Hygieneartikel-Industrie testet Gigaliner

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Schon seit einigen Jahren ist – nicht nur in der Hygieneartikel-Industrie – der Einsatz der Gigaliner im Gespräch, wenn auch immer mit geteilten Meinungen. Während die Einen sagen, dass damit die Anzahl der Transporte eingeschränkt werden könne, sind andere der Meinung, dass wir hier schließlich in Mitteleuropa und nicht im australischen Outback leben würden, wo es Platz ohne Ende gäbe. Nun hat die Hygieneartikel-Industrie einen solchen Gigaliner getestet, und zwar von Witzenhausen aus in Richtung Hedemünden, wobei es bis zur A 7 ging. Die Fahrt verlief problemlos, allerdings nicht überall ohne wirklich enge Stellen.

Hygieneartikel-Industrie: Riese ohne Probleme

Ausgangspunkt für die Reise mit dem Gigaliner war für die Hygieneartikel-Industrie das Werk des Herstellers SCA in Witzenhausen. Der gigantische Lkw war über 25 Meter lang und so ist es verständlich, dass bestimmte Punkte durchaus zum Problem hätten werden können. So zum Beispiel der Kreisverkehr in Witzenhausen – doch dieser konnte fast problemlos passiert werden. Es war zwar an der einen oder anderen Stelle doch ein wenig eng, richtige Probleme traten aber nicht auf. Dabei war dies der allererste Testlauf für einen Gigaliner, der bisher in Nordhessen durchgeführt worden ist.

Die Bürgermeisterin von Witzenhausen, Angela Fischer, wusste von der Testfahrt und beobachtete mit ihrem Mitarbeiterstab das Unterfangen. Allerdings gab es ursprünglich enorme Bedenken, ob der Gigaliner die engen Straßen der Stadt überhaupt passieren könne. Doch bestätigt haben sich diese schwarzseherischen Prognosen eher nicht.

Der Lastwagen in Überlänge stammte von der Spedition Krone und startete gegen 10:00 Uhr am Morgen vom Werk des Herstellers. Dieses liegt direkt an der Kasseler Landstraße, die wiederum zur Auffahrt Hedemünden führt. Da es sich um einen Testlauf handeln sollte, musste natürlich auch eine Rücktour eingeplant werden. Die führte über die B 80 und die B 27 über Wendershausen bis zurück nach Witzenhausen.

Die Hygieneartikel-Industrie testete zwar den Gigaliner, ob zum Beispiel SCA dieses Fahrzeuge öfter einsetzen möchte, steht noch in den Sternen. Ebenso ist die Frage, ab wann der Gigaliner vielleicht im Dauereinsatz sein sollte und ob er überhaupt regelmäßig fahren muss, noch nicht beantwortet. Die Tests werden erst einmal weitergeführt, wofür das Werksgelände allerdings auch ausreichend groß ist. Der Logistikleiter von SCA – Michael Knobloch – ist der Meinung, dass sich das Fahrzeug erst einmal auf dem Werksgelände bewähren muss, ehe über einen weiteren Einsatz nachgedacht werden könne. Wenn weitere Schritte eingeleitet werden sollen, müssen diese ohnehin erst mit Stadt, Kreis und Land besprochen und von dort abgesegnet werden.

In Witzenhausen war die erste Station für die Tests, die durch die Hygieneartikel-Industrie vorgenommen werden sollen. SCA, ein schwedischer Konzern, testete hier das erste Mal die extra langen Lkw in Deutschland. Die einzelnen Tests, die noch durchgeführt werden, müssen sich auf bestimmte Bundesländer beschränken. Der Grund: Nur wenige haben sich an dem bundesweiten Versuch beteiligt. Namentlich sind das Schleswig-Holstein, Hamburg, Thüringen, Sachsen, Niedersachsen, Bayern und Hessen.

Hygieneartikel-Industrie: Was bringt das alles?

Versuche mit Gigalinern sind nicht ganz kostenfrei – milde ausgedrückt. Was also erhofft sich die Hygieneartikel-Industrie von den Tests? Die Frage ist ganz einfach zu beantworten, denn im Laufe der Zeit sollen sich solche Kostenersparnisse einstellen, dass es sich nicht mehr lohnt, andere Fahrzeuge für den Transport einzusetzen. Insgesamt sollen weniger Fahrzeuge fahren, was sicherlich auch realistisch ist. Schließlich bieten die Gigaliner weitaus mehr Ladefläche, sodass die Lieferungen größer, dafür aber seltener sein können. Es wird davon ausgegangen, dass etwa jede dritte Fahrt eines normalen Transports gespart werden könnte, wenn die Gigaliner regelmäßig eingesetzt werden würden.

Derzeit gilt eine Gewichtsgrenze von vierzig Tonnen, schwerer darf ein Lkw nicht sein. Dies würde laut Hygieneartikel-Industrie auch eingehalten werden, wenn die Gigaliner eingesetzt werden. An dieser Stelle gäbe es keine Streitmomente. Doch andere Problem tun sich dafür auf: Die Gigaliner sind nicht unbedingt für ihre Umweltfreundlichkeit bekannt. Zum einen verbrauchen sie aufgrund des sehr hohen Eigengewichts deutlich mehr Kraftstoff als die üblichen Lkw. Auch wenn die Hygieneartikel-Industrie derart argumentiert, dass dafür seltenere Fahrten nötig wären. Ein anderer Aspekt sind die Straßen selbst. Sie wurden nicht dafür gebaut, dass Fahrzeuge mit einer Länge von 25 Metern über die Straße fahren. Enge Kurven, Kreisverkehr und andere Hindernisse – die derzeit noch keine sind – könnten zu wirklichen Probleme führen. Auch die schmalen Straßen in vielen Ortschaften wären per Gigalinder nicht mehr befahrbar. Die Straßen jedoch, über die der Gigaliner fährt, sind einer enormen Belastung ausgesetzt, was sich in Straßenschäden bemerkbar machen dürfte. Diese treten zwar bei normaler Nutzung ebenso auf, jedoch nicht in dem Maße und in einer so kurzen Zeit. Der positive Aspekt der Kostenersparnis ist hier also vielleicht ein wenig zu kurz gedacht.


Bildnachweis: © Fotolia – Marco2811

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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