Industriearmaturen 2020: Weshalb Hersteller auf den Nachholeffekt hoffen

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Von 2013 bis 2018 wies die Herstellung von Industriearmaturen ein Wachstum von durchschnittlich 0,3 Prozent pro Jahr auf. Doch 2020 kam der Einbruch. Hersteller hoffen jetzt auf den Nachholeffekt.

Industriearmaturen: Entwicklung einer Branche

Die Produktion innerhalb des verarbeitenden Gewerbes wirkt sich auf die Umsätze aus, die mit der Herstellung von Industriearmaturen zu erzielen sind. Daher ist es verständlich, dass der allgemeine Konjunkturrückgang 2019 auch diesen Bereich getroffen hat. Doch für 2020 hoffen die verschiedenen Firmen auf einen Nachholeffekt, der sich nach der Corona-Pandemie einstellen soll.

Was beeinflusste die Branche der Industriearmaturen bislang?

Generell ist auch der Bereich der Industriearmaturen von der Preisentwicklung auf dem Rohstoffmarkt, von den Rohölpreisen und von der allgemeinen Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes abhängig. Daraus resultierte in 2019 eine allgemeine Schwächung der Konjunktur.

Experten waren 2019 der Meinung, dass es sich nur um eine allgemeine Schwächephase handele, weil die Produktion seit Mitte 2018 bereits rückläufig war. Die Hersteller brauchten Lagerbestände auf, statt Waren neu einzukaufen und Lagerbestände aufzubauen. Die Nachfrage nach Investitionsgütern sank in den wichtigsten Absatzmärkten. Das wirkte sich wiederum auf die Dienstleister aus, die unternehmensnahe Leistungen anboten. Davon betroffen waren auch Industriearmaturen nach DIN & ANSI Norm, die hochwertig produziert wurden und bereits zwei sehr erfolgreiche Jahre in Folge hinter sich hatten. Das Umsatzplus betrug in 2019 nur rund zwei Prozent. Im Inland wurde ein Umsatzrückgang von einem Prozent verzeichnet, dafür wuchs der Absatz im Ausland um 4 Prozent. Und dann kam Corona.

Was passierte durch Corona?

Anfang des Jahres 2020 gingen die Meldungen über den Virus-Ausbruch in China um die Welt. Dass die gesamte Weltwirtschaft schon bald von den Auswirkungen der kurz darauf ausgerufenen Pandemie betroffen sein würde, war nicht absehbar. Doch genauso kam es und viele Unternehmen mussten sogar Kurzarbeit anmelden oder Entlassungen vornehmen. Die Nachfrage brach in vielen Branchen ein, davor blieben auch Industriearmaturen nicht verschont. Doch die Experten hoffen darauf, dass sich ein Nachholeffekt nach Corona ergeben würde. Sie gehen davon aus, dass das zweite Halbjahr 2020 wieder einen Aufwärtstrend bringen wird.

Bisher waren die Hersteller von Industriearmaturen durchaus zufrieden mit der allgemeinen Entwicklung, doch die Aussichten sind nun rein spekulativ zu treffen. Es ist nicht möglich, konkrete Aussagen dazuzugeben, wie es einmal aussehen wird und welche Auswirkungen Corona wirklich haben wird. Die momentane Auftragslage der Branche deutet nicht auf einen baldigen Aufschwung hin.

Welche Zielmärkte sind wichtig für Industriearmaturen?

Bis zum Jahr 2019 entwickelten sich die verschiedenen Produktgruppen (Regel-, Sicherheits- und Absperrarmaturen) recht ähnlich, doch ab 2019 folgten sie unterschiedlichen Verläufen. Absperr- und Sicherheitsarmaturen legten um drei bis vier Prozent zu, Regelarmaturen schrumpften um ca. ein Prozent.

Maßgeblich für den Absatz ist vor allem das Auslandsgeschäft und hier wiederum die Nachfrage aus China. Diese zeigte sich bislang als sehr robust. Auch die starke Konjunktur in den USA sowie die große Nachfrage aus einigen Ländern innerhalb Europas brachte die Branche der Industriearmaturen weiter voran.

China gilt schon seit jeher als einer der wichtigsten Abnehmer von deutschen Industriearmaturen, danach folgen die USA, die als zweitwichtigstes Abnehmerland gelten. Doch auch Frankreich trat mit an die Spitze der Länder, die verstärkt nach deutschen Armaturen fragten, die Nachfrage stieg 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 10,6 Prozent. Damit gehört Frankreich nun zu den drei wichtigsten Abnehmerländern für Industriearmaturen.

Wachstumspotenziale versprechen die Sektoren Wasser, Nahrungsmittel, Schiffs- und Meerestechnik (Foto: shutterstock - ArtEvent ET)

Wachstumspotenziale versprechen die Sektoren Wasser, Nahrungsmittel, Schiffs- und Meerestechnik (Foto: shutterstock – ArtEvent ET)

Nachholeffekt dringend gewünscht: Industriearmaturen im Sinkflug

Nach den ständig steigenden Wachstumsraten bis zum Jahr 2019 mussten die Hersteller von Industriearmaturen im ersten und nun zu Beginn des zweiten Quartals Einbrüche hinnehmen. Auch sie blieben vor den Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht verschont, auch wenn die wirklichen Probleme noch nicht absehbar sind. Die Konjunktur wird in jedem Falle weiter schwächeln.

Wird es eine Stagnation geben?

Im besten Fall gehen die Hersteller von Industriearmaturen davon aus, dass sich der Einbruch bei den Regelarmaturen mit der Umsatzsteigerung bei den Sicherheits- und Absperrarmaturen ausgleichen wird. Gern wird von einer Stagnation ausgegangen, mit der es sich noch leben ließe. Schwieriger wird es, wenn die Umsatzeinbrüche wirklich groß sind, doch schon jetzt ist erkennbar, dass sich die Exportaussichten für alle Industriebranchen deutlich verschlechtern werden.

Wachstumsimpulse sind nicht wirklich zu erwarten. Dennoch zeigen sich die Hersteller gern optimistisch und gehen davon aus, dass sich im Wassersektor, in der Nahrungsmittelbranche sowie in der Schiffs- und Meerestechnik Wachstumspotenziale ergeben werden. In dem Zuge muss auch die Pharmaindustrie genannt werden. Hersteller, die gern und viel planen, können jetzt sogar Berichte zur Branchenentwicklung kaufen, doch diese Branchenberichte werden ebenfalls nur darstellen, dass sich die Auftragslage aller Voraussicht nach nur verschlechtern oder wenigstens lediglich gleich bleiben wird.

Wann tritt der Nachholeffekt ein?

Freilich lässt sich dies bislang nicht endgültig sagen, denn die tatsächlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie sind nicht absehbar. Es wird davon ausgegangen, dass sie sich als schwere Bürde für den Maschinenbau sowie für den gesamten Bereich der verarbeitenden Industrie erweisen wird. Volkswirte gehen davon aus (oder hoffen vielmehr), dass die ersten Nachholeffekte im zweiten Halbjahr 2020 auftreten werden. Die inzwischen aufgetretenen Verluste werden damit aber nicht zu kompensieren sein, das Ergebnis vom vorigen Jahr wird trotz der erhofften Nachholung gegen Ende des Jahres 2020 nicht mehr zu erreichen sein.

Nach der Krise werden die Industriearmaturen in gewohnter Qualität auf den Markt gebracht und weltweit vertrieben werden. Vieles ist bislang bei den Anwendern liegen geblieben und muss nachgeholt werden. Ein Ansatzpunkt für die Hersteller? In der Tat, denn das, was sie zu Beginn des Jahres weniger leisten mussten, könnten sie nun nachholen dürfen. Allerdings wird es dennoch nicht dazu reichen, den Umsatzrückgang durch Corona zu kompensieren.

Infografik: Exportentwicklung"Deutsche Industriearmaturen"

Infografik: Exportentwicklung“Deutsche Industriearmaturen“

Warum ist der Export ein Problem?

Deutschland ist ein Exportland, was bisher durchaus eine Stärke war. Doch nun zeigt sich, dass sich diese Stärke auch ins Gegenteil verkehren kann. Sie macht abhängig: Abnehmerländer wie China bleiben aus, weil sie selbst von der Krise gebeutelt sind. Damit bricht der eigene Umsatz weg. Es wird aber davon ausgegangen, dass die Exportstärke nach der Krise wieder zu einer Trumpfkarte werden wird.

Ob tatsächlich und wann genau diese Trumpfkarte wieder auszuspielen sein wird, ist bislang noch nicht klar. Zu berücksichtigen ist dabei auch, dass sich die deutsche Wirtschaft neu orientieren und mehr auf das Inland konzentrieren wird. Neue Komponenten werden hier hergestellt werden. Was das für die gesamte Industrie und den Export bedeutet, wird sich erst noch zeigen müssen.

Neue Produkte im Bereich Industriearmaturen

Die Hersteller von Industriearmaturen überzeugen immer wieder durch Produktinnovationen, die gerade in der jetzigen Zeit der Krise überlebenswichtig sein können. Gleichzeitig wird die Vorstellung derartigen Innovationen schwieriger, weil sämtliche Messen und ähnliche Veranstaltungen abgesagt werden mussten.

Megapress „S“ von Viega?

Rohrleitungssystem „Megapress S“ von Viega (Foto: Viega)

Rohrleitungssystem „Megapress S“ von Viega (Foto: Viega)

Der Hersteller Viega hat sein neues Rohrleitungssystem „Megapress S“ vorgestellt, was als Alternative für die bei Nah- und Fernwärmeanlagen verwendeten Stahlrohre zum Einsatz kommen soll. Es geht hier um den Ersatz der Stahlrohre mit einer Stärke von bis zu zwei Zoll und es sollen die Rohre ersetzt werden, die bislang ab dem Eintritt ins Gebäude genutzt wurden. Die Neuheit zeichnet sich wie folgt aus:

  • kalte Pressverbindung
  • um bis zu 60 Prozent schnellere Verarbeitung
  • Einsatz unter hohen thermischen Belastungen möglich
  • vielseitige Einsatzmöglichkeiten
  • TÜV- und VdS-zertifiziert

Das Rohrleitungssystem ist speziell für die Anwendung in Anlagen gedacht, die mit hohen thermischen Belastungen einhergehen. Gerechnet wird mit einer Belastbarkeit von bis zu 140 °C. Damit können Primär- und Sekundärleitungen angeschlossen werden, was sowohl direkt an das Fernwärmenetz möglich ist als auch an die Übergabestation. Die für Megapress S verwendete Technik ist schneller, sicherer und wirtschaftlicher als bisher, weil Pressverbindungen genutzt werden. Diese sind direkt nach der Herstellung voll belastbar, was sowohl für thermische als auch für mechanische Belastungen gilt.

Im Vergleich zur konventionellen Schweißtechnik spart die neue Technik bis zu 60 Prozent an Arbeitszeit. Hinzu kommt das Plus an Sicherheit, denn es wird nicht mehr mit einer offenen Flamme wie beim Schweißen gearbeitet. Dies verringert die nötigen Brandschutzvorkehrungen, außerdem werden Nebenarbeiten gespart. Ist eine Installation in einem Bestandsgebäude geplant, in dem hohe Brandlasten zu berücksichtigen sind, werden die nötigen Arbeiten deutlich erleichtert.

Video: Interview mit Martin Plutz: Augmented Reality für die Armaturenindustrie

Welche Auswirkungen haben Messeverschiebungen?

Durch die strengen Auflagen, die durch die Corona-Pandemie einzuhalten sind, können größere Veranstaltungen nicht abgehalten werden. Dies hat große Auswirkungen auf die Unternehmen, die neue Produkte und ihre Leistungen auf Messen und bei Produktpräsentationen vorstellen wollten. Eine solche Verschiebung wurde auch für das Event „Solids & Recycling-Technik Dortmund“ nötig, die nun im März 2021 stattfinden soll. Dies soll allen Teilnehmern und Ausstellern mehr Planungssicherheit geben, daher die Verschiebung auf das kommende Jahr und nicht nur um wenige Wochen in den Herbst hinein. Eigentlich sollte der erste Ersatztermin im Juni 2020 stattfinden, doch dies ist angesichts der aktuellen Beschlüsse der Bundesregierung nicht mehr haltbar gewesen. Alle bisher erworbenen Tickets bleiben dafür gültig und können im nächsten Jahr benutzt werden. Diese Regelung gilt auch für die Aussteller, mit denen Verträge geschlossen worden waren. Die Verträge behalten uneingeschränkte Gültigkeit.

Welche Möglichkeiten zur Vorstellung neuer Produkte bestehen?

Die aktuellen Regelungen treffen alle Hersteller, nicht nur die von Industriearmaturen. Sie haben nur noch eingeschränkte Möglichkeiten, sich und ihre Produkte zu präsentieren. Wie der rheinische Spiegel berichtet, muss auch ein weltweit bekannter Hersteller von Industriearmaturen nach neuen Wegen suchen, um Kunden anzusprechen, was jetzt in den meisten Fällen nur noch virtuell möglich ist.

Die Veranstalter der oben genannten Ausstellung helfen dabei: Sie wollen eine Plattform anbieten, auf der Aussteller und Besucher virtuell miteinander in Kontakt kommen können. Das Ziel ist es, dennoch Möglichkeiten zu schaffen, damit die Branche die Zeit der Krise überleben kann. Man möchte gemeinsam etwas bewegen und das auch in einer sehr schwierigen Zeit.

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