Lkw: Schiffe verlieren Marktanteile an Lastkraftwagen

0

Lkw werden zunehmend zur problematischen Konkurrenz für Schiffe: Der Dieselpreis sinkt und Transporteure via Schiff müssen ein Umschlagsminus von teilweise zwanzig Prozent und mehr hinnehmen. Stattdessen gehen die Lkw auf die Straße und nehmen den Schiffen die Ladung weg.

Transporte per Lkw: Schiffe verbuchen deutliche Rückgange im Umschlag

Der Schiffsumschlag musste im ersten Halbjahr 2015 einen herben Rückschlag hinnehmen – zugunsten der Lkw-Transporte, die deutlich günstiger liefern können. Ein Beispiel: Das Futtermittelwerk Agravis lässt sich das Getreide nun per Lkw liefern – die Bestellung über Seeschiffe bis nach Oldenburg zu bringen, ist einfach zu teuer. Insgesamt musste der Oldenburger Hafen in den Monaten Januar bis Juni 2015 einen Rückgang von 20 Prozent des Umschlags verzeichnen. Ein Grund dafür ist der günstige Preis für Dieselkraftstoff. Ein Lkw tankt nun günstiger und der gesamte Transport wird für den Besteller deutlich billiger, als wenn er auf den Schiffsumschlag setzt.

Der Rückgang des Umschlags per Schiff ist bei Getreide, Futtermitteln, Nahrungsmitteln sowie pflanzlichen Rohstoffen noch vergleichsweise gering. Er beträgt hier rund 0,8 Prozent. Die Sekundärrohstoffe hingegen machten ein Umschlagminus von bis zu 23 Prozent aus. Die Lkw-Transporte sind mit diesen Rohstoffen bestückt und bringen zum Beispiel Schrott sehr günstig von A nach B.

Doch auch die Baustoffe werden seltener mit dem Schiff transportiert. Einst machten sie den größten Anteil des Umschlags im Oldenburger Hafen aus. Die zu transportierende Menge sank im ersten Halbjahr 2015 um 31,7 Prozent.

Gründe für die Verlagerung

In Bezug auf den gesunkenen Umschlag bei den Baustoffen kommen mehrere Gründe zusammen. Zum einen trifft hier natürlich auch der niedrigere Dieselpreis zu, zum anderen gab es in der Region im Jahr 2014 ein großes Bauprojekt, das beliefert werden musste. Der Baustoffumschlag betrug hier etwa 60.000 Tonnen im Hafen von Oldenburg. Nachdem das Logistikzentrum von Edeka in Wiefelstede fertiggestellt worden war, brauchte natürlich niemand mehr diese Mengen an Baustoff und Schotter, der unter anderem aus Schottland eingeführt wurde. Dieser Zusammenhang erklärt recht deutlich, warum der Umschlag bei den Baustoffen quasi zwingend sinken musste.

Ein weiterer Grund für den Rückgang ist die teilweise schlechte Anbindung. Die Hunte war im ersten Halbjahr 2015 öfter gesperrt, sodass der Schiffsverkehr hier zum Erliegen kam. Über dem Osthafen wurden Stromkabel verlegt und zwischen Elsfleth und Berne wurde die neue Klappbrücke eingebaut. Sehr wichtige Baumaßnahmen – dennoch für den Schiffsumschlag nicht gerade günstig. Im zweiten Halbjahr soll auch noch eine Schleuse zum Küstenkanal repariert werden, auch das wird sich nicht positiv auswirken.

Lkw + Schiffe: wie geht’s jetzt weiter?

Es ist davon auszugehen, dass der Schiffsumschlag nicht noch weiter sinken wird. Wenn er sogar ein wenig steigt, könnte dies den negativen Umschlag im ersten Halbjahr zumindest zum Teil wieder ausgleichen. Außerdem wird derzeit ein neuer Bahnumschlagsplatz geplant – die Bahntransporte sind im Frühjahr im Oldenburger Hafen komplett eingebrochen. Um rund drei Viertel gingen sie zurück, denn der Transport via Lkw war auch hier um einiges günstiger. Durch den neuen Bahnumschlagsplatz könnte sich das Problem aber zum Teil wieder ausgleichen lassen.


Bildnachweis: © freeimages.com – ephe drin

Marius Beilhammer

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

Leave A Reply