3D Drucker Haus: Startups im Immobiliensektor

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Ein Haus innerhalb eines Tages auf ein Grundstück zu stellen, war bisher selbst mit Fertighäusern ein ziemlich teurer Aufwand. In Zukunft könnten 3D-Drucker die Bauwirtschaft revolutionieren. Verschiedene Startups kämpfen um die Pole-Position im Immobiliensektor.

Mehr als Science-Fiction: Das Haus aus dem Drucker

Noch klingt das alles wie aus einem Science-Fiction-Film, aber es ist tatsächlich bereits Realität. Innovative Startup-Unternehmen haben sich mit der Frage beschäftigt, wie die 3D-Drucktechnologie zum schnellen Bau von Häusern genutzt werden kann. Ähnlich schnelle Fertigungsweisen gab es bisher nur bei klassischen Fertighäusern, die allerdings nur rasch aufgebaut werden konnten.

Die Vorproduktion und Planung nimmt auch bei der typischen Modulbauweise viel Zeit ein. Die 3D-Revolution im Immobiliensektor soll aber anders ablaufen. Wenn alles einmal ausgereift ist, soll der Kunde sich idealerweise ein Haus aus dem Standardkatalog aussuchen oder nach eigenen Vorstellungen frei konfigurieren können. Je nach Aufwand der Konstruktion sollen solche Häuser dann tatsächlich binnen eines Tages an Ort und Stelle entstehen.

Der 3D-Druck ist nicht neu und hat zunächst vor allem Hobbybastler und die Industrie fasziniert. (#01)

Der 3D-Druck ist nicht neu und hat zunächst vor allem Hobbybastler und die Industrie fasziniert. (#01)

Wie funktioniert ein Haus aus dem 3D-Drucker?

Der 3D-Druck ist nicht neu und hat zunächst vor allem Hobbybastler und die Industrie fasziniert. Dem Prinzip der Tintenstrahldrucker folgend, bei denen der Druckkopf das Druckmaterial in Schichten auf das Papier bringt und somit das farbige Bild aufbaut, macht ein 3D-Drucker nichts anderes. Statt nur zweidimensional auf Papier zu drucken, können hier jedoch mehrere Ebenen an Material aufgetragen werden.

Was mit flüssigem Kunststoff oder auch Metall funktioniert, wird in der Medizin mittlerweile als echte Alternative zur Organtransplantation erforscht, denn auch Zellen lassen sich prinzipiell mit diesem Verfahren zu beliebigen dreidimensionalen Objekten aufbauen. Eine andere Anwendung wäre die Herstellung von Fleisch, die ersten künstlichen Hamburger aus dem Drucker gibt es bereits.

Startup-Unternehmen in aller Welt ringen derzeit um die ersten Erfolge mit ihren Instant-Fertigbauten (#02)

Startup-Unternehmen in aller Welt ringen derzeit um die ersten Erfolge mit ihren Instant-Fertigbauten (#02)

Ein Haus aus dem Drucker bietet viel Flexibilität

Flüssiger Zement und andere Baustoffe eignen sich ebenfalls für dieses Verfahren, wenn auch in einem größeren Maßstab. Startup-Unternehmen in aller Welt ringen derzeit um die ersten Erfolge mit ihren Instant-Fertigbauten. Schlagzeilen machte vor allem das russische Unternehmen Apis Cor, das seinen Sitz allerdings im amerikanischen San Francisco hat. Schon Ende 2017 zeigte ein Video, dass große 3D-Printer zum Drucken von Gebäuden realisierbar sind.

Das Schöne dabei ist die gestalterische Freiheit. Statt auf vorgefertigte Module angewiesen zu sein, lassen sich runde und optisch sehr ansprechende Formen problemlos verwirklichen. Außenwände und Innenwände des Beispielhauses waren dann auch tatsächlich in einer sehr originellen Form konzipiert. Damit wollte die Firma beweisen, das Flexibilität beim Entwurf kein Problem ist. Zwar wies das auf diese Weise in nur 24 Stunden entstandene Musterhaus nur eine Wohnfläche von 38 Quadratmetern auf, aber die Firma wollte damit vor allem den Stand der Technik und die Machbarkeit unter Beweis stellen.

Nicht gedruckt werden natürlich Türen, Fenster und die notwendigen Installationen. Auch ein Dach muss zum Schluss noch auf herkömmliche Weise angebracht werden. Aber gerade bei der Produktion vieler Wohneinheiten auf kleiner Fläche könnte dieses Konzept neue Möglichkeiten eröffnen, die den Bewohnern viel mehr Individualität und Freiraum durch optimale Raumausnutzung bieten.

Nicht gedruckt werden natürlich Türen, Fenster und die notwendigen Installationen. Auch ein Dach muss zum Schluss noch auf herkömmliche Weise angebracht werden. (#03)

Nicht gedruckt werden natürlich Türen, Fenster und die notwendigen Installationen. Auch ein Dach muss zum Schluss noch auf herkömmliche Weise angebracht werden. (#03)

Wohnraumknappheit mit dem Drucker-Haus bekämpfen?

Die kleinen Wohneinheiten, die auf diese Weise mit dem 3D-Druckverfahren entstehen, sind natürlich noch nichts für große Einfamilienhäuser. Doch auch das wird nur eine Frage der Zeit sein. Die Schnelligkeit und der geringe Aufwand hinsichtlich der eigentlichen Bauphase hat jedoch noch weitere Vorteile. So könnte man in Katastrophengebieten nicht mehr nur vorübergehende Container oder Zeltdörfer errichten, um Betroffenen eine neue Unterkunft zu bieten, sondern binnen kürzester Zeit ansprechende Wohnstrukturen schaffen, in denen sowohl ein vorübergehendes Wohnen als auch ein längerer Verbleib denkbar sind.

In urbanen Räumen, wo Bauplätze knapp und teuer sind, könnte man außerdem andenken, derartige Konstruktionen auf bestehenden Hochhäusern anzubringen oder generell völlig neue Konzepte für die Besiedelung des städtischen Raums zu erschließen. Die Kosten variieren je nach Startup-Vorstellungen noch etwas. Sicherlich kann man davon ausgehen, dass bei größerer Standardisierung die Endpreise für die Herstellung eines 3D-Hauses sinken werden. Doch schon jetzt scheinen Kampfpreise absolut möglich.

Das Testhaus von Apis Cor, das in einer beeindruckenden Video Anzeige zu sehen ist, soll insgesamt nur rund 10.000 Dollar gekostet haben, wobei der Großteil der Kosten auf die verwendeten Türen und Fenster entfiel, so das Unternehmen. In der heutigen Zeit sind Baukosten für viele Familien eine Lebensaufgabe, die kaum zu bewältigen ist. Mit Häusern, die unter 10.000 Euro zu haben sind, könnte das wirklich etwas für Jedermann werden.

Ein Haus innerhalb eines Tages auf ein Grundstück zu stellen, war bisher selbst mit Fertighäusern ein ziemlich teurer Aufwand. In Zukunft könnten 3D-Drucker die Bauwirtschaft revolutionieren. (#04)

Ein Haus innerhalb eines Tages auf ein Grundstück zu stellen, war bisher selbst mit Fertighäusern ein ziemlich teurer Aufwand. In Zukunft könnten 3D-Drucker die Bauwirtschaft revolutionieren. (#04)

Auch für größere Projekte taugt der Drucker

Natürlich hat eine Familie einen größeren Platzbedarf als 38 Quadratmeter. Doch durch Kombinationen und Erweiterungen kann der Preis sicherlich gesenkt werden. Ein amerikanisches Startup namens ICON peilt sogar eine Grenze von nur 4000 US-Dollar an. Zielgruppe sind dafür nicht nur Singles oder Kleinfamilien. Der Preis soll für ein einstöckiges Haus mit immerhin 60 Quadratmetern Wohnfläche gelten.

Selbst wenn man zwei davon nimmt, bleibt man immer noch unter 8000 Dollar – für 120 Quadratmeter. Die Entwickler hatten dabei die weltweite Wohnungsnot auf dem Schirm und nicht notwendigerweise nur die Kunden in den Industrienationen. Daher auch der geringe Preis, der allerdings durchaus voll kostendeckend sein soll, so das Unternehmen. Fachleuten zufolge leben bereits heute mehr als eine Milliarde Menschen ohne angemessene Behausung. Für diese Leute könnten Bauprogramme für ein Haus aus dem Drucker ein absoluter Gamechanger sein.

Die Herstellung für ein Haus aus ICONs Vulcan-Drucker soll nur zwischen 12 und 24 Stunden dauern. In einem Testprogramm will das Unernehmen in El Salvador mit diesem Verfahren 100 Häuser für Bedürftige errichten. Unterstützt wird das Startup dabei von der Organisation New Story, die sich mit Wohnraumlösungen in aller Welt befasst.

(H)Ausgedruckt – Ein Haus aus dem 3D-Drucker | Sprachlos

Ein Sofort-Haus als Massenprodukt für Deutschland?

Aber nicht nur in Katastrophengebieten und Entwicklungsländern könnte das Haus aus dem 3D-Drucker zum Erfolg werden. In Deutschland fällt es vielen Menschen schwer, sich von der soliden Massivbauweise mit Stein und Mörtel zu verabschieden. Wer hierzulande ein Wohnhaus baut, wird schnell Hunderttausende von Euro los – hinzu kommt natürlich noch das Grundstück. Belächelt werden hingegen oft Leichtbaulösungen, wie man sie aus Teilen der USA kennt.

Leichtbauweise aus Holz und anderen Materialien hat zwar zur Folge, dass die Gebäude nicht so langlebig sind und bei Naturkatastrophen oft einfach hinweggefegt werden, doch ihre geringen Kosten ermöglichen den meisten amerikanischen Familien den Kauf eines Eigenheims schon in jungen Jahren. Ein Faktor ist dabei allerdings auch die höhere Mobilitätsbereitschaft. Deutsche suchen sich in der Regel ihre Bleibe nahe der Arbeitsstelle – Amerikaner ziehen hingegen dorthin, wo die Arbeit ist. Da man erfahrungsgemäß den Arbeitgeber bisweilen wechselt, bindet man sich also nicht so schnell an große Bauprojekte wie die Deutschen.

Video: Erstes Gebäude aus dem 3D-Drucker in Dubai

Schnell und günstig, aber nicht billig?

Das Haus aus dem Drucker könnte die Lücke zwischen Leichtbauweise mit „billiger“ Anmutung und dem massiven Steinhaus nachhaltig schließen. Zudem muss es nicht bei billigen Ausführungen bleiben. Was heute vor allem als Lösung für den kleinen Wohnraum und finanziell weniger betuchte Menschen gedacht ist, hat selbstverständlich das Potenzial, echten Luxuswohnraum zu schaffen. Ein Haus aus dem Drucker kann genauso gut auf einer sehr großen Fläche entstehen mit allen möglichen Feinheiten und architektonischen Spielereien. Die besondere Bauweise macht das Gebäude aus dem 3D-Drucker so flexibel, denn der Bauherr kann eigene Wünsche einfließen lassen.

Bei den Baumaterialien gehen die verschiedenen Unternehmen unterschiedliche Wege. Während das Haus aus dem Drucker von Apis Cor in der Video Anzeige in erster Linie aus Beton aufgebaut ist, setzen andere Firmen auf die Verwendung moderner Materialien wie Carbonfasern, Polyurethan, verschiedene Harze und Glasfasern. Aus ihnen lassen sich für den Drucker geeignete Basissubstanzen bilden, die Schicht für Schicht ein tolles Haus bilden. Die anschließende Verblendung der Fassade mit Holz oder Stein ist dabei kein Problem, so dass am Ende keiner auf Anhieb mehr sagen kann, ob es sich um ein herkömmliches Gebäude oder um eines aus dem Drucker handelt.

Fazit: Das Haus aus dem Drucker hat Zukunft

Hier kommen ausnahmsweise fast nur positive Dinge zusammen. Die Wohnung aus dem Drucker könnte zum Preisbrecher auf dem Immobiliensektor werden und dazu beitragen, dass jeder Mensch auf der Welt irgendwann eine angemessene Behausung besitzt. Da sich das Konzept auch auf das Luxussegment erweitern lässt, dürften die traditionellen Baufirmen eine moderne Konkurrenz bekommen. Es bleibt spannend, diese Entwicklung zu verfolgen.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild: korisbo-#01: RUzal  -#02:  Pressmaster -#03: lucadp -#04: RidvanArda

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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