zum Beispiel als Präsident der Konzertkommission tätig.
Werner Reinhart und seine beiden Brüder waren als Mäzene bekannt. So förderte Reinhart vor allem europäische Komponisten und Künstler, darunter so bekannte Namen wie Richard Strauss, Paul Hindemith oder eben Rainer Maria Rilke. Zu Letzterem hegte er eine ganz besondere Verbindung und unterstützte Rilke auch bei der Suche nach passendem und bezahlbarem Wohnraum. Er kaufte das Schlösschen bei Siders, in welchem Rilke zu dieser Zeit lebte und ließ den Dichter dort kostenfrei wohnen. Dies entlastete Rilke natürlich sehr und er fand die Zeit, binnen kürzester Zeit mehrere Werke fertigzustellen.
In Winterthur besaß Reinhart die Villa Rychenberg, die zu einem wichtigen Treffpunkt für Autoren und Musiker wurde.

Rainer Maria Rilke heute

Bis zur heutigen Zeit ist Rilke natürlich nicht vergessen. So finden immer wieder Theatertage statt, an denen Rilke Gedichte auf der Tagesordnung stehen – zuletzt die Hessischen Theatertage im Wiesbadener Jugendgefängnis. Hier spielten die Gefangenen verschiedene Stücke, darunter „Wie du reimt keiner Rainer: Antworten auf einen Rilke-Brief“ am 24. Juni 2015. Wie der Name schon sagt, war ein Brief von Rainer Maria Rilke der Anstoß zu diesem Stück.
Die Theatertage bestehen allerdings nicht nur aus den aufgeführten Stücken, sondern auch aus Gesprächen, Bandvorstellungen und weiteren Highlights, die vorab häufig noch geheim bleiben sollen.

Bis heute sind die Rilke Gedichte Anlass für vielfältige Interpretationen und Verwendungszwecke. In den 1960er Jahren fiel die Urheberrechtsbindung beim Insel-Verlag weg, damit war der Weg frei für die Verwendung der Stücke. So gibt es zum Beispiel den Rilke-Zauber, bei dem eine kleine Zaubervorführung mit den Gedichten verbunden wird.

Die Besonderheit Rilkes zeigt sich zudem dadurch, dass zahlreiche Straßen nach ihm benannt wurden, auch Schulen (unter anderem in Stuttgart oder Anchorage) tragen seinen Namen.


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Marius Beilhammer

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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