Kaufprämie für Elektroautos: Top und Flop für die Industrie

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Klingt gut: Wer ein Auto kauft, das ohne Benzin läuft, wird belohnt. Die Wirtschaft zweifelt am Erfolg der Elektroautos. Darum hat die Prämie für Elektroautos zwei Seiten.

Elektroautos: Ursprung vor fast 200 Jahren

Je häufiger wir über Klimawandel, Umweltschutz und ähnliche Themen sprechen, desto öfter kommt auch das Thema Elektroautos auf den Tisch. Also entsteht immer öfter der Eindruck, dass das Konzept vom Auto, das anstatt mit althergebrachtem Benzin mit einer E-Batterie auf Touren kommt, die Folge unserer aktuellen Umweltprobleme ist. In Wirklichkeit steckt hinter der Idee vom umweltfreundlichen Auto eine Entwicklung, die auf sehr viele Jahre zurückblickt:

Der Ursprung der Elektroautos geht bereits in das Jahr 1821, als die ersten Entwicklungen zum Thema Auto mit Batterieantrieb realisiert worden. Dabei war Michael Faraday, ein englischer Naturforscher, führend. Er machte damals deutlich, in welcher Form der Elektromagnetismus mit Rotation verbunden werden kann und machte auf diese Art und Weise die Grundfunktionen jedes Elektroautos deutlich.

Damit war die Basis für das Auto, das mit E-Antrieb vorankommt, geschaffen und erreichte ihre Höhepunkte im 19. Jahrhundert: Zwischen 1896 und 1912 gab es in den USA beispielsweise 34 000 Zulassungen für Elektroautos. Dagegen lag die Zahl der benzinbetriebenen Kraftfahrzeuge zeitgleich nur bei insgesamt 22 Prozent.

Elektroautos: Comeback seit den 1990er Jahren

Etwa um das Jahr 1910 setzte die Wende des Elektroautos ein. Und damit auch sein Rückgang, denn Öl war damals deutlich billiger. Bis zum Aufkommen der internationalen Ölkrise in den 1990er-Jahren, die eine wahre Renaissance des Elektroautos eingeläutet hat. Was aber genau ist das Fahrzeug, das wir heute als Elektroauto bezeichnen?

Auf den Punkt gebracht: Statt einem mit Benzin- oder mit Diesel betriebenem Motor sorgt ein Elektromotor für den Antrieb des Fahrzeugs. Von daher muss in dem Motor eine Batterie vorhanden sein, die das Auto zum Laufen bringen kann, wenn sie vor ihrem Einsatz aufgeladen worden ist. Diese nennt man Akkumulator. Anstatt einer Tankfüllung mit Benzin oder Diesel muss das Fahrzeug also zwischendurch neu aufgeladen werden.

Wer ein Auto mit E-Motor kauft, erhält eine Prämie von 4000 Euro.

Wer ein Auto mit E-Motor kauft, erhält eine Prämie von 4000 Euro.(#01)

Elektroautos: Kaufprämie als Förderung

Um den Kauf von Elektroautos anzukurbeln und den Vertretern der mobilen Wirtschaft langfristig einen Anreiz zu geben, mehr E-Fahrzeuge zu produzieren, setzt die Bundesregierung auf finanzielle Förderung.

Konkret stellt sich das in Zahlen wie folgt dar:

  • Wer ein Auto mit E-Motor kauft, erhält eine Prämie von 4000 Euro.
  • Wer einen sogenannten Plug-In-Hybride erwirbt, der bekommt eine Prämie von 3000 Euro.
  • Durch die Förderung soll der Kauf von maximal 400 000 Fahrzeugen gefördert werden.
  • Insgesamt liegen die Kosten der Förderung bei 1,2 Milliarden Euro.
  • Die Förderung wird die je zur Hälfte vom Staat und von der Autoindustrie getragen.

Das Konzept hat allerdings auch eine Kehrseite, die deutlich macht, dass die Kaufprämie für ein Auto mit Elektromotor nicht für jeden Interessenten nutzbar ist. Der Grund dafür: Wenn die gesamte Höhe der Prämien für Elektroautos erreicht ist, die bei 1,2 Milliarden Euro liegen soll, dann geht der Kunde leer aus. Das gleiche gilt auch für E-Autos, die einen Listenpreis von mehr als 60 000 Euro haben, also zum Beispiel hochpreisige Modelle von BMW oder Fahrzeuge von Jaguar und ähnlichen Marken.

Elektroautos: Steuervorteile durch die Förderung

Ein Punkt, der bezüglich der Kaufprämie für ein Elektroauto auch oftmals unter den Tisch fällt, ist die folgende Tatsache: Die Prämie von 4000 Euro für ein Elektroauto erhält der Kunde nur dann, wenn er sich für die Anschaffung eines Neufahrzeugs entscheidet. Für ein gebrauchtes Auto mit E-Motor gibt es diese Prämie nicht, so dass die Anschaffung eines Elektroautos für alle, die einen erschwinglichen Gebrauchten kaufen wollen, indiskutabel ist.

Allerdings spricht widerum die Tasche, dass der Erwerb eines Elektroautos mit einer Befreiung von der KFZ-Steuer für die Dauer von 10 Jahren belohnt wird, für die Entscheidung für ein E-Motor-Auto.

Darüber hinaus steht zum 1. Januar 2019 ein Schritt an, der besonders für Selbständige und Firmen interessant sein könnte. Mit diesem Datum hat die aktuelle Bundesregierung folgenden steuerlichen Vorteil für E-Autos gegenüber Benziner entschieden:

  • Bei Dienstwagen mit E-Motor können 0,5 Prozent des Listenpreises im Monat statt der bisher üblichen ein Prozent versteuert werden.

  • Die Steuererleichterung gilt für E-Autos und Plug-in-Hybride.

  • Die Regelung betrifft Autos, die zwischen 1. Januar 2019 und 31. Dezember 2021 gekauft werden.

  • Das Gleiche gilt auch für E-Fahrzeuge, die geleast werden.

Was in der Theorie finanziell so sinnvoll klingt, halten viele Vertreter der Wirtschaft, der Zulieferer und der Hersteller für wenig reizvoll.

Was in der Theorie finanziell so sinnvoll klingt, halten viele Vertreter der Wirtschaft, der Zulieferer und der Hersteller für wenig reizvoll.(#02)

Elektroautos: Meinungen aus der Wirtschaft

Was in der Theorie finanziell so sinnvoll klingt, halten viele Vertreter der Wirtschaft, der Zulieferer und der Hersteller für wenig reizvoll. “Die Kaufprämie ist der völlig falsche Weg, um das Elektroauto auf die Straße zu bringen”, erklärt etwa der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), Thilo Brodtmann. Statt, wie es für ihn sinnvoll sei, in Forschung und Entwicklung zu investieren, verbrenne “die Regierung wieder einmal enorme Summen um eines kurzfristigen politischen Erfolges willen”.

Auch aus dem Bereich der Zulieferindustrie kommt erhebliche Kritik am Auto mit E-Motor: “Eine Prämie kurbelt kurzfristig den Absatz an, ist aber nicht nachhaltig”, vertritt Volkmar Denen, der Chef des Autozulieferers Bosch, eine klare Meinung. Das Unternehmen Bosch versorgt die Autoindustrie seit Jahren mit der passenden Technik für Elektro- und Hybridfahrzeuge und beschäftigt sich ständig mit der Herstellung neuer Batteriegenerationen. Deren angebliche Vorteile: Sie sind nur noch halb so teuer in der Anschaffung und halten in den Elektroautos doppelt so lang wie bisher.

Elektroautos: Positive Meinung aus der Auto-Wirtschaft

Als einer der Kritiker der Kaufprämie für Elektroautos gilt auch der Automobilclub ADAC, der eine sehr deutliche Meinung zu dem Thema vertritt: “Bei den Autokosten sind die E-Modelle trotz der jetzt angekündigten Kaufprämien größtenteils immer noch teurer als vergleichbare Diesel oder Benziner.”

Entgegen der Meinung des ADAC steht die Automobil-Wirtschaft dem Konzept des Elektroautos im Großen und Ganzen sehr positiv gegenüber. So zeigen sich zum Beispiel die Hersteller Volkswagen und Daimler genauso zufrieden mit der Entwicklung des E-Autos wie BMW. “Die gemeinsame Förderung der Elektromobilität ist ein wichtiger Schritt, um die Mobilität in Deutschland nachhaltiger zu gestalten”, erklärte etwa BMW-Vorstandschef Harald Krüger.

Mit der finanziellen Förderung sei es dauerhaft erfolgreich möglich, “die CO2-Emissionen der gesamten Autoflotte für den Klimaschutz zu reduzieren”, sagte der Manager in München.

Gegen die positive Entschätzung der Kaufprämie für Elektrofahrzeuge durch die Hersteller steht aber die praktische Art und Weise, wie die Prämie bei den Kunden ankommt.

Gegen die positive Entschätzung der Kaufprämie für Elektrofahrzeuge durch die Hersteller steht aber die praktische Art und Weise, wie die Prämie bei den Kunden ankommt.(#03)

Elektroautos: Zahlen und Fakten zum Absatz

Gegen die positive Entschätzung der Kaufprämie für Elektrofahrzeuge durch die Hersteller steht aber die praktische Art und Weise, wie die Prämie bei den Kunden ankommt. Dabei muss man sogar sagen, dass das Konzept der Bundesregierung bei vielen Kunden noch gar nicht bekannt ist, was sich auch an den folgenden Zahlen und Fakten zeigt:

  • Zuständig für den Antrag auf Förderung eines Elektroautos ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa http://www.bafa.de).
  • Bis zum 31. August 2018 gingen beim Bafa insgesamt 75.338 Förderanträge ein.
  • Seit Ende Juli 2018 sind 3962 Anträge neu bei der Bafa hinzugekommen.
  • Insgesamt wurden seit Einführung der Kaufprämie im Juli 2016 genau 60 412 Prämien beantragt.
  • Davon entfielen 35 053 auf Elektroautos (4000 Euro), 25 342 auf Plug-in-Hybride (per Kabel oder Induktion aufladbare E-Autos, 3000 Euro) und 17 auf Brennstoffzellenfahrzeuge (4000 Euro).
  • Spitzenreiter bei den Herstellern der Fahrzeuge, für die es eine Förderung gibt, ist BMW, gefolgt von VW, Smart, Renault und Audi.

In Zahlen stellt sich das laut Bafa als Hersteller-Top-10 so dar:

  • 1 BMW (13.243)
  • 2 Volkswagen (11.662)
  • 3 Smart (9060)
  • 4 Renault (8632)
  • 5 Audi (6045)
  • 6 StreetScooter (4534)
  • 7 Mercedes-Benz (3488)
  • 8 Kia (3286)
  • 9 Mitsubishi (3140)
  • 10 Nissan (3012)
Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Elektroauto anzuschaffen, der sollte nicht nur die Argumente der Wirtschaft oder der Hersteller in Betracht ziehen. Vielmehr sind auch die Vor- und Nachteile ausschlaggebend, die sich aus dem Umgang mit dem Auto ergeben.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Elektroauto anzuschaffen, der sollte nicht nur die Argumente der Wirtschaft oder der Hersteller in Betracht ziehen. Vielmehr sind auch die Vor- und Nachteile ausschlaggebend, die sich aus dem Umgang mit dem Auto ergeben. (#04)

Elektroautos: Vor- und Nachteile im Überblick

Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Elektroauto anzuschaffen, der sollte nicht nur die Argumente der Wirtschaft oder der Hersteller in Betracht ziehen. Vielmehr sind auch die Vor- und Nachteile ausschlaggebend, die sich aus dem Umgang mit dem Auto ergeben. Und in dieser Hinsicht sei das Für und Wider gut abgewogen, denn Elektroautos sind ja kein Artikel, den wir uns so nebenbei mal für eine kurze Zeit anschaffen. Im Gegenteil, sie sind eine Anschaffung, die uns über mehrere Jahre durch unseren Alltag begleitet. Bevor wir uns also ein Auto mit E-Motor kaufen, sollten wir zu dem Artikel noch einige Plus- und Minuspunkte beachten.

Fangen wir mit den Nachteilen an:

  • Die Anschaffungspreise sind im Vergleich zum entsprechenden Benziner deutlich höher.
  • Auf dem Gebrauchtwagenmarkt besteht noch nicht so viel Auswahl an vernünftigen Gebrauchten.
  • Wer auf längeren Strecken unterwegs sein will, der muss vorab alle Ladevorgänge mit einplanen.
  • Während das Nachtankens eines Benziner an der Tankstelle nur wenige Minuten dauert, muss bei Elektroautos bedacht werden, dass man für eine Vollaufladung erheblich mehr Zeit benötigt.

Gegen diese Punkte auf der Negativliste des Elektroautos sprechen aber auch viele Aspekte für die Anschaffung von einem Auto, das mit Strom fährt. Hier einige Vorteile für Elektroautos:

  • Ohne Emissionen: Da bei Elektroautos keine Emissionen vorhanden sind, wird logischer Weise auch kein Getriebe wie beim Verbrennungsmotor benötigt.
  • Wartungsbedarf: Bei Elektroautos fällt ein deutlich geringerer Serviceaufwand an, was auf die Dauer auch sehr viel niedrigere Werkstattkosten nach sich zieht.
  • Ersatzteile: In einem Auto mit E-Motor werden deutlich weniger bewegte Teile verarbeitet wie in den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Verschleißteile wie Getriebe, Lichtmaschine, Zahnriemen, Keilriemen und Schaltgetriebe sind in Elektroautos nicht vorhanden und mindern damit die Kosten, die auf die Dauer mit einem herkömmlichen Pkw entstehen, wenn diese Teile ersetzt werden müssen.
  • Belastungen: Durch die Emissionsfreiheit ist ein Auto, das mit einem elektrischen Motor betrieben wird, auch geruchsmäßig angenehmer. Es stößt sogar gar keine Gerüche aus und ist damit für Städte und viel befahrene Straßen eine sinnvolle Alternative zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren
  • Umweltfreundlich: In der Diskussion um innerstädtische Schadstoffgrenzwerte in der EU stehen vor allem Fahrzeuge mit Diesel und ältere Benziner in der Schusslinie. Wer so ein Auto besitzt, der muss langfristig sogar mit einem Fahrverbot rechnen. Mit einem Elektroauto ist man auf der sicheren Seite und dauerhaft nicht von diesem Fahrverbot betroffen.

Rechnen wir also die Vor- und Nachteile des Elektroautos gegeneinander auf, können wir als Fazit sehr wohl eine Entscheidung zugunsten des E-Autos treffen. Mögen zwar die Anschaffungskosten erst einmal etwas höher ausfallen, so sind doch die Folgekosten für Treibstoff und Ersatzteile deutlich niedriger als bei einem Auto mit Verbrennungsmotor. Das spricht für Elektroautos.


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Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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