IGZ Tarifvertrag: Gehaltstabelle 2018/2019

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Der IGZ Tarifvertrag regelt die Löhne von Beschäftigten in der Zeitarbeit. Verdienen Mitarbeiter in der Branche gut und wie entwickelt sich das Einkommen? Die Gehaltstabelle 2018/2019 gibt Auskunft.

IGZ Tarifvertrag: Wie attraktiv ist Zeitarbeit im Jahre 2018?

Auch die Zeitarbeit wird attraktiver. Gewerkschaften und Arbeitgeber einigten sich auf einen IGZ Tarifvertrag mit besseren Konditionen für die Arbeitnehmer. Exakt handelt es sich um den Tarifabschluss des DGB mit dem Interessenverband Zeitarbeit (iGZ).

Arbeitnehmer profitieren bis Oktober 2019 von höheren Löhnen. Diese steigen im Westen um jährlich zwischen 2,5 und 3,2 Prozent pro Stunde, im Osten sogar um bis zu 4,82 Prozent. In absehbarer Zeit kommt es zu einer Angleichung zwischen den Teilen Deutschlands, und zwar am 1. April 2021. Dann wird die Gehaltstabelle West auf das gesamte Bundesgebiet übertragen.

Positiv: Die unteren Lohngruppen profitieren besonders. Die Entgeltgruppen 1 und 2 steigen überproportional an und es wird, endlich sagen viele Arbeitnehmer, eine Lohnuntergrenze geben. Das bedeutet: Einen Mindestlohn in der Zeitarbeitsbranche durch den neuen IGZ Tarifvertrag. Dieser beträgt 8,91 Euro im östlichen Tarifgebiet und 9,23 Euro in den westlichen Ländern.

Tarifgebiet West ab 1.4.2018

E1 9,49 9,79 9,96
E2 10,13 10,45 10,62
E3 11,83 12,19 12,19
E4 12,52 12,89 12,89
E5 14,13 14,55 14,55
E6 15,90 16,38 16,38
E7 18,57 19,12 19,12
E8 19,98 20,58 20,58
E9 21,07 21,71 21,71

Spalte 1= Tariflohn am 1.4.2018
Spalte 2= Tariflohn am 1.4.2019
Spalte 3= Tariflohn am 1.10.2019

Tarifgebiet Ost ab 1.4.2018

E1 9,27 9,49 9,49
E2 9,37 9,73 9,73
E3 10,95 10,95 11,33
E4 11,58 11,58 11,99
E5 13,09 13,09 13,55
E6 14,72 14,72 15,24
E7 17,18 17,18 17,78
E8 18,47 18,47 19,12
E9 19,50 19,50 20,18

Spalte 1= Tariflohn am 1.4.2018
Spalte 2= Tariflohn am 1.1.2019
Spalte 3= Tariflohn am 1.4.2019

Hinweis: Für die unteren Entgeltgruppen gibt es am 1.10.2019 eine weitere Lohnerhöhung auf 9,66 Euro (E1) sowie 9,90 Euro (E2). Angegeben ist jeweils der Stundenlohn in Euro.

von 2017 bis 2019 gibt es jährlich mehr Geld

Der IGZ Tarifvertrag regelt die sukzessive Erhöhung der Löhne: Zum März 2017, dem April 2018 und 2019 erhalten die Mitarbeiter mehr Geld. Untere Lohngruppen bekommen im Oktober 2019 noch etwas mehr, mit 17 Cent pro Stunde. Fazit: Die Leiharbeit wird attraktiver, die Arbeitgeber haben offenbar erkannt, dass sie ihr Image verbessern müssen. Dazu zählen eben auch höhere Löhne, aber auch grundsätzlich verbesserte Bedingungen im Betrieb, wohin die Arbeitnehmer ausgeliehen werden.

Video: Zeitarbeit anschaulich erklärt – Kapitel 3 (Branchenzuschläge)

IGZ Tarifvertrag: Das grundsätzliche Problem vieler Leiharbeiter

Im Moment ist es noch so, dass viele Mitarbeiter weniger verdienen als ihre festangestellten Kollegen. Und zwar oft für die gleiche ausgeübte Tätigkeit. Dabei hängt es natürlich immer auch an der Qualifikation, wieviel nach dem IGZ Tarifvertrag verdient wird. Jung, männlich, ohne Schulabschluss: Das trifft schon für viele Mitarbeiter in der Zeitarbeit zu. Gerade einmal neun Prozent haben studiert. Diese verdienen aber meist ziemlich gut, vergleichbar mit den übrigen Mitarbeitern in der Firma. Gesucht werden vor allem Spezialisten wie Ingenieure. Diese sind ein bis zwei Jahre für Unternehmen tätig und besitzen anschließend hervorragende Referenzen für weitere Bewerbungen. Mitunter werden diese Mitarbeiter natürlich auch von der Firma ganz übernommen.

Präzision ist bei vielen Arbeiten gefragt. Mitarbeiter in der Zeitarbeit sind häufig hochqualifizierte Facharbeiter. (#1)

Präzision ist bei vielen Arbeiten gefragt. Mitarbeiter in der Zeitarbeit sind häufig hochqualifizierte Facharbeiter. (#1)

Tipps für Arbeitnehmer, die eine Zeitarbeit suchen

Was sollten Jobsuchende beachten, die auf Zeit arbeiten wollen oder müssen? Die Unterschiede sind groß und man sollte herausfinden, wie viele Mitarbeiter schon länger tätig sind und dort auch zufrieden sind. Das kann man unter anderem auf Portalen im Internet oder eventuell auch im Freundes- und Bekanntenkreis herausfinden. Die Branche möchte grundsätzlich ihr Image verbessern, aber ein Geschmäckle hat ein Job in diesem Zweig der Wirtschaft immer noch. Daran ändern auch ein verbesserter IGZ Tarifvertrag wenig.

IGZ Tarifvertrag: Die einzelnen Entgeltgruppen im Vergleich

Wer Löhne nach dem IGZ Tarifvertrag erhält, wird in Entgeltgruppen unterteilt. Das Prinzip ist einfach: Je höher die Qualifikation und Berufserfahrung, umso höher werden die Mitarbeiter eingestuft. Und erhalten natürlich mehr Geld für ihre Tätigkeit. Zum Überblick deshalb die aktuellen Entgeltgruppen von 1 bis 9. Jeder Arbeitnehmer kann prüfen, in welcher Gruppe er eingestuft würde:

  • Gruppe 9: Die höchste Entgeltgruppe, welche ein Universitätsstudium voraussetzt oder ein Fachhochschulstudium mit langjähriger Erfahrung im Beruf
  • Gruppe 8: Hier reicht ein Fachhochschulstudium
  • Gruppe 7: Ein Meister ist erforderlich sowie eine jahrelange Berufserfahrung muss nachgewiesen werden
  • Gruppe 6: Eine Meisterausbildung oder vergleichbare Qualifikation ist notwendig, um in dieser Gruppe seinen Lohn zu bekommen
  • Gruppe 5: Spezialkenntnisse, die zusätzlich zu einer Berufsausbildung eigenständig erworben werden müssen
  • Gruppe 4: Mindestens 3 Jahre in einem Beruf tätig zu sein, ist Grundvoraussetzung
  • Gruppe 3: Eine Berufsausbildung wird erwartet, die aber auch durch langjährige Tätigkeiten in den Entgeltgruppen 1 und 2 erworben werden können
  • Gruppe 2: Hier ist lediglich etwas Einarbeitung nötig, um die Tätigkeit sofort ausüben zu können
  • Gruppe 1: Reine Hilfsarbeiten, die ohne große Einarbeitung ausgeführt werden können

IGZ Tarifvertrag: Zeitarbeit für ältere Arbeitnehmer?

Jeder hat das Recht zu arbeiten, unabhängig vom Alter. Auch die im IGZ Tarifvertrag festgeschriebenen Löhne unterscheiden in erster Linie nach der Qualifikation. Trotzdem ist die Frage, wie Menschen über 50 Jahre aktiv am Berufsleben teilhaben können, relevant. Viele ältere Menschen haben dabei zwei Ziele: Entweder kurz vorm Ruhestand noch ein paar Monate oder Jahre halbwegs normal verdienen oder alternativ noch einige Jahre Vollzeit in Festanstellung mitarbeiten und am liebsten erst mit 65 oder 67 in Rente gehen.

Beide Varianten sind nicht unrealistisch. Es gibt sehr wohl Perspektiven für Arbeitnehmer jenseits der 50. Auch in der Zeitarbeitsbranche gibt es definitiv keine Hemmungen ältere Mitarbeiter einzustellen, wie Jürgen Uhlmann (Jobs in Time Holding GmbH) betont. Der Grund ist die besondere Flexibilität, welche bei der Zeitarbeit herrscht. Ohne größere Probleme ist es durchaus möglich, auch nur 25 Stunden statt 40 Stunden zu arbeiten oder statt mehreren Jahren nur zwölf Monate in einem Job aktiv zu sein. Alles Voraussetzungen, die vielen älteren Kollegen entgegenkommen.

In der Baubranche sind zahlreiche Mitarbeiter für Zeitarbeitsfirmen tätig. (#2)

In der Baubranche sind zahlreiche Mitarbeiter für Zeitarbeitsfirmen tätig. (#2)

IGZ Tarifvertrag: Darum benötigt Deutschland ältere Kollegen

Deutschland ist ein alterndes Land und benötigt alleine aufgrund seiner Demographie die Erfahrung und die Kraft älterer Mitarbeiter ab 50 Jahre. Egal, ob es in Vollzeit ist oder ein Arbeitnehmer nach IGZ Tarifvertrag entlohnt wird.

Im Gegenteil: Auf die Erfahrung und das Know-how älterer Arbeitskräfte sollte kein Unternehmen und keine Gesellschaft verzichten. Diese besitzen eine in vielen Arbeitsjahren erworbene Menschenkenntnis und können so auch Vorbild für jüngere Mitarbeiter sein. Diese nehmen im Übrigen lieber Tipps von Älteren an, welche auch weniger als berufliche Konkurrenz wahrgenommen werden.

Die Zeitarbeitsbranche und eine Entlohnung nach dem IZG Tarifvertrag können aufgrund ihrer Flexibilität das Richtige sein, um noch einmal etwas zu verdienen oder im Einzelfall sogar noch zu einer Führungspersönlichkeit aufzusteigen. Die Teilhabe am Arbeitsmarkt sollte allen offen stehen, auch denen, die gar nicht auf Leihbasis arbeiten möchten, sondern am liebsten bis zur Rente oder gerne darüber hinaus Verantwortung übernehmen wollen. Denn die feste Anstellung in einer Firma ist auch der Wunsch zahlreicher älterer Mitarbeiter.

Motto: Erst ein paar Monate in der Zeitarbeit verbringen und dann durch die guten Referenzen die Möglichkeit zu haben, „aufzusteigen“ und in einer regulären Festanstellung den Rest seines Berufslebens zu verbringen. Auf das Wissen eines alten Arbeitnehmers sollte kein Unternehmen verzichten, die deutsche Gesellschaft mit ihrem Demographie-Problem kann dies am wenigsten tun. In diesem Zusammenhang kann der Zeitarbeitslohn anhand des IGZ Tarifvertrag der ideale Einstieg für einen Neustart sein.

IGZ Tarifvertrag: Die Zeitarbeit im Jahre 2030

Eigentlich gute Nachrichten, Löhne steigen laut IGZ Tarifvertrag und immer mehr ältere Kollegen sind dabei: Ist das die Zukunft der Zeitarbeit, vielleicht um das Jahr 2030? Heutzutage sind die allermeisten Mitarbeiter noch jüngeren Datums, verfügen in den meisten Fällen über zu wenig Fähigkeiten und sind zudem nicht sehr lange in einer Firma tätig. Bleibt diese Situationsbeschreibung oder entwickelt sich die Leiharbeit in den nächsten Jahren zu einer echten Alternative? In diesem Zusammenhang steht auch die Frage, wie sich die momentan gute Konjunktur zur Entwicklung der Zeitarbeit verhält.

Aktuell steht es um die Zeitarbeit nicht zum Besten. Es fehlen Bewerber und wichtige Gründe sind die gute Konjunktur sowie die immer noch fehlende Akzeptanz der Branche bei vielen Arbeitssuchenden. Unabhängig davon, ob der IGZ Tarifvertrag den Beschäftigten durchaus attraktive Konditionen bietet. Experte Axel Blackert aus Kassel äußerte sich gegenüber der heimischen HNA und erklärte, dass es früher mit einer Arbeitslosenquote von 14 Prozent naturgemäß viel einfacher war, Bewerber zu gewinnen. Aktuell liegt die Arbeitslosenquote bei ungefähr 5 Prozent.

Die Branche ist durchaus attraktiv, das Image verbesserungswürdig

Dabei ist die Zeitarbeitsbranche durchaus attraktiv auch für qualifizierte Fachkräfte. Der IGZ Tarifvertrag bietet Arbeitnehmern vernünftige Konditionen und auch die Höchstüberlassungsdauer von Arbeitskräften wurde auf 18 Monate begrenzt, aber diese Leistung ist relativ egal, weil inzwischen 80 Prozent der Bewerber ohnehin von der Firma übernommen werden, früher lag die Quote kaum bei einem Viertel. Damals kamen potentielle Arbeitskräfte in Scharen, heute suchen eigene Recruiter neues Personal.

Besonders in der Pflege, den kaufmännischen Berufen sowie in der Metallindustrie werden Mitarbeiter gesucht, welche aber wenn überhaupt vorhanden, lieber in der freien Wirtschaft arbeiten möchten. Der Fachkräftemangel macht sich dort zwar auch bemerkbar, doch die Branche der Zeitarbeit hat immer noch ein negatives Image und muss dieses korrigieren, wenn auch im Jahre 2030 dieser Zweig der Wirtschaft noch existieren soll.

IGZ Tarifvertrag: Ein neues Image und ein Kulturwandel?

Wie verbessert man sein Image? Zum Beispiel durch noch mehr Flexibilität in der Gestaltung der Arbeitszeit oder der Ausstattung in hochmodernen Arbeitsplätzen. Mitarbeiter müssen das Gefühl haben, dass nicht nur das Geld stimmt, sondern auch das Drumherum. Das Finanzielle ist durch den IGZ Tarifvertrag einigermaßen vernünftig geregelt und hat für qualifizierte Facharbeiter keine wirklichen Nachteile. Aber Geld ist eben nicht alles und heutzutage ist wohl ein Kulturwandel in der Zeitarbeitsbranche notwendig, um diese wieder attraktiver zu gestalten.

Tarifgespräche im Jahre 2019 werden für Spannung sorgen

Ein erster Versuch der neuen Kultur könnten die wohl im Jahre 2019 beginnenden Tarifgespräche sein. Der neue IGZ Tarifvertrag wird ausgehandelt und Mitarbeiter in der Zeitarbeit dürfen sich vermutlich auf höhere Löhne freuen. Ob es ansonsten weitere Verbesserungen für Mitarbeiter gibt, bleibt abzuwarten. Die Gespräche in anhaltend guter Konjunktur dürften jedenfalls hochinteressant werden. Wie die endgültigen Resultate aussehen werden, bleibt abzuwarten. Je besser die Wirtschaft am Laufen ist, umso stärker dürften die Zugeständnisse der Branche an die Gewerkschaften sein. Ob diese Haltung auch dann anhält wenn es mal wieder ökonomisch bergab geht, bleibt zu wünschen. Im Moment haben jedenfalls die Mitarbeiter gute Karten und dürften nach den Abschlüssen in der Tarifrunde wohl ein gutes Plus an Gehalt auf ihrem Konto wiederfinden.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: Flamingo Images -#1: ESB Professional -#2: Andreas G. Karelias

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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