Mercedes Concept Car: Ein neues Mobilitätskonzept für die Stadt

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Der neue Mercedes Concept Car zeigt, wie die Mobilität in der Zukunft aussehen könnte. Im Rahmen der CES Las Vegas war der Mercedes Concept Car bereits im Straßenverkehr unterwegs.

Mercedes Concept Car: Der neue Vision Urbanetic

Die Daimler AG, einer der größten Autobauer weltweit, arbeitet intensiv an ihrem Konzept für die Zukunft. Das Unternehmen setzt dabei auf Technologien, die nach Meinung vieler Experten die Mobilität der Zukunft bestimmen werden. Von großer Bedeutung ist dabei der Elektroantrieb. Außerdem forscht es intensiv an selbstfahrenden Autos. Ein wichtiges Ergebnis dieser Forschungsarbeit ist der neue Mercedes Concept Car, den der Daimler-Konzern erstmals 2018 in Kopenhagen präsentierte.

2019 folgte dann eine weitere Präsentation auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas. Dabei war das neue Konzepfahrzeug sogar bereits auf öffentlichen Straßen unterwegs. Es zeichnet sich nicht nur durch eine autonome Steuerung und durch einen Elektroantrieb aus. Darüber hinaus präsentierte das Unternehmen dabei ein neuartiges Verkehrskonzept, das insbesondere die großen Ballungsräume entlasten soll. Der Mercedes Concept Car wurde speziell für eine geteilte Nutzung entwickelt. Wenn mehrere Personen das Fahrzeug gemeinsam verwenden, hat das einen deutlich geringeren Energie- und Ressourcenverbrauch zur Folge. Darüber hinaus reduziert das den Verkehr und den Bedarf an Parkplätzen.

Das folgende Video vermittelt einen ersten Eindruck davon, was der neue Mercedes Concept Car zu bieten hat:

2050 Mercedes Benz Vision URBANETIK: DIE ZUKUNFT DER MOBILITÄT

Van, SUV oder Limousine: wofür steht der neue Mercedes Concept Car?

Die Marke Mercedes Benz steht für viele Menschen bislang als Synonym für Limousinen der Oberklasse. Ein herausragender Komfort, ein edles Design und ein großzügiges Platzangebot stellen die wesentlichen Eigenschaften dieser Fahrzeuge dar. Darüber hinaus verfügt die Daimler AG noch über weitere Marken, die ähnliche Eigenschaften aufweisen. Ein Maybach beispielsweise ist noch größer und luxuriöser als ein gewöhnlicher Mercedes-Benz.

Neben Limousinen stellt der Autobauer aus Stuttgart noch einige weitere Fahrzeugtypen her, die jedoch ebenfalls für Luxus und Komfort stehen. Ein SUV oder ein leistungsstarkes Coupé verbindet diese Eigenschaften mit einem sportlichen Fahrvergnügen. Obwohl diese Fahrzeuge das Markenimage prägen, bietet die Daimler AG jedoch auch viele Nutzfahrzeuge an. Sehr erfolgreich ist beispielsweise das Modell Sprinter, das sich sowohl für den Personen- als auch für den Gütertransport anbietet. Darüber hinaus gibt es Busse und Lkws von Mercedes.

Aufgrund dieser enormen Vielfalt stellt sich die Frage, wo der neue Mercedes Concept Car einzuordnen ist. Die Antwort auf diese Frage ist nicht ganz einfach. Es gibt beispielsweise viele Ähnlichkeiten mit dem Sprinter. Der neue Vision Urbanetic entspricht nicht nur hinsichtlich seiner Größe ungefähr diesem Modell. Darüber hinaus bietet er Platz für bis zu 12 Personen. Das bedeutet, dass er sich für den Transport einer größeren Gruppe eignet. Genau wie der Sprinter bietet er außerdem eine Möglichkeit für den Gütertransport. Dennoch gibt es auch einen wesentlichen Unterschied. Hinsichtlich Ausstattung und Komfort orientiert sich der Mercedes Concept Car eindeutig an den Oberklasse-Limousinen von Benz oder von Maybach.

Personen- und Güterbeförderung mit dem gleichen Fahrzeug

Im vorherigen Abschnitt wurde gesagt, dass sich der neue Mercedes Concept Car wie der Sprinter für die Beförderung sowohl von Personen als auch von Gütern eignet. Allerdings gibt es hierbei einen wichtigen Unterschied. Während beim Sprinter für die verschiedenen Aufgaben zwei unterschiedliche Fahrzeuge notwendig sind, kann man diese Aufgaben beim Vision Urbanetic mit dem gleichen Gefährt erledigen. Das liegt an einer innovativen Fahrzeugarchitektur.

Komfortable Beförderung im Mercedes Concept Car. (#01)

Komfortable Beförderung im Mercedes Concept Car. (#01)

Der Mercedes Concept Car besteht aus einem sogenannten Skateboard. Dabei handelt es sich um eine Plattform, in die das komplette Antriebs- und Steuerungssystem integriert ist. Das Skateboard kann sich daher auch selbstständig fortbewegen. Auf dieser Basis kann man nun unterschiedliche Aufsätze anbringen. Dafür steht zum einen das sogenannte People Mover Modul zur Verfügung. Dieses bietet Platz für bis zu zwölf Passagiere. Der Innenraum erinnert nur noch entfernt an ein bisheriges Auto. Er ist wie eine Lounge gestaltet und bietet auf zwei Ebenen gemütliche Sitzplätze. Um die Kapazität zu erhöhen, ist das Fahrzeug auch für Stehplätze zugelassen.

Wenn man sich die Probleme der Verkehrs-Infrastruktur genauer betrachtet, stellt man jedoch fest, dass hierbei nicht nur der Personentransport eine wichtige Rolle spielt. Auch der Gütertransport hat in den letzten Jahren sehr stark zugenommen. Insbesondere im Straßenverkehr werden immer mehr Güter befördert. Das zeigt die folgende Tabelle:

Güterverkehr in Deutschland 2017

Beförderungsmenge (in 1.000 Tonnen)

Veränderung zum Vorjahr

Eisenbahn 348.010
Binnenschifffahrt 222.731 0,6
Seeverkehr 294.869 1,0
Straßenverkehr 3.161.781 1,6

Quelle

Während auf den Landstraßen und Autobahnen insbesondere große Lkws den Verkehr belasten, entstehen in den Innenstädten immer mehr Probleme durch Lieferwagen. Beispielsweise hat die Zahl der Paket- und Kuriersendungen in den letzten Jahren stark zugenommen. Auch hierfür soll der Mercedes Concept Car eine Lösung anbieten. Er verfügt auch über ein Cargo Modul. Dieser Aufsatz bietet Platz für zehn EPAL-Paletten. Auf diese Weise kann er die Auslieferung effizient organisieren.

Da das Fahrzeug vollkommen autonom unterwegs ist, kann es diese Aufgabe auch außerhalb der gewöhnlichen Arbeitszeiten verrichten. Daher entlastet es die Verkehrs-Infrastruktur gerade zu den Stoßzeiten. Dabei ist es sehr praktisch, dass sich die Aufsätze innerhalb weniger Minuten auswechseln lassen. So kann das Fahrzeug während der Bürozeiten die Menschen zur Arbeit befördern. Nach Feierabend kann es dann Paketsendungen ausliefern.

Automatisiertes Fahren: Mehr Komfort und Sicherheit

Beim Vision Urbanetic handelt es sich um ein vollkommen autonomes Fahrzeug. Das wird bereits daran ersichtlich, dass es weder über ein Lenkrad noch über Pedale verfügt. Anstatt dessen ist es mit hochwertigen Sensoren und Kameras ausgestattet, die den Verkehr zuverlässig erkennen.

Autonome Fahrzeuge im Straßenverkehr (#02)

Autonome Fahrzeuge im Straßenverkehr (#02)

Für das autonome Fahren spielt außerdem die Kommunikation mit der Umgebung eine immer wichtigere Rolle. Diese Technik wird unter dem Begriff Car2X zusammengefasst. Sie ermöglicht es beispielsweise, die eigene Position an andere Fahrzeuge zu übermitteln, noch bevor sich diese in Sichtweite befinden. Das erhöht die Sicherheit bei Überholvorgängen oder an Kreuzungen deutlich.

Auch die V2I Kommunikation ist sehr wichtig. Indem ein Fahrzeug sich beispielsweise bereits frühzeitig mit der nächsten Ampel in Verbindung setzt und abfragt, wann die nächste Grünphase zu erwarten ist, kann es seine Geschwindigkeit an diese Information anpassen. Das reduziert nicht nur den Energieverbrauch, da dadurch weniger Bremsvorgänge notwendig sind. Darüber hinaus kann das den Verkehr flüssiger gestalten und auf diese Weise Staus verhindern.

Der Mercedes Concept Car verwendet zu diesem Zweck die neue C V2X Communication. Dieses System zeichnet sich durch geringe Latenzzeiten und durch eine hohe Zuverlässigkeit selbst bei starkem Funkverkehr aus.

Emissionsfrei und lautlos: Entlastung für die Innenstädte

In den letzten Jahren entwickelte sich die Luftverschmutzung in den großen Städten Deutschlands zu einem immer wichtigeren Thema für die Gesellschaft. Deshalb arbeitet der Daimler-Konzern intensiv an der Entwicklung von Elektroautos. Bereits 2015 stellte es den Mercedes F 015 vor. Dabei handelt es sich ebenfalls um ein vollkommen autonomes Auto mit Elektroantrieb. Allerdings orientiert sich dieses hinsichtlich seines Verwendungszwecks an den typischen Oberklassen-Limousinen dieses Herstellers.

Den Vision Urbanetic haben die Entwickler hingegen speziell für die Verwendung in der Stadt entworfen. Daher wirkt sich der Elektroantrieb hierbei besonders positiv aus. Er erzeugt keinerlei Emissionen in den Ballungszentren. Wenn man hierfür eine passende Energiequelle auswählt, kann man die Fortbewegung sogar vollkommen klimaneutral gestalten. Nicht nur die Abgase belasten die Großstädte. Auch der Lärm spielt an viel befahrenen Straßen eine wichtige Rolle. Auch in dieser Hinsicht kann der Mercedes Concept Car durch seinen innovativen Elektroantrieb überzeugen. Dieser arbeitet beinahe vollkommen lautlos.

Der Vision Urbanetic fährt vollkommen emissionsfrei und beinahe lautlos. (#03)

Der Vision Urbanetic fährt vollkommen emissionsfrei und beinahe lautlos. (#03)

Shared Ride: Weniger Energieverbrauch und geringeres Verkehrsaufkommen

Wenn man den neuen Mercedes Concept Car betrachtet, dann ist nicht nur die Technik, die das Fahrzeug verwendet von großer Bedeutung. Darüber hinaus präsentiert Daimler hiermit auch ein neues Verkehrskonzept, das eine Antwort auf viele Probleme bieten soll, beispielsweise auf den Klimawandel und auf die starke Auslastung der Verkehrs-Infrastruktur in den Ballungszentren. Ein wichtiger Aspekt hierfür wurde bereits im vorherigen Abschnitt angesprochen: der Elektroantrieb. Dieser arbeitet emissionsfrei und kann erneuerbare Energien nutzen.

Um die Umweltbelastung zu reduzieren und um die überforderte Infrastruktur zu entlasten, ist es darüber hinaus jedoch notwendig, das Verkehrsaufkommen zu reduzieren. Das stellt einen wichtigen Unterschied zu Projekten wie den Google Self Driving Cars oder den Versuchen von Uber dar. Diese verwenden zwar selbstfahrende Autos, doch sind sie auf den Individual-Verkehr ausgerichtet. Uber ist beispielsweise auf das Ride Hailing spezialisiert. Das bedeutet, dass die Fahrzeuge einen einzelnen Passagier genau zu dessen Ziel befördern. Diese Vorgehensweise erhöht sogar das Verkehrsaufkommen, anstatt es zu reduzieren.

Damit weniger Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind, ist es notwendig, dass die Anwender diese teilen. Die klassische Vorgehensweise ist dabei die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Deren Nutzung stellt die folgende Tabelle dar:

Häufigkeit der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (in Millionen)

2012

2013

2014

2015

Tägliche/fast tägliche Nutzung 10,7 11,27 11,45 10,96
Mehrmals in der Woche 6,48 6,51 6,54 6,21
Einmal in der Woche 3,17 2,95 2,85 2,86
1 bis 3 Mal im Monat 6,05 6,03 5,81 5,87
Weniger als einmal im Monat 9,76 9,93 9,97 9,92
Nie oder fast nie 34,06 33,65 33,9 33,44

Quelle

Die Zahlen zeigen, dass die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel in den letzten Jahren recht konstant war. Es ist sogar eine leichte Steigerung zu verzeichnen. Dennoch bleibt festzustellen, dass ein erheblicher Anteil der Bevölkerung von deutlich über 30 Prozent praktisch nie öffentliche Verkehrsmittel verwendet. Ein wesentlicher Grund hierfür besteht darin, dass der Komfort hierbei nur gering ist. Insbesondere wenn die Haltestellen weit vom Start- und vom Zielpunkt entfernt liegen, führt das zu Problemen.

Der Mercedes Concept Car ist zwar dafür bestimmt, mehrere Fahrgäste zu befördern. Allerdings passt er dabei seine Route stets individuell an die Anforderungen an. Diese bestimmt er dabei so, dass er alle Start- und Zielpunkte der einzelnen Passagiere möglichst effizient anfährt. Das sorgt für einen optimalen Komfort und kann dennoch die Verkehrsbelastung deutlich reduzieren.

Selbst lernende IT

Das Konzeptfahrzeug verfügt über einen In-Vehicle-Server, der für die Steuerung der gesamten Prozesse innerhalb des Autos notwendig ist. Dieser ist nicht nur für das autonome Fahren verantwortlich. Eine wichtige Aufgabe besteht außerdem in der Streckenplanung. Der Vision Urbanetic verwendet hierfür eine selbstlernende IT-Infrastruktur. Das ermöglicht eine intelligente Routenplanung.

Zum einen ist es auf diese Weise möglich, die Route stets an die aktuelle Verkehrssituation anzupassen. Staus, Baustellen und andere Behinderungen lassen sich auf diese Weise leicht umfahren. Darüber hinaus ist die selbstlernende IT auch für die Umsetzung des Verkehrskonzepts, das hinter diesem Fahrzeug steht, von großer Bedeutung. So ist es möglich, die Strecken flexibel zu planen und jederzeit an den aktuellen Beförderungsbedarf anzupassen.
Das folgende Video stellt die Technik dieses Fahrzeugs nochmals detailliert vor:

Mercedes Vision Urbanetic – First Video Test Drive Review

Mercedes Concept Car: Ideen für die Mobilität der Zukunft

Der Mercedes Concept Car konnte bei seinen bisherigen Präsentationen viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Dafür ist nicht nur das futuristische Design verantwortlich. Eine wichtige Rolle spielt auch die fortschrittliche Technik. Von besonderer Bedeutung ist jedoch das Mobilitätskonzept, das hinter diesem Fahrzeug steht. Dieses könnte die Art der Fortbewegung in den nächsten Jahrzehnten revolutionieren und dabei eine deutlich effizientere Nutzung der natürlichen Ressourcen mit sich bringen.


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