Geschäftsbanken: Definition, die 10 Größten, die Konditionen und die Sache mit dem Verwahrentgelt

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Die Geschäftsbanken sind etwas in Verruf geraten. Dazu hat die Nullzins-Politik der EZB beigetragen, aber auch die Geschäftsbanken selbst. Während die Geschäftsbanken früher fest im Sattel saßen, machen ihnen mittlerweile Fintechs und Online-Banken das Leben schwer. Welchen Platz kann sich eine Geschäftsbank heute sichern, gerade auch als Geschäftspartner für Unternehmen und insbesondere für StartUps?

Geschäftsbanken: Definition & Aufgaben

Geschäftsbanken sind alle Banken, die sämtliche Bankgeschäfte für Unternehmen, Behörden, Institutionen, Banken und Privatpersonen abwickeln. Eine Geschäftsbank wird daher auch Universalbank genannt. Zu den Universalbanken gehören die Sparkassen, Genossenschaftsbanken und die privaten Kreditinstitute.

Die Bankgeschäfte einer Universalbank umfassen seit der Gründung der ersten „Banques d’affaires“ oder „Societes financières“ im Jahr 1852 die nachfolgenden Geschäfte.

  • Das Passivgeschäft oder Einlagengeschäft

    Dies umfasst im weitesten Sinne das Führen von Konten, insbesondere auch Sparbücher. Es dient der Refinanzierung der Bank.

    Dazu gehören:

    • Sparkonten,
    • Sichteinlagen,
    • Termineinlagen
    • Bankschuldverschreibungen wie etwa Sparbriefe;
  • Das Aktivgeschäft oder Kreditgeschäft

    Das Kreditgeschäft beinhaltet sowohl das Begeben von Krediten als auch das Vermitteln von Krediten. Man unterscheidet zwischen der Geldleihe und der Kreditleihe.

    • Geldleihe
      Hier stellt die Geschäftsbank dem Kunden einen Geldbetrag oder Zahlungsmittel zur Verfügung.

      Die Geldleihe kennt folgende Kreditformen.

      • Kontokorrentkredite,
      • Dispositionskredite,
      • Kleinkredite,
      • Investitionskredite,
      • Konsumkredite,
      • Baufinanzierungen,
      • Realkredite,
      • Stand-by-Kredite,
      • Revolvierende Kredite
    • Kreditleihe
      Die Bank stellt dem Kunden kein Geld, sondern vielmehr die Kreditwürdigkeit zur Verfügung.

      • Avalkredite
    • Die Dienstleistungen

      Die Dienstleistungen ermöglichen dem Bankkunden im weitesten Sinne das Handhaben seines Geldes.

      Hierzu zählt:

      • der Zahlungsverkehr,
      • das Bargeldgeschäft mit Barauszahlung und Bareinzahlung,
      • das Ausführen von Überweisungen,
      • der Lastschriftverkehr, also das Einziehen von Geldern von Konten Dritter,
      • die Inkassogeschäfte,
      • die Devisen- und Sortengeschäfte,
      • der Edelmetallhandel
      • das Akkreditivgeschäft und Dokumentengeschäft im Außenhandel
      • die Vermittlung von Finanzdienstleistungsprodukten wie Versicherungen
      • das Immobiliengeschäft
      • Beratungsleistungen
      • die Ausgabe von Kreditkarten
      • die Ausgabe von Reiseschecks.
    • Investmentgeschäft

      • Verwahrung von Wertpapieren
      • Verwaltung von Wertpapieren
      • Emission von Wertpapieren
      • An- und Verkauf von Wertpapieren
      • Vermögensverwaltung

Die Geschäftsbanken sind gemeinhin all jene Banken, mit denen sowohl Verbraucher als auch die meisten Unternehmen ihre täglichen Bankgeschäfte abwickeln. In den letzten zwanzig Jahren erfuhren die klassischen Geschäftsbanken starke Konkurrenz durch Online-Banken und Fintechs.

Beide Wettbewerber haben gegenüber den klassischen Geschäftsbanken den großen wirtschaftlichen Vorteil, dass sie meist kein Filialnetz betreiben müssen, welches hohe monatliche Fixkosten verursacht. Zudem sind Fintechs oft auf einzelne Bankleistungen spezialisiert, die sie zu wesentlich niedrigeren Kosten erbringen können, als klassische Geschäftsbanken.

Die Konditionen der Geschäftsbanken

Unternehmen wie StartUps benötigen zum Betrieb ihres Business stets Konten bei Banken. Im Regelfall wird hier eine Geschäftsbank zum Partner des Unternehmens.

Sie gelangt bei intensiver Zusammenarbeit in die Rolle der sogenannten Hausbank – also der Bank mit der man quasi sämtliche Geldgeschäfte tätigt. Die enge Zusammenarbeit schafft Abhängigkeiten, weswegen ein Unternehmer gut beraten ist, bei der Wahl der Bank Vorsicht walten zu lassen.

Gerade bei Unternehmensgründern sind auch die Konditionen der Geschäftsbanken wichtig. Es bietet sich an, vergleichende Untersuchungen der Konditionen wie den Geschäftskonto-Vergleich des Finanzexperten Feda Mecan zu Rate zu ziehen.

Hat sich die Zusammenarbeit mit der Geschäftsbank erst intensiviert, ist ein Wechsel schwieriger. Ungünstige Konditionen sind dann besonders schmerzhaft.

Um einen Geschäftskonto-Vergleich wie jenen von Feda Mecan nutzen zu können, sollten Gründer wie Unternehmer prüfen, welche Arten von bankrelevanten Geschäftsvorfällen im Monat zu erwarten sind und in welcher Häufung diese auftreten.

So wird ein Einzelhändler mit Ladengeschäft unter Umständen viel Bargeldgeschäft haben, während ein Industrieunternehmen Bedarf an Akkreditivgeschäft und Dokumentengeschäft im Außenhandel oder Kreditleihe hat.

 Verbraucherschützer kritisieren die Praxis der Geschäftsbanken, die erhobenen Negativzinsen als Verwahrentgeld zu deklarieren. (Foto: Shutterstock- Marian Weyo )

Verbraucherschützer kritisieren die Praxis der Geschäftsbanken, die erhobenen Negativzinsen als Verwahrentgeld zu deklarieren. (Foto: Shutterstock- Marian Weyo )

Geschäftsbanken und das Verwahrentgelt

Wie bereits eingangs erwähnt haben Geschäftsbanken bei ihren Kunden Sympathien verloren, als sie Verwahrentgelte für Sichteinlagen einführten. Hierbei handelt es sich um das Abbilden von Negativzinsen bzw. eine Negativrendite, welche jedoch keine Erfindung der Neuzeit sind, sondern bereits im Jahr 1972 vorübergehend von der Schweiz eingeführt wurden. In der Gegenwart haben Staatsanleihen Negativzinsen oder Negativrenditen.

Banken erheben die Negativzinsen auf Sichteinlagen von Privatkunden und Geschäftskunden, tarnen diese jedoch als Verwahrentgelt. Dies hat bereits Verbraucherschützer auf den Plan gerufen, die dies kritisieren, weil Konsumenten auf den ersten Blick den Charakter von Zinsen nicht wahrnehmen.

Das Erheben der Negativzinsen durch die Banken liegt darin begründet, dass Geschäftsbanken selbst Zinsen bezahlen müssen, wenn sie Geld bei der Zentralbank parken. Diese Belastung geben Geschäftsbanken häufig an ihre Kunden weiter. Einige Geschäftsbanken haben Freigrenzen eingerichtet. Liegt der Saldo des Geschäftskontos unter der Freigrenze, werden keine Negativzinsen berechnet. Doch gerade Geschäftskonten tendieren dazu, die auf Privatkunden ausgerichteten Freigrenzen zu überschreiten.

Für Unternehmer stellen die von den Banken erhobenen Negativzinsen merkliche Kostenbelastungen dar, da das Geschäftskonto gerade bei gutem Wirtschaften hohe Salden erreichen kann. Bei der Wahl des Geschäftskontos verdient auch der erhobene Negativzins einen Blick, da sich hier rasch hohe Abgaben anhäufen können.

Beispiele: die Top Ten der Geschäftsbanken

Geschäftsbanken werden üblicherweise nach ihrer Bilanzsumme verglichen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die zehn größten privaten Geschäftsbanken in Deutschland.

Banken‑Ranking: die Top Ten Geschäftsbanken
Geschäftsbank Bilanzsumme [2018]
Deutsche Bank 1.348 Mrd. Euro
Commerzbank 462 Mrd. Euro
Unicredit Bank 287 Mrd. Euro
DB Privat- und Firmenkundenbank 276 Mrd. Euro
ING 171 Mrd. Euro
Volkswagenbank 83 Mrd. Euro
Deutsche Pfandbriefbank 58 Mrd. Euro
Hamburg Commercial Bank 55 Mrd. Euro
Santander Consumer Bank 43 Mrd. Euro
Aareal Bank 43 Mrd. Euro
Quelle: statista

Dem Top-Ten-Ranking liegen die Bilanzsummen der Geschäftsbanken des Jahres 2018 zugrunde.

Fintechs: eine Gefahr für Geschäftsbanken?

Fintechs nehmen den Geschäftsbanken Geschäftsvolumen ab. Das steht fest. Viele führen das auf günstigere Angebote der Fintechs zurück, doch das greift zu kurz. Betrachtet man ein Fintech, welches gar nicht als Fintech bekannt ist, wird dies deutlich.

Das Fintech Paypal

Die Rede ist hier von Paypal. In der Regel wird Paypal als Bezahloption mit der Auktionsplattform ebay in Verbindung gebracht. Und genau dort konnte sich Paypal auch etablieren, indem das Bezahlen für den Nutzer vereinfacht wurde.

Während das Bezahlen (eine Urdienstleistung der Geschäftsbanken) revolutioniert wurde, indem man Geld nicht an eine schlecht zu merkende Bankverbindung transferierte, sondern an eine E-Mail-Adresse, verloren klassische Geschäftsbanken den Anschluss an den Teil ihres Kerngeschäfts, der digital im Internet stattfindet.

Erfolgsfaktoren: Serviceort & Servicekomfort

Und wieder ist es interessant, dass die erhobenen Gebühren nicht niedriger sind als bei klassischen Geschäftsbanken, sondern im Vergleich sogar höher. Hier hat Paypal klar mit der Einfachheit der Inanspruchnahme seiner Dienste Marktmacht durch die Kontrolle des Zugangs zu breiten Käuferschichten erlangt.

Der Erfolg von Fintechs gegenüber den Geschäftsbanken ist also keine Frage des Pricings, sondern eine Frage des Ortes, an dem die Dienstleistung erbracht wird und der Servicekomfort. Somit ist Paypal die konsequente digitale Weiterentwicklung der Kreditkarte.

Robo-Advice ist eine der Spezialisierungen von Fintechs. Geschäftsbanken können bei diesen oft nicht mitziehen.  (Foto: Shutterstock-Mr. Rashad)

Robo-Advice ist eine der Spezialisierungen von Fintechs. Geschäftsbanken können bei diesen oft nicht mitziehen. (Foto: Shutterstock-Mr. Rashad)

Die Chancen der Geschäftsbanken

FinTechs stellen tatsächlich eine Konkurrenz und auch eine disruptive Technologie für die Geschäftsmodelle von Geschäftsbanken dar. Die Gefahr für die Banken liegt in der Unberechenbarkeit des Auftauchens der neuen Markteilnehmer.

Fintechs sind schlank organisiert, während Banken viel Ballast aus grauer Vorzeit mit sich herumschleppen. So kann ein Fintech schneller auf Gegenbewegungen der Banken reagieren als umgekehrt. Auch der Markeintritt eines Fintechs erfolgt stets punktgenau und greift dort an, wo klassische Banken ihre Schwächen zeigen.

Fintechs haben Schwerpunkte. Finanzierung ist ein Kernthema der Fintechs wie Crowdfunding und Kredite und Factoring. Ein zweiter Schwerpunkt von Fintechs ist das Vermögensmanagement mit Vermögensverwaltung, oft auch der Vermögensanlage, seltener der Beratung. Spezialisierte Fintechs bieten Robo-Advice, Social Trading und Personal Financial Management, teils auch Anlage und Banking. Das dritte Segment umfasst den Zahlungsverkehr.

Die Geschäftsbanken müssen sich auf die Vorteile besinnen, die auf ihrer Eigenschaft als Universalbank beruhen. Der Kunde kann hier zwei große Vorteile erkennen. Dies sind Kostenvorteile, denn die Erbringung aller Finanzdienstleistungen kann in Summe kostengünstiger erfolgen, als die Fintechs es mit ihren aufgesplitteten Services könnten.

Zum Anderen ist eine Beratung durch die Universalbank umfassender und ganzheitlicher, als es einem Fintech mit seiner eingeschränkten und fokussierten Sichtweise möglich wäre.

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