FAZ: Frankfurter Allgemeine Zeitung kämpft mit dem Medienwandel

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Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) gilt als eine der renommiertesten Zeitungen auf dem Markt – und steckt dennoch tief in der Krise. Der Grund: Zeitunglesen ist längst nicht mehr so verbreitet wie früher einmal und Nachrichten sind im Internet deutlich rascher und auf die Zielgruppe abgestimmter verfügbar. Kooperationen und digitale Angebote sollen die Lösung sein, um die FAZ wieder aus den roten Zahlen zu bekommen. Derzeit gibt es einen Plan, der Einsparungen von jährlich zwanzig Millionen Euro bis 2017 vorsieht.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Verluste inbegriffen

Dass nicht immer alles erfolgreich sein kann, ist klar. Dass die Probleme jedoch kontinuierlich weitergehen und die FAZ immer tiefer in die roten Zahlen rutscht, konnte so nicht absehbar sein.

Schon im Jahr 2012 war erkennbar, dass die Erfolgstendenz eher nach unten zeigte. Damals musste ein Rückgang der Anzeigenerlöse von 4,3 Millionen Euro durch die Verlagsgesellschaft hingenommen werden – im Gegensatz dazu wurden im Vorjahr rund 19,3 Millionen Plus durch den Verkauf von Vermögensanteilen gemacht. Auch in 2013 ging der Umsatz weiter zurück, das Defizit wurde größer. Damit die Verluste ausgeglichen werden konnten, wurde die FAZ einer Schlankheitskur unterzogen und so ging sie mit einer geringeren Seitenzahl in das Jahr 2014. Das hatte natürlich auch Einsparungen beim Personal zur Folge. Dennoch ließ die Frankfurter Allgemeine Zeitung in 2014 verlautbaren, dass die Verluste im hohen – aber immer noch einstelligen – Millionenbereich lagen. Nun sollen bis 2017 rund 200 Stellen gestrichen werden – wobei es wohlgemerkt nur 900 insgesamt sind. Allerdings ginge es hier laut Verlag nicht darum, betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen, sondern es sollten Regelungen zum Vorruhestand greifen, außerdem soll die Fluktuation erhöht werden. Außerdem sollten Weiterbildungsmaßnahmen, die sich gesondert an Führungskräfte richten und entsprechend kostenintensiv sind, eingeschränkt werden.

Zusammen mit der Süddeutschen Zeitung, der Zeit und dem Handelsblatt plant die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine gemeine Vermarktung der Anzeigen, damit sollte das Anzeigengeschäft der FAZ wiederbelebt werden. Diesbezüglich gibt es aber noch keine konkreten Pläne, was auch für die Erhöhung der Erscheinungsfrequenz des FAZ Magazins gilt. Dieses wird bislang achtmal im Jahr verlegt, soll nach den neuesten Überlegungen aber bis zu 14-tägig erscheinen. Ob die FAZ diese Pläne umsetzt, steht noch in den Sternen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Wege in die Krise

Zeitungen mussten schon immer kreativ sein, was der FAZ bisher auch recht gut gelang. Doch irgendwann kam der Punkt, an dem die Frankfurter Allgemeine Zeitung den Anforderungen der Leser nicht mehr gerecht werden konnte. Zum einen waren es die Neuerungen im Fernsehbereich – mit Kabel- und Satellitenfernsehen konnte keine Zeitung konkurrieren, nicht einmal die beliebte FAZ. Dann war da das Internet und die Zeitungen sahen kein Land mehr. Interessant dabei ist, dass der Medienkonsum der Menschen gar nicht so weit zurückgegangen ist, er hat sich nur geändert. Zeitungen wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung haben da das Nachsehen. Umfragen zufolge Surfen, Schauen und Spielen die Menschen bis zu zehn Stunden am Tag mit den diversen Medien. Nur die Zeitung bleibt auf der Strecke.

Ein anderer Punkt war, dass das Lesen immer teurer wurde. Auch eine FAZ konnte sich nicht von ein paar Pfennigen pro Ausgabe über Wasser halten und erhöhte die Preise. Die Erhöhungen der letzten Jahre ließen immer mehr Leser abwandern, zumal sie im Internet vergleichbare Meldungen günstiger oder kostenlos erhielten. Qualität ja, aber teuer darf sie nicht sein. Zudem sind die Meldungen im Netz viel rascher verfügbar – niemand muss auf den nächsten Tag warten, um Einzelheiten zu einem Ereignis zu erfahren. Die Menschen schalten den Rechner an, starten das Internet – und wissen, was wo in der Welt los ist. Selbst die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) gerät zunehmend in Vergessenheit, ob nun als Ausgabe der FAZ oder von einem anderen Verlagshaus.

Konkurrenz für die FAZ durch Nicht-Journalisten

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat die gleichen Probleme wie andere renommierte Zeitungen auch: Die Konkurrenz durch Nicht-Journalisten wächst. Warum sollte jemand auf die FAZ oder eine andere Zeitung warten, wenn er die aktuellen Geschehnisse im Internet rund um die Uhr kommentiert bekommen kann? Es gibt Blogs von Experten oder solchen Menschen, die sich für Experten halten. Forschungsinstitute, Organisationen und selbst juristische Einrichtungen bieten Rat und Kommentare an. Ob diese Nachrichten immer der Wahrheit entsprechen, sei einmal dahingestellt. Jeder Leser bildet sich hier eine eigene Meinung, was beim Lesen der Sonntagszeitung und der FAZ nicht anders ist. Allerdings arbeiten dort Journalisten, die etwas von ihrem Handwerk verstehen und keine vorschnellen Meldungen auf den Leser loslassen. Dennoch haben sie das Monopol als Experten für Nachrichten längst verloren.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Probleme durch zu viel Arbeit

Nicht die Journalisten der FAZ arbeiten zu viel – auch wenn das in vielen Fällen sicherlich so ist. Nein, die Menschen, die Leser, die Zielgruppe – diese sind das Problem. Wer nicht mehr pünktlich seine 40-Stunden Woche beendet, sondern 70 oder 80 Stunden im Büro sitzt, wird abends keine Frankfurter Allgemeine Zeitung oder am Wochenende die Sonntagszeitung lesen. Er surft stattdessen in der Pause im Netz und arbeitet danach weiter. Am Ende des Tages ist die Arbeit erledigt und der Geist ist auf dem neuesten Stand der Informationen. Außerdem: Wer darf im Büro schon Zeitung lesen? Nicht einmal die Frankfurter Allgemeine Zeitung ist hier gern gesehen. Doch das schnelle Surfen im Netz ist erlaubt oder wird vom Chef ignoriert, wenn die übrige Arbeit erledigt wird.

Frankfurter Allgemeine Zeitung: FAZ.net als Alternative?

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung steht anderen Informationsquellen in nichts nach und betreibt bereits seit 2001 das Portal FAZ.net. Hier verzeichnet die FAZ die größte Reichweite bezogen auf deutsche Qualitätszeitungen. Pro Monat lesen etwa 1,32 Millionen Menschen die Angebote der FAZ. Layout und Funktionen wurden im Laufe der Zeit angepasst und es wurden mehrere digitale Angebote entwickelt. In diesen sieht die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihr Heil und versucht sich an einem weiteren Ausbau. Derzeit gibt es zum Beispiel die Sonntagszeitung FAS als Internetausgabe zu lesen, wobei die Inhalte mit der gedruckten Sonntagszeitung vergleichbar sind. Vorteilhaft ist hier natürlich, dass die Ausgaben einzeln wählbar sind – wer mag, kann also durchaus die Ausgabe der letzten Woche lesen, die am Kiosk längst nicht mehr erhältlich ist. FAZ und FAS können als digitale Variante abonniert werden und sind auch für das iPad erhältlich. Leser haben hier sogar die Möglichkeit, das iPad gleich mitzubestellen, wenn sie sich als Neukunde für ein Abo der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entscheiden.


Marius Beilhammer

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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