Klimaanlagen für Lkw: Heißer Wunsch nach kühlem Schlaf

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Der Wunsch nach Klimaanlagen für Lkw hat einen Grund. Jedes Jahr im Frühjahr geht das große Schwitzen in den LKW-Fahrerkabinen nach Schichtende auf den Parkplätzen los. Direkte Sonneneinstrahlung bewirkt einen Treibhauseffekt, bei dem schon eine Außentemperatur von 15 Grad mit Sonnenschein ausreicht, um die Kabine innen so zu erwärmen, dass sie eher an eine Sauna erinnert als an einen Arbeitsplatz.

Wer gar im Sommerhalbjahr in Südeuropa fährt, freut sich über jeden kühlen Regentag. Das gilt besonders für die Fahrer, die nachts fahren müssen und tagsüber dann in ihren LKW schlafen sollen. Je größer die Fensterfläche ist, je dunkler das Fahrzeug, umso stärker wirkt der Treibhauseffekt. Doch damit nicht genug, es kommen noch zwei weitere Faktoren hinzu: Die Motorwärme und die Abwärme weiterer Verbraucher in der Fahrerkabine, insbesondere der Kühlschrank. Höchste Zeit also für eine Stand Klimaanlage für LKW?

  • Hitzequelle Motor: Obwohl die heutzutage enorm verbesserte Isolierung des Fahrzeuginneren etwas hilft. Die Abwärme des Motorblocks heizt das Fahrzeuginnere noch Stunden nach dem Abschalten nachhaltig auf. Das ist der Grund, warum man auf Parkplätzen oft LKW sieht, die ihre vordere Wartungsklappe weit geöffnet haben. Sie wollen damit erreichen, dass sich der Motorblock schneller abkühlt, weil die Fahrer irgendwann genau da drüber einschlafen möchten.
  • Hitzequelle Kühlschrank: der Kühlschrank muss ganz klar mehr arbeiten, je wärmer es im Führerhaus wird. Aber irgendwohin muss diese Wärme ja abgeleitet werden. Für die 4-6 Quadratmeter einer Fahrerkabine kann ein auf Hochtouren laufender Kühlschrank wie eine kleine Standheizung wirken und in den meisten Fällen ist der Kühlschrank zudem unter dem Bett in Schubladensystemen untergebracht. Offene Fenster oder Dachluken reichen da nicht aus.

Klimaanlagen für Lkw gleichen die erhöhte Außentemperatur und die zusätzlich produzierte Wärme in der Fahrerkabine aus

Treibhauseffekt plus Motorabwärme plus Kühlschrank bewirken, dass es in der Fahrerkabine im Sommer mindestens 5-10 Grad wärmer ist als Außen. Ist der LKW der direkten Sonneneinstrahlung ausgesetzt, wird diese Differenz noch deutlich größer, es können leicht Temperaturen bis zu 40, 50 oder 60 Grad erreicht werden. Eine Stand Klimaanlage für Lkw kann hier Abhilfe schaffen. Kühlt sie doch auf eine angenehme Raumtemperatur herunter.

Viele Fahrer „helfen“ sich über die fehlende Stand Klimaanlagen für LKW, in dem sie sich auf den Autohöfen in die Nähe von Kühl-LKW stellen und den Motor während des Schlafes laufen lassen. Der ökologische Schaden liegt natürlich auf der Hand.

Die Antwort eines Berufskraftfahrers: bevor ich im Sommer tagsüber während meiner Pause „im eigenen Saft“ schmore, lasse ich den Motor laufen.

Szenenwechsel: Wir kennen alle die Meldungen, wenn kleine Kinder oder Tiere in überhitzen Fahrzeugen gefunden und gerettet werden. Ein Anruf beim Tierschutzverein soll die Frage klären, ab wie viel Grad man einen Hund nicht mehr im Auto zurücklassen sollte. Die Person am anderen Ende der Leitung ist sehr ungehalten und sagt, einen Hund solle man gar nicht alleine im Auto lassen und im Sommer schon mal überhaupt nicht. Sie erklärt, um wie viel wärmer es im Inneren des Autos werden kann als draußen.

Sind Berufskraftfahrer nun weniger schützenswert als Kinder oder Hunde???

Ein namhafter Automobilclub hat eine Untersuchung veröffentlicht, nach der an heißen Tagen schon 15 Minuten ausreichen können, um in einem in der Sonne geparkten Auto einen Kreislaufkollaps zu erleiden. Weiter heißt es in der Meldung: „Sind Personen oder Tiere durch die Hitze gefährdet, kann die Polizei das Fahrzeug auch gewaltsam öffnen lassen. Wird ein Mensch verletzt, droht sogar Strafverfolgung wegen fahrlässiger Körperverletzung.“ Wie so oft, denkt auch dieser Automobilclub dabei jedoch nur an PKW-Insassen.

Stellen Sie sich nun einmal vor: Die Polizei holt im Sommer viele LKW-Fahrer aufgrund der Hitzeentwicklung aus ihren Kabinen und erstattet obendrein noch Strafanzeigen gegen abertausende Spediteure und Disponenten in ganz Europa wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Doch lassen wir mal den Spaß beiseite. Nicht nur Kinder und Rentner, Pudel, Schäferhund & Co., sondern auch Werktätige aus so ziemlich allen anderen Berufsgruppen haben deutlich weitergehende Rechte als die Berufskraftfahrer. Sie können sich berufen auf die deutsche Arbeitsstättenverordnung in Verbindung mit Richtlinien, DIN-Normen und Gerichtsurteilen. Demnach liegt die optimale Raumtemperatur bei 20-22 Grad. Mit jedem Grad mehr sinkt die Leistungsfähigkeit erwiesenermaßen um etwa 5 Prozent. Bei Außentemperaturen unter 32 Grad darf die Raumtemperatur nicht mehr als 26 Grad betragen, bei höheren Außentemperaturen sollte es innen mindestens 6 Grad kühler sein.

Mit dieser Argumentation könnte es in den Sommermonaten ziemlich leer werden auf Europas Straßen, denn viele LKW-Fahrer könnten ihre Fahrzeuge stehen lassen und nach Hause gehen wegen fehlender Zumutbarkeit. Doch da ist nun der Gesetzgeber und zeigt den Fahrern eine andere Argumentation. Was für alle anderen als ein gutes Recht gilt, ist für Berufskraftfahrer außer Kraft gesetzt! Denn „nicht ortsfeste“ Arbeitsstätten sind davon grundsätzlich ausgenommen. Eine Begründung hierfür gibt es nicht, sie ließe sich auch kaum konstruieren. Ein guter Grund hingegen ließe sich anführen für die Einführung einer gesetzlichen Pflicht zur Stand Klimaanlage für LKW, insbesondere im Fernverkehr: Die Verkehrssicherheit.

Viele technischen Neuerungen der letzten Jahrzehnte wurden über kurz oder lang in Neufahrzeugen als Pflicht vorgeschrieben wie zum Beispiel ABS, Sicherheitsgurte, Airbag und vieles mehr. Dadurch entstehende Kosten waren kein stichhaltiges Gegenargument, Verkehrssicherheit gilt allgemein als hoher anzustrebender Wert. Warum also nicht auch die Stand Klimaanlage für LKW?

Klimaanlagen für Lkw werden gefördert: De-minimis

Es gibt auch eine andere Sicht der Dinge: Die Anschaffungskosten in Höhe von ca. 1.500 bis 2.000 Euro für Stand Klimaanlagen für LKW wären eine größere Mehrbelastung für Transporteure und würden den Preis- und Kostendruck erhöhen. Große Unternehmen müssten Unsummen an Geldern investieren, kleine Unternehmen könnten schnell in wirtschaftliche Schieflage geraten. Das gilt aber wohl überwiegend für das Nachrüsten en bloc.
Im Allgemeinen sind die Kosten für die Anschaffung einer Klimaanlage für LKW im Verhältnis zum Anschaffungspreis eines Fahrzeuges gering, der Nutzen aber groß.

Das Bundesverkehrsministerium setzt sich mittlerweile mehr für die Belange der LKW-Fahrer und der Transportbranche ein. So gibt es bis 2015 vom BAG (Bundesamt für Güterverkehr) das Förderprogramm „De-minimis“. Im Rahmen dieses Förderprogramms werden Unternehmen des Güterkraftverkehrs mit schweren Nutzfahrzeugen gefördert, wenn sie bestimmte Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit oder zum Schutz der Umwelt durchführen.

Vermutlich wird das Programm zur Förderung von Klimaanlagen für Lkw weiter laufen.

Bestimmte Investitionen werden bezuschusst. So zum Beispiel der Einbau einer Stand Klimaanlage für LKW mit bis zu 1.450 Euro. Oder die Anschaffung lärm- bzw. geräuscharmer, sowie rollwiderstandsoptimierter Reifen. Gleichzeitig sorgen leider Förderungshöchstbeträge und Jahreshöchstbeträge für Hürden. Dadurch wurde das Förderprogramm leider nicht so stark genutzt, wie es sich die Politik erhofft hatte. Vielleicht liegt es aber auch an der mangelnden Information der Spediteure.

Viele Speditionen wissen oft nicht, dass es diese Zuschüsse für Klimaanlagen für Lkw beim BAG überhaupt gibt. Da ist noch viel Nachholbedarf. So schön wie dieses Förderprogramm ist, die Bundesregierung kommt damit letztendlich um ein Gesetz für die Einführung der Stand Klimaanlagen für LKW rum.

Aus Gründen der allgemeinen Verkehrssicherheit wäre es jedoch höchste Zeit, sich konsequenter für die Berufskraftfahrer stark zu machen, dem Beispiel Spaniens und Italiens zu folgen und die Einführung von Stand Klimaanlagen für LKW gesetzlich vorzuschreiben.

Als Abschluss möchten wir als Redaktion noch einen Text vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales anfügen, der auf der Internetseite des Bundesministeriums nachzulesen ist!

Arbeit ist die Quelle der Wertschöpfung. Sie ist zentraler Baustein des gesellschaftlichen Lebens und dient dem sozialen Ausgleich. Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Beschäftigungssystem ist die Schaffung und der Erhalt sicherer und menschengerechter Arbeitsbedingungen. Ein effizienter Arbeitsschutz und eine wirksame Unfallvermeidung sind deshalb besonders wichtig vor allem auch im Hinblick auf die Herausforderungen einer immer schnelleren und anspruchsvolleren Arbeitswelt. Arbeitsschutz und Prävention sind deshalb wichtige Arbeitsschwerpunkte im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Ziel ist es, die Beschäftigten vor Gefahren und gesundheitlichen Schädigungen zu schützen. Verlässliche gesetzliche Grundlagen und für alle Unternehmen gültige Regelungen sind dafür unerlässlich……..

Vier Vokabeln fallen uns besonders auf: Grundvoraussetzung, sicherer, menschengerecht und Unfallvermeidung.

Also stellen wir die Frage in den Raum: sollen „Stand Klimaanlagen für LKW zur Pflichtwerden?“ Ja oder nein?

Natürlich freuen wir uns auf Ihr Feedback!


Bildnachweis: © Fotolia – tarasov_vl

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Hans-Jürgen Schwarzer leitet die Content-Marketing-Agentur schwarzer.de. Als Marketer, Unternehmer und Verleger in Personalunion wie auch als leidenschaftlicher Blogger gehört er zu den Hauptautoren von startup-report.de und industry-press.com. Innerhalb seiner breiten Palette an Themen liegen dem Mainzer Lokalpatriot dabei „ausgefallene“ Ideen und technische Novitäten besonders am Herzen.

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