Digitaler Tachograph: Kontrollgerät für Lkw und Busse

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Seit Mai 2006 schreibt die  EU-Verordnung 561/2006 es vor: Der digitale Tachograph (DTCO) zeichnet Fahrer- und Fahrzeugdaten in gewerblich genutzten Fahrzeugen auf. Er muss in alle neu innerhalb der EU zugelassene Lkw eingebaut werden.

Pflichtausrüstung in der EU: Der Digitaltacho

Das Transportgewerbe ist aufgrund des hohen Risikos von Unfallschäden besonderen gesetzlichen Regelungen unterworfen. Der digital Tacho zeichnet zuverlässig alle Fahrer- und Fahrzeugdaten auf, sodass Geschwindigkeiten, aber auch Lenk- und Ruhezeiten zweifelsfrei dokumentiert werden. Die EU-Kommission wollte mit der Einführung der Digital Tachometer sicherstellen, dass Manipulationen bei der Aufzeichnung weitgehend ausgeschlossen werden. Bei älteren Fahrzeugen sind weiterhin die analogen Fahrtenschreiber im Einsatz.

Letztlich dient der Digital Tacho dazu, dass die Transportfirmen, aber auch die Fahrer dazu gezwungen werden, sich hinsichtlich der Geschwindigkeiten sowie der Lenk- und Ruhezeiten an die gesetzlichen Vorschriften zu halten. Ziel ist die Vermeidung von Unfällen aufgrund überhöhter Geschwindigkeit und Müdigkeit. Mit dem Digitaltacho ist außerdem der Vorteil verbunden, dass die Handhabung sehr einfach ist, wodurch das Kontrollsystem ebenfalls vereinfacht wird.

Bei der zuvor genutzten analogen Technik wurden die Daten auf einer Diagrammscheibe aufgezeichnet, die wesentlich leichter manipuliert werden konnte als eine Aufzeichnung auf der Chipkarte, die als digitale Kontrollgerätekarte des Fahrers fungiert. Die Kontrollgerätekarten können bei einer autorisierten Ausgabestellen bezogen werden.

Es werden drei Kontrollgerätekarten unterschieden:

  • persönliche Fahrerkarte
  • Unternehmenskarte
  • Werkstattkarte

Der digitale Tachograph dokumentiert lückenlos

Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, sind die Hersteller von Lkw dazu verpflichtet, diese mit den digitalen Kontrollgeräten auszustatten. Ein digitaler Tacho bildet für Transportunternehmen die Basis ihres modernen Flottenmanagements, denn er zeichnet exakt und zuverlässig die Fahrer- und Fahrzeugdaten auf.

Diese lückenlose Dokumentation ist wichtig, damit alle verkehrsrechtlichen Bestimmungen aber auch die arbeits- und sozialrechtlichen Gesetzesvorgaben eingehalten werden. Ein digitaler Tachograph schützt das Unternehmen darüber hinaus vor unberechtigten Haftungsforderungen.

Dokumentation mit dem Digital Tachometer

Ein Digital Tachometer ist für alle gewerblich genutzten Fahrzeuge vorgeschrieben, die:

  • mehr als 3,5 Tonnen Gewicht haben
  • über mehr als neun Sitzplätze verfügen.

Die Daten des Fahrzeugs müssen aufgezeichnet werden und dann wird damit wie folgt verfahren:

  • spätestens alle 28 Tage werden die Fahrerkarten ausgelesen
  • nach dem Auslesen werden die Datensätze archiviert
  • bei den Fahrzeugdaten erfolgt dies spätestens nach drei Monaten
  • archivierte Daten werden auf separaten Datenträgern gesichert
  • archivierte Daten werden ein Jahr lang aufbewahrt

Video: VDO Counter | Gesetzliche LKW Lenk- und Ruhezeiten immer im Überblick

Die Daten zeichnet der Digital Tacho auf

Ein digitaler Tachograph sorgt dafür, dass folgende Daten lückenlos aufgezeichnet und gespeichert werden:

  • Lenkzeiten
  • Ruhezeiten
  • gefahrene Kilometer
  • Ruhepausen (Lenkzeitunterbrechungen)

Der digitale Tachograph: Die Systemkomponenten

Ein digitaler Tachograph besteht, egal um welches Fabrikat es sich dabei handelt, immer aus den folgenden Bestandteilen:

  • zwei Kartenslots
  • Bedienelemente
  • integrierter Drucker zum Ausdruck der Protokolle
  • Display
  • Echtzeituhr

Mehr Unsicherheiten als Probleme: Bedienen des Digitaltacho

Einen Tacho digital zu nutzen, ist nicht schwierig. Jedem Fahrer eines mit einem digitalen Kontrollsystem ausgestatteten Nutzfahrzeugs wird eine entsprechende persönliche Fahrerkarte ausgehändigt. Beim 2-Fahrer-Betrieb erhält jeder Fahrer eine eigene Fahrerkarte. Die Karte des Fahrers wird bei Antritt der Fahrt in das dafür vorgesehene Kontrollgerät in den linken Karten-Slot eingeführt, was ähnlich wie das Einführen einer EC-Karte in den Automaten funktioniert. Der Beifahrer steckt seine Fahrerkarte in den rechten Karten-Slot. Beim jedem Fahrerwechsel müssen die Karten umgesteckt werden.

Ab jetzt werden alle relevanten Daten 28 Tage lang aufgezeichnet, sodass ein lückenloses Zeitprotokoll über die Lenk-, Ruhe-, Arbeits- und Bereitschaftszeiten vorhanden ist. Durch die Koppelung mit GPS werden außerdem die zurückgelegten Strecken aufgezeichnet. Wenn der Fahrer während der Fahrt die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschreitet, wird dies zwar nicht auf seiner persönlichen Fahrerkarte, aber direkt im Digitaltacho selbst gespeichert. Auf Wunsch können die aufgezeichneten Daten auch ausgedruckt werden, sodass dem Fahrer das Zeitprotokoll vorliegt.

Manuell muss der Fahrer lediglich das Ländersymbol des Landes eingeben, in dem er sich zu Beginn und später am Ende des Arbeitstages befindet. Darüber hinaus gibt der Fahrer ein, welche sonstigen Arbeitszeiten, beispielsweise für das Be- oder Entladen, zu berücksichtigen sind.

Mit der Einführung der digitalen Fahrtenschreiber soll die Sicherheit verbessert werden. (#02)

Mit der Einführung der digitalen Fahrtenschreiber soll die Sicherheit verbessert werden. (#02)

Digitaler Tachograph: 750 Euro / Tag Bußgeld drohen

Auch ein Digitaltacho kann defekt sein, was dann über eine Fehlermeldung angezeigt wird. Während der Fahrten führt der digitale Tachograph immer wieder interne Funktionsprüfungen durch. Über das Display wird dem Fahrer dann angezeigt, wenn eine Störung aufgetreten ist. Nach einem Defekt müssen die Informationen manuell aufgezeichnet werden, denn ein defekter digitaler Tachograph entbindet weder den Fahrer noch seinen Arbeitgeber von der gesetzlichen Aufzeichnungspflicht. Außerdem besteht die Pflicht, einen defekten Digital Tachometer unverzüglich reparieren zu lassen. Für jeden Tag, an dem die Funktionsfähigkeit nicht gewährleistet war, muss der Fahrer 250 und der Unternehmer 750 Euro Bußgeld bezahlen.

Die Hersteller haben verschiedene Fehlercodes entwickelt, die dem Fahrer einen Hinweis darauf geben, was am digitalen Kontrollgerät defekt ist. Vor einer Weiterfahrt muss der entsprechende Fehler behoben werden. Es gibt von den Herstellern im Internet veröffentlichte Tabellen mit Fehlercodes, an denen sich die Fahrer orientieren können. Im Rahmen einer kurzen Einweisung erhalten die Fahrer außerdem Informationen zur Behebung gängiger Fehler. Häufig liegt ein interner Gerätefehler vor, der das Auslesen der Daten behindert. Oft ist es ausreichend, die Fahrerkarte aus dem Kartenslot zu entfernen, danach wieder einzustecken und den OK-Button zu bedienen.

DTCO @ Home: Die Meldung „out of scope“ zeigt es an

Erscheint auf dem Display die Meldung „out of scope“, ist dies kein Hinweis auf einen Defekt. Der „out of scope“-Modus wird für Fahrten auf dem Betriebsgelände verwendet. Bei diesen Rangierfahrten auf dem privaten Gelände des Transportunternehmens muss die Fahrerkarte auch nicht im Kartenslot stecken.

Digitaler Tachograph: Archivierungspflicht

Ein digitaler Tachograph zeichnet, wie bereits erläutert, alle Daten des Fahrers und des Fahrzeugs auf. Diese Informationen werden zweifach gespeichert. Zum einen erfolgt die Datensicherung auf einem Speichermodul, welches aus Gründen der Datensicherheit versiegelt ist. Zum anderen werden die Datensätze auf der Fahrerkarte gespeichert.

Die Daten der Fahrerkarten werden 28 Tage lang aufgezeichnet, die des Digital Tachometers drei Monate lang. Spätestens am Ende dieser Zeiträume müssen die Daten archiviert werden, indem der Tacho digital an ein Auslesegerät angeschlossen wird, mit dem der Download vollzogen werden kann. Die Archivierung muss mindestens für ein Jahr vorgenommen werden.

Mit der Einführung der digitalen Fahrtenschreiber soll die Sicherheit verbessert werden. (#03)

Mit der Einführung der digitalen Fahrtenschreiber soll die Sicherheit verbessert werden. (#03)

Polizei kontrolliert rigoros

Mit der Einführung digitaler Tachographen soll die Sicherheit auf den Straßen erhöht werden, denn die Einhaltung von Lenk- und Ruhezeiten sowie Geschwindigkeitsbegrenzungen vermeidet viele Unfälle. Um die Fahrer zu kontrollieren, können Polizisten ihre eigene Kontrollkarte nutzen. Diese Kontrollkarte kann in jedes Gerät eingesteckt werden, unabhängig von welchem Hersteller es stammt und erlaubt dem Polizisten, direkt vor Ort auf alle Daten zuzugreifen.

Entdeckt der Polizist dabei, dass gegen Richtlinien verstoßen worden ist, drohen erhebliche Sanktionen, mit denen der Fahrer selbst, aber auch das Transportunternehmen bestraft werden. Wird die Lenkzeit beispielsweise um 30 Minuten überschritten, werden 30 Euro Bußgeld fällig. Noch teurer wird es, wenn keine Fahrerkarte vorhanden ist, denn dieses Entziehen der Kontrollmöglichkeit wird mit 250 Euro Bußgeld geahndet.

Digitaler Tachograph: Lkw und Busse werden noch digitaler

Mit der Einführung der digitalen Fahrtenschreiber soll die Sicherheit verbessert werden. Sowohl die Fahrer als auch die anderen Verkehrsteilnehmer profitieren davon, wenn Lenk- und Ruhezeiten eingehalten werden, denn immer wieder führt Übermüdung zu schwersten Lkw-Unfällen. Die Fahrer können mit einer geeigneten Hard- und Software auch selbst ihre Fahrerkarte auslesen, um beispielsweise die nächsten Schichten besser zu planen.

Die Ausstattung der digitalen Kontrollsysteme mit Verbindungsanschlüssen erlaubt es, den Tacho digital an andere Boardsysteme anzuschließen. Die Anbindung an die Bordelektronik oder den Onboard-Computer ist ebenso möglich wie an Kombiinstrumente und Telematiksysteme. Diese neuen technologischen Möglichkeiten erleichtern den Betrieb und sind die Voraussetzung für ein digitales Flottenmanagement.


Bildnachweis: © Shutterstock -Titelbild: Robert_Chlopas  -#02:  PoulCat -#03: _Free Wind 2014

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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