Die Shitstorms des Monats Januar 2016

0

Auch im ersten Monat des Jahres haben es einige Unternehmen geschafft, sich den Ärger des Verbrauchers zuzuziehen. Die Social-Media-Channels leiten schnell weiter, was sich zusammenbraut.

Shitstorm: So zockt Uber seine Kunden ab

Das Unternehmen Uber (ein Konkurrent der Taxi-Unternehmen) hat sich kurz nach Jahreswechsel auf Facebook einen heftigen Shitstorm eingebrockt. Ein österreichischer Kunde klagte, dass er für eine kurze Fahrt an Silvester von nur siebzehn Kilometern sagenhafte 186 Euro zahlen musste – das sind elf Euro pro Kilometer für eine Landfahrt. Uber verteidigt seine Tarifpolitik – seine Preise richteten sich nach Angebot und Nachfrage.

Hasbro-Shitstorm wegen Fehlen der Hauptdarstellerin

Der Spielehersteller Hasbro erntet Empörung, weil im neuen Star Wars Monopoly die Hauptdarstellerin Rey fehlt. Zunächst verteidigte sich Hasbro mit der Begründung, dass das Monopoly Spiel bereits im September herausgekommen sei, aber den Film noch nicht. Daher seien auch stattdessen Luke Skywalker und Darth Vader als Film-Figuren vertreten. Allerdings sieht man von einem nur den Helm und der andere ist ganze zwei Minuten zu sehen. Aber auch im Figuren Set ist Rey nicht vorhanden. Unter den Hashtags #WheresRey und #WhereIsRey lassen die Fans auf Twitter ihrer Empörung freien Lauf. Dem Konzern wurde unter anderem Frauenfeindlichkeit vorgeworfen. Experten vermuten hinter der Geschichte allerdings eine Marketingstrategie des Spieleherstellers, um so nach den Weihnachtskäufen für einen zweiten Verkaufsschub zu sorgen – schließlich soll in den neuen Spielesets die Figur nun vorhanden sein.

Shitstorm gegen Skigebiet wegen Schnee per Helikopter

Verwackelte Aufnahmen einer Handykamera, die Anfang Januar diesen Jahres online gestellt wurden, haben einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Zu sehen ist ein nur schmaler Streifen Schnee neben grüner Wiese, braunen Matsch, ratlosen Skifahrern und anschließend das Brummen eines Helikopters. Der Film, der etwa eine Minute lang ist, zeigt das Skigebiet Wilder Kaiser-Brixen Tal und wie dort ein Hubschrauber Schnee ablädt. Nun hagelt es Beschwerden gegen die künstliche Beschneiung per Helikopter und es wird auf den CO2-Ausstoß hingewiesen. Der Betreiber verwies darauf, dass es durchaus auch positives Feedback gegeben habe, da die Pisten nun wieder befahrbar seien.

Nachrichten Magazin Focus wegen nackter Frau und schwarzen Händen im Shitstorm

Auf Twitter wurde das Nachrichtenmagazin Focus im Zuge der Silvester Vorfälle in Köln wegen eines provokanten Covers massiv beschimpft und kritisiert. Der Vorwurf: Rassismus und Sexismus. Auf dem Cover ist das Bild einer nackten blonden Frau in schwarz/weiß zu sehen mit schwarzen Handabdrücken, die den Genitalbereich und ihre Brüste mit den Händen schützt. Darunter steht: „Nach den Sex-Attacken von Migranten: Sind wir noch tolerant oder schon blind?“.

Kapseln für Hautaufhellung sorgen für Rassismus-Shitstorm

Ein Werbespot für Kapseln, die die Haut aufhellen, hat in Thailand einen Shitstorm ausgelöst. Die Werbekampagne des Unternehmens Seoul Secret wirbt in einem TV Spot mit dem Slogan „Du brauchst nur weiß sein, um zu gewinnen“. Gezeigt wird eine Schauspielerin, die angeblich eine sehr dunkle, fast schwarze Haut hat, wenn sie nicht die Kapseln nimmt. Obwohl es in Asien zum Beauty-Standard gehört, sich seine Haut aufzuhellen, hat sich der Spot dennoch massive Vorwürfe eingehandelt.

Shitstorm gegen Virgin nach WLAN-Passwort „gayfkers“

Der britische Anbieter für Telekommunikation Virgin Media sorgt bei Familien mit seinem zweideutigen WLAN-Passwort für massive Empörung. Die Tochter einer Kundin empörte sich über das erforderliche Passwort „gayfkers“ dermaßen, dass sie es twitterte. Das Posting verteilte sich daraufhin im World Wide Web viral. Die Antwort von Virgin ließ nicht lange auf sich warten: Passwörter würden zufällig generiert.

Explora-Museum erntet Shitstorm wegen Fremdenfeindlichkeit

Das privat betriebene Explora-Museum in Frankfurt eröffnete via Twitter einen fremdenfeindlichen Kommentar: „Zeigt denen doch erstmal wie man richtig scheisst. Refugees out.“ Prompt kam die Empörung. Zwar ist der Tweet mittlerweile wieder gelöscht, doch beinahe täglich erschienen auf der Twitter Seite des Explora-Museums fremdenfeindliche Kommentare. Verantwortlich für den Twitter-Inhalt ist der Betreiber des privaten Museums.

Auf der Facebook-Seite des Excelsior Hotel Ernst in Köln wütet ein Shitstorm

Was für eine Macht die sozialen Medien haben können, verspürt derzeit die Luxusherberge Excelsior am eigenen Leibe – und zwar in negativer Hinsicht. Daher sah sich das Hotel gezwungen, die Seite vorübergehend zu deaktivieren. Die Zeitschrift „Die Welt am Sonntag“ hatte berichtet, dass der Direktor Henning Matthiesen seinem Türsteher Ivan Jurcevic, gekündigt habe. Als Kündigungsgrund wurde angegeben, dass sich dieser in einem Video zu den Vorfällen in Köln in der Silvesternacht geäußert habe. Doch das Hotel ließ nun mitteilen, dass Herr Jurcevic nicht angestellt, sondern selbstständig sei und es den Türsteher daher gar nicht kündigen könne. Mit der Entlassung wollte sich der Kölner Hotel-Direktor von den Aussagen des Türstehers distanzieren. In einem Video, welches bis heute rund fünf-millionen-fach aufgerufen wurde, hatte Jurcevic gesagt: „Die Menschen, die wir vor drei Monaten noch mit Teddybären und Wasserflaschen empfangen haben, haben angefangen auf den Dom zu schießen“. Allerdings gab das Hotel auch zu, dass man sich von der Hilfe, die der Türvorsteher vor Ort geleistet habe, nicht distanzieren möchte. Doch davon ist in dem Bericht der Zeitschrift nichts zu lesen, daher fordert das Hotel nun die Sonntagszeitung auf, eine Richtigstellung zu drucken.

„Charlie Hebdo“ Karikatur mit toten Flüchtlingsjungen Aylan empört

Das Bild des kleinen Aylan ging damals durch die Welt: Er war im September 2015 leblos am Strand von Bodrum angespült worden. Was wäre jedoch aus dem kleinen Flüchtling geworden, wenn er die Flucht überlebt hätte? Dieser Frage ging das Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ nach – und empörte damit seine Leser. Über einer Karikatur ist zu lesen: „Was wäre aus dem kleinen Aylan geworden, wenn er groß geworden wäre?“ Auf der Karikatur ist ein erwachsener Mann zu sehen, der mit ausgestreckten Armen lechzend hinter einer Frau herrennt. Die Zeichnung geht vielen zu weit und Leser bezeichnen sie als völlig daneben, widerlich und geschmacklos.

Skandal und schwere Vorwürfe gegen EOS Lipbalm

Gegen die Lieblingslippenpflege der Stars erheben derzeit Konsumentinnen schwere Vorwürfe – und lösen damit einen Shitstorm aus. Noch vor rund einem Jahr posteten Berühmtheiten wie Gwen Stefani, Miley Cyrus, Kim Kardashian und Britney Spears Fotos mit dem Lippenbalsam namens EOS – es brach ein regelrechter Hype um das Produkt aus. Doch jetzt sorgte eine Sammelklage wegen schwerer Hautausschläge, Rissen, Blasen und Blutungen für Aufregung. Eine Klägerin gab an, dass sich ihre Lippen nach nur wenigen Stunden der ersten Anwendung zunächst wie Schleifpapier angefühlt hätten – daher hätte sie den Balm immer mehr angewendet. Zum Schluss seien ihre Lippen blutig und rissig geworden. Der Ausschlag und die Blasen seien erst wieder nach zehn Tagen abgeklungen. User der sozialen Medien gehen inzwischen davon aus, dass keiner der Prominenten den Lippenbalsam vermutlich jemals verwendet hat.

Amazon Kinderkostüm „Flüchtling“ kassiert einen Shitstorm

Auf der Verkaufsplattform Amazon gibt es Kinderkostüme, mit denen sich der Nachwuchs als Kriegsflüchtlinge verkleiden kann. Doch was zunächst geschmacklos anmutet, ist tatsächlich nur ein schwerer Übersetzungsfehler. Das Jungs Kostüm besteht aus einem Hemd mit Weste, einer ausgebeulten Hose und einer Schiebermütze – das für Mädchen aus einem Kleid mit Bubikragen. Der wahre Hintergrund der Kostümierung: Es geht nicht um Flüchtlinge, sondern um evakuierte Kinder aus dem Zweiten Weltkrieg in Großbritannien. Aus den englischen Wörtern „Costume Girl: Evacuee Girl“ wurde fälschlicherweise „Flüchtling“.


Bildnachweis: © unsplash.com – Cameron Kirby

Leave A Reply