Plastik im Hundefutter von Aldi

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Für jeden Hundebesitzer ein Moment des Schreckens: nachdem das Futter in den Napf gegeben wurde, entdeckt man einen auffälligen, blauen Gegenstand, der dort ganz sicher nichts zu suchen hat. Dieser merkwürdige Gegenstand entpuppt sich bald abgebrochenes, zackiges Plastikteil eines Abfüllautomaten der Hundefutter-Produktion.
Großes, scharfes Plastikstück in Aldi-Futter gefunden

So geschehen Anfang 2013 in Leonberg in Baden-Württemberg

Irgendwie muss dieses Teil bei der Herstellung des Futters abgebrochen und in das Futter gelangt sein. Das Heikle dabei: das gefundene Stück Plastik im Hundefutter war mit rund drei Mal zwei Zentimetern nicht nur vergleichsweise groß sondern auch noch scharfkantig. Der Hunde hätte durch die scharfen Bruchkanten schwere Schnittverletzungen oder einen qualvollen Erstickungstod erleiden können.

Die Hundebesitzer hatten das Futter in einer Filiale bei Aldi Süd gekauft. Umgehend nach dem Fund, wandten sich Herrchen und Frauchen über die soziale Medien an den Discount-Riesen: über die Facebook-Seite des Unternehmens schilderten sie den Fall – als Beweis gab es gleich noch aussagekräftige Bilder mit dazu.

Auf verschiedenen Netzwerken habe die Geschädigten die Beweise veröffentlicht

Auf verschiedenen Netzwerken habe die Geschädigten die Beweise veröffentlicht (#01)

Plastik und andere Produktionsrückstände in verschiedenen Hundefutter-Produkten-nun war also auch ein Eigenprodukt des Discounters Aldi betroffen, nachdem zuvor vor allem die Waren reiner Futtermittelhersteller wie z.B. Rinti (von Finnern) oder Platinum (von ) durch solche Horror-Meldungen verstärkt ins Blickfeld der Öffentlichkeit gerieten.

Nachdem die Leonberger Hundebesitzer den Vorfall gemeldet hatten, reagierte der Discounter umgehend. Die Besitzer sollten das Original-Plastikstück zu Aldi schicken, ein entsprechendes, online auf der Unternehmens-Website vorfindbares Formular ausfüllen und dort das Ereignis nochmals genau schildern, mit den wichtigsten Fakten:

  •  Was wurde genau entdeckt
  •  In welchem Produkt mit welchem Haltbarkeitsdatum fand sich das Plastik?
  •  Befanden sich noch weitere Herstellungsrückstände in diesem oder einem anderen Futter?
Hoffen wir mal, dass Aldi erreichbar ist wenn Kunden Reklamationen haben

Hoffen wir mal, dass Aldi erreichbar ist wenn Kunden Reklamationen haben (#02)

Bei Plastik in Nahrungsmittel: Unternehmen muss gut „erreichbar sein“

Aldi Süd erklärte zudem, den Sachverhalten umgehend klären und untersuchen zu wollen, da da man „alle Schilderungen der Kunden sehr ernst“ nehme, wie das Unternehmen verlauten ließ. Der Discounter reagierte adäquat und in einer Art und Weise auf die Nachricht, die im Nachhinein als ausgewogene, die Belange der Menschen ernst nehmende Verbraucherkommunikation und Kundenbindungsarbeit bezeichnet werden kann.
Damit eine Firma wie Aldi aber zunächst einmal Kenntnis über diese Mängel und entsprechende Funde, etwa über Plastikrückstände im Hundefutter, erhält, müssen dem Kunden genügend Melde-Kanäle zur Verfügung stehen. Fachleute sprechen hier von den sog. „Eingangspunkten für Beschwerden“. Dabei kann es sich z.B. um folgende Kontaktmöglichkeiten handeln:

  •  speziell eingerichtete Kontaktformulare
  •  Service-, Kunden- oder Notfall-Hotline
  •  Kontaktdaten auf der Ware selbst
  •  Online-Foren oder Blogs
  •  Präsenzen in den sozialen Medien mit Kontaktmöglichkeit
  • Die Präsenz in den sozialen Medien von Aldi erwies sich für das betroffene Hundehalter-Paar als wichtig. Über diesen Kanal nutzten sie nämlich nach dem Plastik-Fund im Hundefutter, die Möglichkeit der Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen, dem Marktführer im Bereich der Discounter.
Wenn im Hundefutter von Aldi Plastik gefunden wird, ob sich das auf die Rangliste der Lebensmittelhändler auswirkt

Wenn im Hundefutter von Aldi Plastik gefunden wird, ob sich das auf die Rangliste der Lebensmittelhändler auswirkt  (#03)

Aldi – Discounter-Gigant und Marktführer in Deutschland

Im gesamten Segment des Lebensmitteleinzelhandels, liegt Aldi in Deutschland auf dem vierten Rang, hinter den Unternehmen Edeka, Rewe und der Schwarz-Gruppe. Das 1913 gegründete Unternehmen hatte im vergangenen Jahr einen Gesamtumsatz von über 65 Milliarden Euro. Über 160 000 Mitarbeiter sind für den Discounter tätig. Aldi erreicht mit seinem Sortiment breite Gesellschaftsschichten, unabhängig vom Berufsstand und der Bildung. Rund 95 % aller Arbeiter kaufen bei Aldi ein, ca. 90% aller Angestellten und noch über 80% aller Beamten in Deutschland. 2006 ergaben Untersuchungen, dass drei Viertel aller Haushalte in Deutschland regelmäßig bei Aldi einkaufen.

Diese (seit Jahren) konstanten Zahlen, dazu die immer wieder herausragenden Testergebnisse (z.B. bei Stiftung Warentest oder Öko-Test) der angebotenen Waren, haben das schlechte Image des Discounters („Arme-Leute-Laden“) in ein positives verwandelt.

Fehler- oder schadhafte Produkte, wie etwa Plastik im Hundefutter oder sonstige Verunreinigungen an oder in der Ware, die entweder auf menschliches Versagen oder defekte Anlagen zurückzuführen sind, werden sich in der Praxis auch in Zukunft kaum vermeiden lassen.

Das beweist die Tatsache, dass Discounter ebenso von diesen Ereignissen betroffen sind wie reine Futtermittelhersteller, Lebensmittel-Giganten wie z.B. Mars oder Fast-Food-Ketten wie etwa McDonald’s. Entscheidend ist aber, wie der Hersteller mit einem solchen Vorfall umgeht und welche Lehren bzw. Schlussfolgerungen er – im Hinblick auf die Qualitätsverbesserung – zieht.


Bildnachweis:©Fotolia-Titelbild: Csák István-#01: Lukas Gojda-#02: fotomek-#03: efks

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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