Hundefutter herstellen: Markttrends beobachten und umsetzen

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Die Frage, welche Zusammensetzung für Hundefutter die beste ist und ob es nicht sogar möglich ist, einen Hund vegan zu ernähren, stellen sich viele Hundebesitzer und auch Unternehmer. Die Hundefutterindustrie muss sich derzeit mit vielfältigen Aspekten der Herstellung auseinandersetzen und viele Ernährungstrends in der Tierfütterung berücksichtigen. Entscheider in den Unternehmen bekommen dies täglich zu spüren.

Was ist neu in der Hundefutterherstellung?

Große Onlineshops wie Pets Premium müssen sich ebenso wie die Hersteller von Hundefutter damit auseinandersetzen, dass die Ernährungsvorstellungen der Menschen auf die Tiere projiziert werden. Derzeit geht der Trend hin zum Vegetarismus bzw. sogar zum Veganismus. Nun stlelt sich die Frage: Lässt sich ein Hund tatsächlich vegan ernähren? Kann in einem veganen Hundefutter wirklich alles enthalten sein, was das Tier braucht? Befürworter sagen, dass dies durchaus möglich sei, denn alle Nährstoffe ließen sich auch über pflanzliche Lebensmittel „in den Hund“ bringen. Kritiker hingegen führen an, dass der Stoffwechsel eines Hundes rund 60 Jahre bräuchte, um sich komplett umzustellen. Zu lange für einen Hund, der bestenfalls zehn bis fünfzehn Jahre lebt. Die Industrie muss somit den Spagat zwischen der gesunden Ernährung der Tiere und den Wunschvorstellungen der (veganen) Hundebesitzer schaffen. Hier kann sie allerdings nur scheitern, denn beide Seiten können nicht gänzlich zufriedengestellt werden.

Allerdings gibt es auch einen Mittelweg, bei dem der pflanzliche Anteil im Hundefutter schrittweise erhöht wird und bei dem Fleisch durch Getreide ersetzt werden kann. Doch es gibt noch einen Trend, dem sich die Hersteller stellen müssen: den Trend zum Barfen. Viele Hundebesitzer möchten ihre Tiere so natürlich wie möglich ernähren und lassen die Wünsche nach einer Erhöhung des Getreide- und Gemüseanteils außen vor. Sie setzen auf frisches Fleisch, das entweder roh oder gekocht gefüttert wird und der natürlichen Ernährung des Wolfes respektive des Hundes gerecht werden soll.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Hersteller von Hundefutter auf der einen Seite die Veganer und Vegetarier als Hundebesitzer zufriedenstellen müssen. Auf der anderen Seite stehen diejenigen, die eine natürliche Ernährung bevorzugen und kein „Dosenfutter“ füttern möchten. Die Zielgruppe der Hundebesitzer, die dazwischen stehen und ganz klassisch Nassfutter aus der Dose oder Trockenfutter aus der Tüte geben, ist vielleicht die einfachste. Doch auch sie interessiert sich für Trends in der Herstellung der täglichen Nahrung ihrer vierbeinigen Lieblinge.

Die Frage, welche Zusammensetzung für Hundefutter die beste ist und ob es nicht sogar möglich ist, einen Hund vegan zu ernähren, stellen sich viele Hundebesitzer und auch Unternehmer. (#01)

Die Frage, welche Zusammensetzung für Hundefutter die beste ist und ob es nicht sogar möglich ist, einen Hund vegan zu ernähren, stellen sich viele Hundebesitzer und auch Unternehmer. (#01)

Bei allen Verfahren gleich

Egal, welches Verfahren für die Herstellung von Hundefutter zugrunde gelegt wird – immer müssen die Futterbestandteile zerkleinert werden. Der Grund: Der Hund soll das Futter gut aufnehmen und fressen können, er soll seine „Beute“ nicht – wie häufig beim Barfen üblich – zerreißen müssen. Auch wenn der Hund damit sicherlich kein Problem hätte, so würden doch die Hundebesitzer den entstehenden Schmutz nicht zwingend als positiv erachten.
Getreide und Gemüse, welche im Hundefutter enthalten sind, müssen erhitzt werden. Das geschieht entweder direkt zu Beginn der Herstellung oder im Laufe der weiteren Verarbeitung. Durch die Erhitzung ist es möglich, Stärke aufzuschließen – nicht aufgeschlossen sind Getreide und Gemüse nicht oder nur sehr schwer verdaulich. Die enthaltene Stärke würde zu Bauchschmerzen und Durchfall führen. Das Erhitzen ist zudem ein wichtiger Vorgang, damit möglicherweise enthaltene Keime abgetötet werden. Dafür müssen aber alle Zutaten auf eine festgelegte Temperatur gebracht werden. Damit wird sichergestellt, dass das Hundefutter sicher zu verfüttern ist und dass es sich wie angegeben hält.

Welche verschiedenen Verfahren kommen zum Einsatz?

Im Folgenden sind die verschiedenen Verfahren, die zur Herstellung von Hundefutter zum Einsatz kommen, in aller Kürze vorgestellt.

  1. Das Backverfahren
    Das Backverfahren wird kaum für große Mengen angewendet, ist daher eher für die Zubereitung besonders hochwertiger „Leckerhappen“ geeignet. Das traditionelle Verfahren beginnt mit dem Vermischen aller Zutaten nach deren Zerkleinerung. So ergibt sich ein Teig, der ganz langsam erhitzt werden muss. Dadurch bleiben die gesunden Inhaltsstoffe so gut wie möglich erhalten. Ein Beispiel für derartig hergestellte Leckereien sind die im Handel erhältlichen Hundekekse, die gern als Belohnungshappen gefüttert werden. Vergleichbar mit dem Backen von Plätzchen werden die Kekse in eigens dafür vorgesehene Formen gegossen, wo sie erkalten und später herausgelöst werden müssen.
    Hunde profitieren von gebackenem Futter durch den höheren Vitamin- und Nährstoffgehalt, außerdem regt die harte Konsistenz zu einer besseren Einspeichelung und zu einem guten Kauen an. Das stärkt die Kaumuskulatur und sorgt für eine bessere Gesundheit der Zähne. Auch Hundehalter finden gebackenes Futter gut, riecht es doch weniger streng nach dem typischen Hundefutter.
  2. Sterilisieren
    Das Sterilisieren ist ebenfalls ein klassisches Verfahren, wobei sich dieses nur auf die Herstellung von Nassfutter bezieht. Bei der Herstellung wird das Futter rund eine Stunde lang bei 123 Grad Celsius direkt in der Konserve erhitzt. Das überlebt kein Keim und so ist sichergestellt, dass das Futter nicht so schnell verderben kann. Das Sterilisieren ist vergleichbar mit der Herstellung von Konserven für die menschliche Ernährung, denn auch Eintöpfe oder Suppen werden auf diese Art konserviert. Durch die hohe Erhitzung ist garantiert, dass auch schwer angreifbare Keime erfasst werden und das Dosenklima nicht überleben können.
    Der Feuchtigkeitsgehalt ist bei Dosenfutter verständlicherweise um einiges höher als bei Trockenfutter, doch bedingt durch das Herstellungsverfahren ist die Haltbarkeit dennoch gegeben. So kann eine Dose auch nach langer Zeit geöffnet und verfüttert werden, ohne bis dahin verdorben zu sein. Kommt jedoch Luft an den Inhalt, das heißt, ist die Dose geöffnet worden, so ist der Inhalt nur noch wenige Stunden ohne zusätzliche Kühlung haltbar. Der Vorgang des Verderbens des Hundefutters geht dann sehr schnell.
  3. Die Extrudation
    Bei der Extrudation arbeiten viele verschiedene Dinge zusammen: Eingesetzt werden Druck und Wasserdampf, Scherkräfte und sehr hohe Temperaturen, um das Futter in seine einzelnen Bestandteile aufzuschließen. Damit wird ein Brei erzeugt, der auch als Extrudat bezeichnet wird. Dieser Brei ist mit dem Teig beim Backverfahren vergleichbar, allerdings lässt sich bei der Extrudation jede Art von Trockenfutter herstellen und es werden weniger Stärke und Kohlenhydrate benötigt. Der Brei kann in jede Form gepresst werden, was mithilfe einer kleinen Düse passiert, durch die der Brei gepresst wird.
    Hitze und Druck sorgen dafür, dass alle Keime abgetötet werden. Nach dem Einfüllen in die jeweiligen Formen kann der Trocknungsvorgang beginnen. Da das Trocknen an der Luft viel zu lange dauern würde, werden große Trocknungsanlagen dafür eingesetzt. Auch wenn das Trockenfutter eine viel geringere Grundfeuchte hat als Nassfutter, so verdirbt es dennoch schneller. Ist die Tüte oder Schachtel, in der es aufbewahrt wird, einmal geöffnet worden, nimmt das Trockenfutter die Feuchtigkeit aus der Luft auf. Des Weiteren siedeln sich Keime an, die letzten Endes zum Verderben des Futters führen.
  4. Kalt gepresstes Futter
    Immer wieder kommt die Frage auf, ob kalt gepresstes Futter nicht die bessere Wahl wäre. Schließlich würden durch das Erhitzen auch viele Vitamine und Nährstoffe abgetötet. Bei der Kaltpressung werden die Rohstoffe erst einmal zerkleinert und getrocknet. Danach wird Druck eingesetzt, durch den sich ein Brei bildet. Nun kann dieser Brei in die dafür vorgesehene Form gefüllt werden. Die Temperaturen, die hierbei entstehen, liegen gerade einmal zwischen 40 und 80 Grad Celsius, dadurch bleiben die Nährstoffe größtenteils erhalten. Allerdings ist das Risiko für eine Besiedlung mit Bakterien und für eine schlechte Verdaulichkeit des Futters deutlich größer. Außerdem ist kalt gepresstes Futter nicht lange haltbar und muss möglichst direkt nach dem Öffnen aufgebraucht werden.
Der Hundehalter steht vor der Wahl, welche Art von Futter er seinem vierbeinigen Liebling denn füttern möchte – der Hersteller von Hundefutter sollte die Antwort auf die Frage kennen und wissen, was ein Hundebesitzer will.(#02)

Der Hundehalter steht vor der Wahl, welche Art von Futter er seinem vierbeinigen Liebling denn füttern möchte – der Hersteller von Hundefutter sollte die Antwort auf die Frage kennen und wissen, was ein Hundebesitzer will.(#02)

Welches Verfahren ist das beste?

Der Hundehalter steht vor der Wahl, welche Art von Futter er seinem vierbeinigen Liebling denn füttern möchte – der Hersteller von Hundefutter sollte die Antwort auf die Frage kennen und wissen, was ein Hundebesitzer will. Das ist schwer bis unmöglich und so gilt es, den Geschmack der breiten Allgemeinheit zu treffen. Diese möchte ein Hundefutter haben, was dem Tier alle benötigten Nährstoffe bietet, das es gesund erhält und auch in speziellen Ernährungssituationen geeignet ist. Nun haben aber alle genannten Verfahren ihre Vor- und Nachteile und so lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, welche Variante besser ist und welche schlechter. Wer nur vom Nährstoffgehalt ausgeht, muss sich ganz klar für das Backverfahren oder für die Kaltpressung entscheiden.

Ersteres ist für größere Mengen aber nicht rentabel, letzteres bringt das Risiko einer mikrobiellen Verunreinigung und im schlimmsten Fall einer Erkrankung des Hundes mit sich. Die Sterilisation ist das sicherste Verfahren, allerdings ist hier der Nährstoffgehalt wieder deutlich reduziert. Am Ende spielt natürlich auch der Geschmack des Hundes mit hinein: Mag er das angebotene Futter oder sagt seine Nase, dass er das doch lieber nicht fressen soll? Hierbei ist jeder Hund verschieden und es ist für einen Hersteller unmöglich vorauszusagen, ob das Futter auf Gegenliebe stoßen wird oder nicht. Fakt ist aber, dass ein schonendes Verfahren mit hochwertigen Zutaten eine hohe Nährstoffdichte und sicherlich auch den besseren Geschmack mit sich bringt.

Angesichts dessen, dass alle Zusatzstoffe ausgewiesen werden müssen, haben Hundehalter aber die Möglichkeit, sich für ein Futter zu entscheiden, das ihnen und ihrem Hund am ehesten zusagt. (#03)

Angesichts dessen, dass alle Zusatzstoffe ausgewiesen werden müssen, haben Hundehalter aber die Möglichkeit, sich für ein Futter zu entscheiden, das ihnen und ihrem Hund am ehesten zusagt. (#03)

Künstlicher Zusatz von Nährstoffen

Gerade bei den Verfahren, die mit großer Hitze einhergehen, werden nicht nur Keime zerstört, sondern auch Vitamine. Das ganze Futter wird „denaturiert“. Da der Hund aber darauf angewiesen ist, seinen Nährstoff- und Vitaminbedarf über das Futter decken zu können, werden die wichtigsten Inhaltsstoffe per Coating wieder zugesetzt. Sie werden praktisch aufgesprüht, sind aber künstlicher Natur. In dem Punkt müssen sich die Hersteller von Hundefutter zu Recht die Frage gefallen lassen, warum erst etwas Natürliches zerstört wird, damit es am Ende künstlich wieder zugesetzt werden kann. Allerdings lässt sich der natürliche Zustand der Bestandteile des Hundefutters nicht gänzlich erhalten, denn dies würde zulasten der Haltbarkeit des Futters gehen.

Auch hier muss der Hersteller also wieder einen Spagat zwischen dem, was wirklich gut und gesund ist und dem, was im Alltag praktikabel ist, vornehmen. Angesichts dessen, dass alle Zusatzstoffe ausgewiesen werden müssen, haben Hundehalter aber die Möglichkeit, sich für ein Futter zu entscheiden, das ihnen und ihrem Hund am ehesten zusagt. Die Verkaufszahlen der einzelnen Sorten und Futterarten entscheiden am Ende darüber, welche Richtung der Hersteller weiter verfolgen kann und wie der Markt am besten bedient wird. Hier wird sich auch zeigen, ob sich der vegane Trend durchsetzen wird oder eine Modeerscheinung bleiben wird.


Bildnachweis:©Shutterstock-Titelbild:  MsMaria  -#01:  Iakov Filimonov _-#02: WilleeCole Photography   -#03: yler Olson

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Sabrina Müller, geboren 1982 in Berlin, ist inzwischen Mutter von drei Kindern. Eigentlich wollte sie gar nicht so viele Kinder. Nachdem ihre erste Tochter jedoch wirklich pflegeleicht war, haben sich Sabrina und ihr Mann für weitere Kinder entschieden. Konnte ja keiner wissen, dass auf pflegeleicht nicht immer auch wieder pflegeleicht folgt. Nach der ersten Tochter folgten noch ein Mädchen und ein Junge. Ihre Rasselbande füllt Sabrinas Leben derzeit aus. Neben der Betreuung der Kinder engagiert sich Sabrina auch im Kindergarten und näht und bastelt gerne.

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