IG-Metall: Tausende Jobs in der Automobilindustrie gefährdet

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Nach Angaben der IG-Metall steht die Automobilindustrie vor einer gewaltigen Änderung: nachdem die Umstellung auf Elektroautos nach dem Abgaskanal nochmals angekurbelt wurde, stehen nun Tausende Arbeitsstellen auf der Kippe. Derzeit sind in Deutschland etwa 250.000 von den rund 880.000 Beschäftigten in dem Bereich Antriebstechnik tätig. Und exakt dieser Bereich könnte künftig bei der Produktion von Elektroautos wegfallen.

IG-Metall: Arbeitnehmer müssen für neue Tätigkeiten qualifiziert werden

Der erste Vorsitzende der IG-Metall, Jörg Hofmann, rät, dass Arbeitnehmer für neue Tätigkeiten qualifiziert werden müssen, auch wenn er hofft, dass sich einige Probleme von alleine durch den demographischen Wandel lösen. Gemeinsam mit der Politik und den Arbeitgebern müssen die Gewerkschaften den Transformationsprozess nach Aussage der IG-Metall aktiv gestalten. Das Problem: Elektromotoren sind weniger arbeitsintensiv und deutlich simpler, da sie keine Abgasanlagen benötigen und keine Getriebe haben. Alleine von der Dieseltechnologie hängen rund 75.000 Jobs ab.

Betroffen sind vor allem die Bundesländer Rheinland-Pfalz, Hessen, Thüringen und das Saarland, denn sind der Standort von insgesamt sieben Werken der Automobilhersteller VW, Opel, Ford und Mercedes-Benz. Aber auch zahlreiche Zulieferer sind davon betroffen.

Bislang verhinderte nicht flächendeckende Infrastruktur den Verkauf

Dass der Verkauf von E-Autos in Deutschland so schleppend verläuft, ist unter anderem dem Hintergrund geschuldet, dass es kaum Stationen gibt, wo Deutsche ihr Auto laden können. Vor allem in ländlichen Regionen gibt es sehr viele weiße Flecken. Daran hat auch die Elektroauto-Kaufprämie nichts geändert, denn bis zum Jahreswechsel 2016/2017 lagen lediglich 9023 Anträge vor. Dabei sollte mit der Prämie eigentlich die Nachfrage nach Elektroautos angekurbelt werden. Die Bundesregierung hatte erwartet, dass mindestens 300.000 Fahrzeuge durch die Prämie verkauft werden.

Der Ausbau der öffentlichen Ladestation geht in Deutschland nur sehr langsam voran. Aktuelle Studien gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2020 ein Bedarf besteht an etwa 70.000 öffentliche Ladestellen und zusätzlich 7.100 Ladestellen zur Schnellladung. Doch davon ist die Infrastruktur in Deutschland noch weit entfernt und Ende 2016 gab es gerade einmal 6.500 Ladestellen, wovon 230 Schnell-Ladestellen waren. Ein weiteres Problem sind die Anschaffungskosten, da Elektroautos im Vergleich zu gewöhnlichen Autos immer noch zu teuer sind. Die Automobilbranche steht in einer Zwickmühle: zum einen muss sie ihren Vertrieb mit alternativen Autoantrieben mehr ausbauen, da hohe Umweltauflagen der EU zu erfüllen sind. Zum anderen verdienen sie mit E-Autos aber kaum Geld.


Bildnachweis: © IG Metall

Über 

Marius Beilhammer, Jahrgang 1969, studierte Journalismus in Bamberg. Er schreibt bereits viele Jahre für technische Fachmagazine, außerdem als freier Autor zu verschiedensten Markt- und Businessthemen. Als fränkische Frohnatur findet er bei seiner Arbeit stets die Balance zwischen Leichtigkeit und umfassendem Know-how durch seine ausgeprägte Affinität zur Technik.

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