Babyschuhe stricken für Handmade at Amazon: Können DaWanda und Etsy bestehen?

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Sie möchten Babyschuhe stricken und diese möglichst gewinnbringend verkaufen? Plattformen wie Etsy oder das deutsche Pendant DaWanda bieten die Möglichkeit, handgearbeitete Dinge zu verkaufen. Diese Seiten wurden sogar speziell dafür eingerichtet und waren bislang fast konkurrenzlos – bis Amazon kam. Der Internetriese will nun versuchen, Etsy und DaWanda zu untergraben und dafür zu sorgen, dass die dort registrierten Verkäufer zu „Handmade at Amazon“ abwandern.

Pures Verkaufskalkül: Amazon bindet Verkäufer

Amazon möchte nicht einfach den Händlern und Menschen, die Babyschuhe stricken oder andere Dinge in Handarbeit herstellen, eine gute Plattform für den Verkauf bieten. Klar ist, dass das Internetkaufhaus kräftig an den Deals verdienen wird. Zuerst einmal wird die neue Plattform nur in den USA starten, doch schon jetzt ist klar, dass es alsbald in Deutschland soweit sein wird. Und nicht wenige Verkäufer werden sich bei Amazon registrieren, schon allein aus Gründen des Marketings. Amazon hat einen guten Namen und genießt den Ruf der Zuverlässigkeit. Das lockt Käufer, die vielleicht eher bei Amazon als bei DaWanda kaufen möchten. Wer also Babyschuhe stricken und diese verkaufen will, wer liebevolle Holzarbeiten durchführt oder personalisierte Textilien anbietet, könnte durch Amazon eine größere Kundenschar erreichen.

Allerdings sind die Methoden, mit denen Amazon versucht, neue Verkäufer für sich zu gewinnen, nicht unbedingt positiv zu bewerten. Denn es werden derzeit gezielt die Verkäufer, die bei Etsy registriert sind, angeschrieben und auf die neue Plattform aufmerksam gemacht. Verschiedene Lockangebote sollen dabei helfen, die Anbieter zu überzeugen. So werden beispielsweise erst einmal die Grundgebühren weggelassen und nur die Verkaufsgebühren erhoben. Oder die letztgenannten Gebühren fallen weg und dafür wird nur eine reduzierte Grundgebühr erhoben. Derartige Modelle gibt es derzeit noch viele, welche genau dann für den Verkäufer in Deutschland relevant sein werden, steht noch nicht fest.

Babyschuhe stricken: Wirklich noch lukrativ?

Die Preise für Verkäufer bei Handmade at Amazon sind hoch und so wird es nicht verwundern, wenn viele Verkäufer abspringen und sich gar nicht erst auf einen Deal einlassen. Derzeit ist von 39 Euro pro Monat als Grundgebühr die Rede. Dazu kommen – abhängig nach der Kategorie, in der die Artikel angeboten werden – Verkaufsgebühren. Diese beginnen bei 12 Prozent und gehen bis zu 20 Prozent vom Verkaufspreis. Dafür bietet Amazon den Verkäufern aber auch die Möglichkeit des Prime-Versands, wofür wiederum die Artikel bei Amazon eingelagert werden müssen. Ansonsten können die Händler mit Lieferzeiten von bis zu dreißig Tagen aufwarten – Kunden werden sich dementsprechend an Wartezeiten gewöhnen müssen. Wer jedoch den Prime-Versand nutzen möchte und die Artikel zu Amazon auf Lager gibt, muss auf Vorrat Babyschuhe stricken.

Ob sich das Babyschuhe stricken allerdings wirklich lohnt, sei einmal dahingestellt. Denn die Gebühren sind hoch und verlangen einen regelmäßigen Verkauf, damit sich die Sache rentiert. Die Mindestverkaufsgebühr liegt bei 50 Cent und reicht bis 1,50. Sollte der Verkaufspreis bei unter 3,33 Euro liegen, muss die Mindestverkaufsgebühr entrichtet werden. Ein Gewinn für den Hersteller bleibt dabei kaum noch.

Ist das Babyschuhe stricken nun lukrativ oder nicht?

Die preisliche Betrachtung lässt den Schluss zu, dass das Babyschuhe stricken in Zukunft wohl kaum gewinnbringend sein wird und eher wieder zum Bereich der Freizeitbeschäftigung, in der schöne Dinge für die Verwandtschaft hergestellt werden, gezählt werden kann – wenn sich denn Etsy und DaWanda das Wasser abgraben und die Verkäufer abwandern lassen. Noch ist nicht bekannt, ob Gegenmaßnahmen ergriffen und die Verkäufer mit besseren Konditionen bei der Stange gehalten werden. Wer jedoch für sich entscheidet, dass das Babyschuhe stricken kaum noch lukrativ ist, wird kaum den Weg über Amazon gehen – und auch von den übrigen Plattformen für handgemachte Artikel die Finger lassen. Wenn nun bedacht wird, wie viel Zeit es in Anspruch nimmt, Babyschuhe stricken oder andere Dinge in Handarbeit herstellen zu können, so ist der sich daraus ergebende Stundenlohn ein Witz. Ein Witz, der nicht wirklich zum Lachen bringt, denn wer bislang gut verdient hat, wird sich als Verkäufer bei Amazon deutlich schwerer über Wasser halten können. Fraglich ist überdies, ob sich die übrigen Plattformen halten können, wenn am Ende doch einige Verkäufer abspringen und zu Amazon überwechseln. Immerhin haben sie dort die Chance, bis zu 250 Millionen Kunden zu erreichen, womit wieder der Marketingaspekt ins Spiel kommt. Eventuell wird die Handmade at Amazon-Plattform eine Möglichkeit für viele Verkäufer, von in Liebe hergestellten Artikeln in eine größere Produktion und damit zum normalen Verkäufer bei Amazon zu wechseln – Genaueres wird nur die Zukunft zeigen.


Bildnachweis: © morguefile.com – AlexandreHenryAlves

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Klaus Müller-Stern (25) studiert aktuell Maschinenbau, beschäftigt sich daneben jedoch schon lange mit allen Aspekten rund um Selbstständigkeit und Unternehmensgründung. Eloquent und scharfsinnig bringt er Themen wie Social Media oder den Finanzsektor auf den Punkt. Darüber hinaus blickt der passionierte Laufsportler in seinen Beiträgen hinter die Kulissen erfolgreicher Startup-Firmen.

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