Die Shitstorms im Juli 2016

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Auch im Juli hat die Hitze die Menschheit nicht von haarsträubenden Dingen abhalten können. Weder die unvorsichtigen Social Media Zampanos noch die pingelig empfindlichen Leser der fraglichen digitalen Äußerungen. Leider haben die Shitstorms nicht für einen kühlenden Luftzug sorgen können, dafür jedoch für allerlei Aufruhr.

Lammsbräu wegen Strichcode im Shitstorm

Die oberpfälzer Brauerei Lammsbräu ist beim Bier ein Vorreiter in Sachen Bio – sie hat 1992 das EG-Bio-Zertifikat erhalten und bereits seit 30 Jahren stammen alle Rohstoffe ausschließlich aus ökologischem Anbau. Trotzdem tobt gerade ein Shitstorm über die Brauerei – Auslöser war eine eigentlich harmlose Frage von einem Kunden.

Ein Verbraucher hatte auf der Rückseite seiner Radlerflasche von Lammsbräu etwas Merkwürdiges entdeckt: am oberen Rand war der Barcode auf dem Etikett durchgestrichen. Er wollte nun wissen, was dies zu bedeuten hat und stellte eine entsprechende Frage. Die Antwort der Brauerei erfolgte sofort. „Manche Menschen haben Sorge, Barcodes könnten Energien bündeln und würden damit die Qualität von Nahrungsmitteln beeinflussen“ antwortete Lammsbräu. „Eine Wirkung, die sich deren Meinung nach durch einen Querstrich im Barcode neutralisieren lässt. Beides ist bisher wissenschaftlich nicht hinreichend belegt, weshalb wir dieser Theorie neutral gegenüberstehen.“ Da es sowohl für sie als auch für den Handel keinen Unterschied mache würde die Brauerei gerne diesem speziellen Kundenwunsch nachkommen.

Die These mit dem Barcode ist vor allem in der Esoterikszene weit verbreitet. Und da diese auch gleichzeitig zu den besten Kunden gehören, hat die Traditionsbrauerei ihren Code mit einem Strich versehen. Die Reaktion darauf erfolgte prompt – schließlich ist die schädliche Wirkung auf das Produkt nicht nur, wie von Lammsbräu behauptet, nicht nur nicht hinreichend belegt, sondern schlicht und einfach Unfug. Dementsprechend fielen auch die Kommentare auf Facebook aus. Lammsbräu selbst hat sich mit seiner Antwort und seinem Verhalten ein Eigentor geschossen. Wer nur ein paar Verschwörungstheoretiker als Kunden bedient, verprellt diejenigen Kunden, die ihren gesunden Menschenverstand nutzen.

Gitter an den Düsselbrücken sorgen für Shitstorm bei der Stadt Düsseldorf

Die Karolingerstraße in Bilk gilt als eine der schönsten Ecken Düsseldorfs. Schließlich haben die Düsseldorfer Brücken mehr als 100 Jahre auf dem Buckel. Nun wurden sie mit hässlichen Gittern von der Stadtverwaltung verschandelt. Doch kaum wurden die Gitter befestigt, folgte auch schon der Internet Shitstorm. Viele verdutzte Anwohner fragten sich auf Facebook, was das eigentlich soll. Auf Anfrage erklärte ein Stadtsprecher, dass es aus Sicherheitsgründen erforderlich sei, die Brücke mit einem Gitter zu versehen.

Laut einer Verordnung dürfte der Abstand zwischen den Streben nicht mehr als zwölf Zentimeter betragen. Ohne Gitter könnten ansonsten auf der Karolingerstraße Kinder in die Düssel zu stürzen. Gemäß dem Stadtsprecher sollen sogar noch weitere 65 Brücken folgen. Alleine das Gitter an den Brücken in Bilk kostet 42.000 Euro und für alle weiteren Brücken 145.000 Euro. Inzwischen hat die Stadt eingelenkt und verzichtet auf die Gitter bei drei weiteren historischen Brücken.

Nach Shitstorm schloss die Schnitzelalm

Die Schnitzelalm in Netphen im Siegerland gehört zu einer Kette mit mehreren Alm-Gaststätten in Bayern. Nach einem Shitstorm auf Facebook ist nach nur drei Jahren Schluss und die Türen sind verschlossen. Aufgrund der vielen negativen Kommentare seien immer mehr die Gäste ferngeblieben und es kamen immer weniger. In der Kritik standen die Qualität der Speisen sowie das Verhalten des Personals. Im Allgäu gibt es vier Schnitzel-Almen und im Kartcenter Köln eine weitere. Die Schnitzelalm in Morsbach ist ebenfalls bereits vor einigen Wochen geschlossen worden.

Nach Auskunft der Betreiber seien Personen dafür bezahlt worden, auf Facebook negative Kommentare abzugeben. Das Restaurant im Siegerland an der B 62 war im ersten Eröffnungsjahr ein Selbstläufer. Damals gab‘s ein Oktoberfest und der Andrang war riesig. Die Einrichtung war rustikal wie auf der Alm üblich und im Biergarten fanden 100 Gäste Platz. 30 verschiedene Schnitzelvariationen waren auf der Karte zu finden und ein XXL Schnitzel gab es für zehn Personen mit einer Länge von zwei Metern. Das Schnitzel kostete 119 Euro und für jeden weiteren Meter fielen 55 Euro an. Der Pachtvertrag läuft noch bis zum Jahr 2018 und derzeit versucht das Unternehmen einen neuen Betreiber zu finden.

Ideenklau bei Zara verursacht Shitstorm

Zara ist bekannt dafür, öfters einen Shitstorm zu verursachen. Nun muss das Modehaus aus Spanien erneut mit Anschuldigung kämpfen. Eine US Künstlerin beschuldigt Zara deren Ideen geklaut zu haben. Tuesday Bassen aus LA fiel schon öfters auf, dass viele der Pins, die auf Shirts von Zara zu finden sind, ihren eigenen Kunstwerken verdächtig ähnlich sehen. Bassen besitzt einen eigenen Onlineshop und handelt dort mit Accessoires und Kleidung (shoptuesday.com).

Die Designerin schaltete einen Anwalt ein, welcher das Unternehmen bereits kontaktierte – ohne Erfolg. Schließlich ist Tuesday nur eine Indiekünstlerin, die nicht über entsprechende Beziehungen verfügt. Doch nun wehrt sich die Designerin auf anderem Wege: Sie rief ihre mehr als 100.000 Follower auf Instagram auf, das Modehaus Zara auf dem Bild zu markieren um zu beweisen, dass auch kleinere und unbekannte Künstler einen Shitstorm auslösen können. Bis jetzt gibt es von Zara noch keinerlei Reaktion.

Nachtklub aus Dortmund löst auf Facebook Shitstorm aus

Der Dortmunder Nachtklub Club Nightrooms hat sich mit einem Posting auf Facebook einen saftigen Shitstorm eingefangen. Der Spruch „Wenn eine Frau ‚Nein‘ sagt, meint sie ‚Nein‘. Es sei denn, sie sagt ‚Nein‘, dann meint sie ‚Ja‘.“ wird vor allem von Frauen als sexistisch eingestuft. Gepostet hat ihn der Facebook-Manager vom Club. Ein männlicher Leser hat den Beitrag wegen Förderung drastischer Gewalt bei Facebook gemeldet.

Der Club löschte daraufhin schnell seinen Post. Hintergrund der Debatte „Nein heißt Nein“ ist die schon lange geforderte Reformierung des deutschen Sexualstrafrechts. Sie regelt, dass ein Nein reicht, damit sexuelle Übergriffe auch strafrechtlich verfolgt werden. Ob darauf der Clubbetreiber anspielen wollte ist unbekannt. Nach dem Löschen reagierte der Club mit einer schriftlichen Stellungnahme. Darin wurde die Diskussion als fehlgeleitet bezeichnet und das Posting als typischer Blondinenwitz dargestellt. Der Spruch sei in keinster Weise sexistisch gewesen und der Betreiber distanziert sich von sexueller Belästigung und Sexismus.

Die Facebook Kommentatoren empfinden das reine Löschen des Beitrags als falsch – schließlich entziehe sich der Club damit seiner eigenen Verantwortung und habe auch inhaltlich überhaupt nicht auf die Diskussion reagiert. Die Clubsprecherin Antonia Kuster äußerte sich folgendermaßen „Der Post wurde vom Facebook-Manager zeitnah aus dem Chronikverlauf gelöscht, da er nicht wirklich das Gefühl hatte, dass die Diskussion vom gängigen Nightrooms-Klientel geführt wurde. Es ist der Wunsch des Clubs, dass eine solch fehlgeleitete Diskussion nicht auf der Facebookseite stattfindet.“


Bildnachweis: © unsplash.com – dan carlson

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