Schwer-Lkw: Gigaliner auf deutschen Straßen – Top oder Flop?

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Immer wieder sind sie in der Diskussion: die neuen Schwer-Lkw, die Gigaliner. Sie sollen den Lieferverkehr verringern und mit einer Tour eine größere Menge an Waren von A nach B transportieren können. Allerdings sind die Fahrzeugriesen nicht unumstritten und die Bestrebungen von Herstellern und großen Logistikunternehmen, die Gigaliner auf die Straße zu bringen, sind bisher noch nicht von Erfolg gekrönt.

Zahlen und Maße der Schwer-Lkw

Die Begrenzungen, denen Lkw unterliegen, gelten auch für Deutschland. So dürfen Lastkraftwagen derzeit maximal 40 Tonnen wiegen und ein Maß von 8,75 Metern erreichen. Die Wünsche von Herstellern und Logistikunternehmen, diese Zahlen zu toppen, sind zwar verständlich, aber bisher nicht umsetzbar. Die Giga-Liner sollen doch bitte bis zu 25,25 Meter lang sein dürfen und bis zu 60 Tonnen auf die Waage bringen. Feldversuche mit Fahrzeugen dieser Größe gibt es bisher in den Niederlanden, in Dänemark und in Norwegen, in Schweden und Finnland fahren die Riesen bereits regulär auf den Straßen. Auch in Deutschland werden entsprechende Feldversuche unternommen und das schon seit 2012. Seit dieser Zeit zeigt sich allerdings auch, dass es gar nicht so einfach ist, die Gigaliner sinnvoll auf die Straße zu bringen. Enge Straßen und kurvenreiche Ortschaften bedingen, dass ein Schwer-Lkw entweder nicht dort entlangfahren kann, wo er möchte, oder dass die Fahrt extrem langsam vonstattengehen muss.

Sind Schwer-Lkw bereits in Deutschland unterwegs?

Der VCD ist ein Befürworter der Entscheidung des EU-Parlaments, dass Schwer-Lkw nicht zugelassen werden sollen, wenn es um den grenzüberschreitenden Güterverkehr geht. Diese Entscheidung fiel bereits am 15. April 2014 und erfolgte aufgrund einer Empfehlung des Verkehrsausschusses. Die Zulassung solcher Schwer-Lkw sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht genügend ausgereift, die Folgen könnten noch nicht ausreichend abgeschätzt werden.

Schon im Jahr 2007 entschied Deutschland, dass die Giga-Liner auf den Straßen hierzulande besser nicht fahren sollten. Es gab bis dahin diverse Feldversuche in den einzelnen Bundesländern, auf denen aber die Entscheidung der Verkehrsministerkonferenz der Länder beruhte: Die Feldversuche mit den Schwer-Lkw sollten abgebrochen werden und es sollten auch keine neuen Versuche mehr gestartet werden. Diese Entscheidung geriet allerdings ins Wanken, als es zum Wechsel der Regierung 2009 kam. Die Bundesregierung beschloss, einen bundesweiten Feldversuch zu starten, bei dem es um die Sammlung wissenschaftlicher Erkenntnisse ging. Die Verkehrsministerkonferenz der Länder wiederum war dagegen und sah die negativen Auswirkungen auf Umwelt und Sicherheit an erster Stelle. Außerdem hätte es neue Parkplätze geben müssen und weitere Umladestellen. Der Bundesrat gab seine Zustimmung nicht – der Feldversuch startete dennoch am 1. Januar 2012. Es gab eine Ausnahmeverordnung dazu, gegen die dann auch – allerdings erfolglos – vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt wurde.

Wie ging es danach mit dem Schwer-Lkw weiter?

Das Bundesverfassungsgericht war im Mai 2014 der Meinung, dass Gigaliner doch auf deutschen Straßen erprobt werden könnten und dass dies durchaus mit dem Grundgesetz zu vereinen sei. Wirklich bundesweit war der Feldversuch am Ende aber dennoch nicht ausgerichtet, denn nur wenige Bundesländer gestatteten das Fahren mit den Schwer-Lkw auf ihren Straßen. Außer Sachsen, Thüringen, Bayern, Schleswig-Holstein, Hessen und Niedersachsen lehnen alle Bundesländer den Versuch ab und gestatteten keinem Giga-Liner eine Fahrt. Die Durchfahrt selbst war allerdings durch Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt dank einer Ausnahmegenehmigung möglich. 2015 dann durften auch in Baden-Württemberg die Gigaliner starten und bekamen drei Teststrecken auf Autobahnen zugewiesen.

Die Bundesregierung ging davon aus, dass für die Testung rund 400 Fahrzeuge gemeldet werden würden, nach Ende eines Jahres waren es aber erst 36 von insgesamt 20 verschiedenen Speditionen. Nur 28 Schwer-Lkw waren davon tatsächlich auch auf den Straßen unterwegs. Im Januar 2015 fuhren insgesamt 111 Schwer-Lkw von 42 Unternehmen.

Auswirkungen der Schwer-Lkw

Verkehrspolitisch und umweltrechtlich gesehen sind Schwer-Lkw eine absolute Katastrophe. Wenn man bedenkt, dass es bei den Klimazielen bzw. deren Erreichen vor allem um das Handling des Gütertransports geht, können Giga-Liner nur verlieren. Lange Leerfahrten sollten vermieden werden, auch der Transport über Bahn und Schiff sollte Vorrang haben. Folgende Nachteile werden im Einsatz der Schwer-Lkw gesehen:

  • Höheres Transportaufkommen auf der Straße
  • Verlagerung des bisherigen Schienenverkehrs auf die Straße
  • Erhöhung der CO2-Emissionen
  • Erhöhte Unfallgefahr (längere Bremswege, größere Schäden beim Unfall)
  • Verkehrsbehinderungen
  • Unübersichtliche Überholvorgänge
  • Hohe Kosten für den Ausbau der Infrastruktur
  • Hohe Kosten für Reparaturen bereits vorhandener Straßen
  • Erhöhter Verschleiß der Straßen

Hinzu kommt, dass viele Ziele gar nicht erst erreichbar wären, weil die Innenstädte viel zu eng gebaut sind. Es müssten daher Umladestationen außerhalb der Ortschaften eingerichtet werden, was wiederum hohe Kosten bedeuten würde.


Bildnachweis: © pixabay.com – Meridy

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Hans-Jürgen Schwarzer (Link Google+) leitet die Online-Agentur schwarzer.de software + internet gmbh. Als Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger gehört er zu den Hauptautoren von startup-report.de. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatriot dabei vermeintlich „schräge“ Ideen oder technische Novitäten besonders am Herzen.

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