Zahnimplantate: Hersteller & Systeme in Deutschland

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Zahnimplantate gelten heute als die beste Möglichkeit für Zahnersatz in Form von Einzelzähnen, Brücken und Prothesen. Es sind künstliche Zahnwurzeln, die im Kiefer fest verankert werden und die von verschiedenen Herstellern in unterschiedlichen Bau- und Materialvarianten auf den Markt kommen. Einer der größten Vorteile von Implantaten besteht darin, dass nicht wie bei der herkömmlichen Brücke benachbarte Zähne angeschliffen werden müssen.

Hersteller und Modelle von Zahnimplantaten

Es gibt weltweit über 300 verschiedene Bauarten von Zahnimplantaten, in Deutschland haben die Patienten die Wahl unter rund 100 Systemen. Als Material kommen Titan oder Keramik zum Einsatz.

  • Zahnimplantate aus Titan: Normalerweise löst dieses sehr haltbare Material keine Abstoßreaktionen im Körper aus, es gilt als äußerst verträglich. Lediglich bei geringen Verunreinigungen mit Nickel oder Zinn könnten empfindliche Patienten Unverträglichkeitsreaktionen zeigen. Eine Allergie direkt gegen Titan ist nicht bekannt. Vor dem Einsetzen erfolgt ein Anrauen des Implantat-Materials, anschließend verbindet es sich sehr gut mit der Knochensubstanz.
  • Zahnimplantate aus Keramik (Zirkonoxid) sind günstiger, aber nicht so lange haltbar wie Titan. Dafür ist Keramik praktisch absolut verträglich und überzeugt durch seine Ästhetik, die Zähne können sehr hell wirken.

Die folgenden Hersteller sind für den deutschen Markt interessant:

  • Straumann ist der weltweite Marktführer bei Dentalimplantaten. Durch die enge Zusammenarbeit mit Kliniken und Forschungseinrichtungen ist das Straumann® Dental Implantsystem ausgezeichnet dokumentiert. Die Qualität der Lösungen vom einzelnen Zahn bis zum kompletten System für einen zahnlosen Kiefer ist also durch Daten einwandfrei belegbar.
  • DENTSPLY Friadent: Hierbei handelt es sich um eine Vertriebstochter des US-Konzerns DENTSPLY International, die in Deutschland Implantate verschiedener internationaler Marken anbietet. Sie eignen sich für die unterschiedlichsten Therapien und klinischen Situationen. Von DENTSPLY Friadent vertriebene Marken sind unter anderem FRIALIT, ANKYLOS, FRIOS und XiVE.
  • Nobel Biocare: Dieses Unternehmen produziert seit Mitte der 1990er Jahre Zahnimplantage mit variablen Abmessungen. Für die Aufbaumontage stehen drei unterschiedliche Verbindungen zur Verfügung. Nobel Biocare hat eine Oberfläche für das bessere Einheilen bei gleichzeitig höchster Stabilität des Implantats entwickelt.
  • Von Camlog kommen qualitativ sehr hochwertige Implantat-Komplettsysteme, die vergleichsweise sehr günstig angeboten werden. Sie sind universell für alle Indikationen anwendbar. Camlog bietet Implantate als Zylinder, Schrauben, wurzelförmige Schrauben und Schraubenzylinder an. Auf die exklusive Tube-in-Tube-Verbindung hält der Hersteller ein internationales Patent. Dabei kommen Nocken zwischen dem Kieferteilstück des Implantats und seinem Aufbau zum Einsatz, die für höchste Passgenauigkeit und Dichte bürgen.
  • Astra Tech ist ein schwedischer Hersteller mit einem universellen Implantat-System für alle Einsatzgebiete. Einige der Implantate können sofort belastet werden. Auch diese Behandlungen sind sehr umfassend dokumentiert. Die Oberfläche der Implantate ist mikrorau und mit Fluorid versehen, was für das besonders schnelle Einwachsen sorgt. Das Design stimuliert den Knochen positiv.

Das ASTRA TECH Implant-System™

Der BioManagement Complex™ von ASTRA TECH integriert die Ästhetik im Implantatdesign. Dieses Design unterstützt den natürlichen Heilungsprozess, indem die unabhängigen Faktoren und Funktionen in ihrem Zusammenspiel beachtet werden. Dazu gehört unter anderem für die schnellere und stärkere Osseointegration OsseoSpeed™, das auf dem belegten Erfolg von TiOblast aufbaut. OsseoSpeed ist die weltweit erste chemisch modifizierte Oberfläche eines Titanimplantats, die eine einzigartige Nanotopografie erzeugt. Diese begünstigt die schnelle Knochenheilung. Zur mikrorauen Titanoberfläche kommt das Mikrogewinde MicroThread, beides begünstigt das Wachstum neuer Knochenzellen. Über diese Vorteile von OsseoSpeed gibt es umfangreiche Dokumentationen. Die biomechanische Knochenstimulation MicroThread™ ist ein Mikrogewinde am Hals des Implantats, das die Belastung optimal verteilt und Belastungsspitzen verringert. Erst durch das fundierte Verständnis der Knochenphysiologie konnte ASTRA TECH solche Systeme entwickeln. Dieses optimale Implantatdesign folgt der Erkenntnis, dass jedes Knochengewebe von Natur aus belastet werden möchte. Wenn Zahnimplantate entsprechend konstruiert sind, beugen sie dem Knochenabbau und Knocheneinbrüchen vor. Trotz der nötigen Belastung der Nachbarknochen muss jedoch beachtet werden, dass die Grenzfläche zwischen Knochen und Implantat im Areal der marginalen Kortikalis angesiedelt ist, wo unphysiologische Belastungsspitzen den Knochen belasten.

Stabiler Halt mit dem Conical Seal Design™

Das ASTRA TECH Conical Seal Design kann Belastungsspitzen unterbinden. Die konische Implantat-Abutment-Verbindung befindet sich unter dem marginalen Knochenniveau, auf welchem Belastungen in den tieferen Knochen übertragen werden. Dieses Design steht den sonst üblichen konischen Verbindungen über dem marginalen Knochenniveau und auch den Flach-zu-Flach-Verbindungen gegenüber. Mit dem Conical Seal Design lässt sich der marginale Knochen erhalten. Umliegendes Gewebe dichtet das Implantat ab, Mikrospalten und -bewegungen lassen sich so vermeiden. Das erleichtert wiederum die Zahnpflege. Das Conical Seal-Design hat sich in sämtlichen klinischen Situationen bewährt. Die enge und perfekt sitzende Implantat-Abutment-Verbindung erleichtert die Eingliederung dieses Abutments, die selbstzentrierend und atraumatisch erfolgt. Das eliminiert das Risiko von Knochenschädigungen.

Connective Contour™

Hierbei handelt es sich um einen optimierten Schleimhautkontaktbereich, der für mehr Volumen sorgt. Es handelt sich dabei um die Form der Schnittstelle zwischen Implantat und Abutment. Connective Contour™ begünstigt die Ausbildung einer vergrößerten Weichgewebe-Kontaktzone. Diese verbindet sich mit dem transmukosalen Implantatbereich, umschließt den marginalen Knochen und schützt ihn dadurch.

Was ist von Patientenseite bezüglich des passenden Implantats zu beachten?

Die Patienten werden heute mit einer Fülle von Angeboten konfrontiert, die sie selbst praktisch nicht richtig einordnen können. Der Ratschlag des behandelnden Zahnarztes ist daher maßgebend. Dort muss auch die Kommunikation der Hersteller und Vertreiber ansetzen. Der Zahnarzt wird zunächst Röntgenbilder vom Kiefer anfertigen, um die genaue Abmessung des erforderlichen Implantats zu ermitteln. Auch sind verschiedene Zahnanalysen nötig. Diese Untersuchungen schaffen die medizinische Datenbasis für eine optimale Implantatbehandlung, doch auch die Kosten und die Haltbarkeit – die wiederum mit dem Lebensalter des Patienten korrelieren soll – spielen eine maßgebliche Rolle. Das ist so zu verstehen, dass beispielsweise ein jüngerer Privatpatient mit hoher Selbstbeteiligung beziehungsweise keiner oder nur geringer Beteiligung seiner PKV wahrscheinlich eine eher preiswerte Lösung wählt, auch wenn diese voraussichtlich in zehn Jahren gewechselt werden muss. Der Patient hofft bis zu diesem Zeitpunkt auf eine wesentlich bessere finanzielle Situation oder einen besseren Versicherungsstatus. Genaues erfährt der Patient, sobald der Zahnarzt mit Hilfe seiner Zahnarztsoftware den Heil- und Kostenplan erstellt und zugesandt hat.

Des Weiteren sind Faktoren wie ein eventuell nötiger Knochenaufbau zu beachten. Dieser ist zwar heute schon relativ preiswert durchzuführen, jedoch beeinflusst auch diese Maßnahme die gesamte Kostenkalkulation. Der Markt für Implantate ist aber sehr in Bewegung, die Kosten sinken, private Krankenkassen beteiligen sich schon länger daran. Möglicherweise ziehen die gesetzlichen Kassen in Deutschland demnächst nach. Daher kommt es für die Anbieter von Implantatlösungen darauf an, ihre eigenen Vorteile möglichst umfassend und genau darzustellen.


Bildnachweis: © freeimages.com – Joanna Nurmis

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Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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