Balkongeländer als solargetriebenes Minikraftwerk: Sven Otte macht es vor

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Balkongeländer sind dekorativ und erfüllen mittlerweile auch wichtige Sicherheitsaspekte. Vor raumhohen Fenstern und Fensterfronten werden sie immer häufiger zur Absturzsicherung montiert, denn heute möchte man in hellen, lichtdurchfluteten Räumen leben und arbeiten.

Dank der vielseitigen Varianten ist ein Balkongeländer zur Absturzsicherung nicht nur beim Neubau, sondern auch bei der Renovierung alter Gebäude möglich. Balkongeländer können auch für ganz andere Zwecke genutzt werden, zum Beispiel für die Installation von Solaranlagen. Auch wenn nicht jedem auf Anhieb eine solch kreative Idee einfällt, sie ist äußerst praktisch und sinnvoll. Zudem lässt sie sich auf relativ engem Raum realisieren und verbindet mehrere Vorteile.

Sven Otte: Vorreiter für Minibalkonkraftwerke in Dormagen

Ein Balkongeländer mit integrierter Solaranlage ist wie ein eigenes Kraftwerk vor dem Fenster. Vorgemacht hat uns dies der Dormagener Familienvater und Ford-Mitarbeiter Sven Otte. Der ist seit kurzem stolzer Besitzer eines eigenen Balkonkraftwerkes und damit Vorreiter einer ganz neuen Technologie. In seiner Heimatstadt betreibt Otte mit seiner Photovoltaikanlage am Balkongeländer das erste Modell dieser Art überhaupt.

Die innovative Anlage spart dem Erfinder jeden Tag bares Geld. Am Geländer in der ersten Etage hat er Photovoltaikzellen installiert. Sobald die Sonne darauf fällt, erzeugen sie Strom. Bis sein Projekt jedoch realisiert werden konnte, war viel Überzeugungsarbeit notwendig. Zunächst wollte der örtliche Energieversorger in Dormagen nicht so recht mitmachen. Doch Otte blieb beharrlich, zog die Skeptiker auf seine Seite und profitiert nun von seinem eigenen Kraftwerk. Das kann sogar für künftige Tüftler ein Anreiz sein, in die gleiche Richtung zu gehen.

Am Anfang stand eine baufällige Balkonverkleidung

Als die Familie Otte 2015 ein Haus erwarb, mussten sie das mittlerweile verrottete Balkongeländer mit Holzverkleidung erneuern. Otte interessierte sich schon seit längerer Zeit für regenerative Energien und nahm diese Gelegenheit zum Anlass, am Balkongeländer seines Hauses etwas Neuartiges zu realisieren. Dem Baumherrn kam die Idee, statt neuer Holzstreben oder eines schmiedeeisernen Balkongeländers nun Solarmodule zu verwenden. Die sollten am Balkongeländer als Sichtschutz fungieren und gleichzeitig Strom liefern.

Die Stromversorgung würde den Geldbeutel entlasten, gleichzeitig könnte er mit dem neuartigen Balkongeländer seine Ideen von erneuerbarer Energie zuhause umsetzen. Tüftler Otte konstruierte aus vier Standardpaneelen der Maße 160 × 100 cm und Aluminiumprofilen ein Grundgeländer, dessen Solarpaneele lediglich mit der Steckdose verbunden werden mussten. Im Gegensatz zu Photovoltaikanlagen auf dem Dach brauchte Otte hier für jedes Modul einen eigenen Wechselrichter. Dies war notwendig, damit die ganze Anlage nicht nur den Strom des Moduls liefert, das gerade die wenigste Sonne bekommt.

Balkongeländer mit Solarpaneelen: Für Otte hat sich die Hartnäckigkeit gelohnt

Sven Ottes Minikraftwerk am Balkongeländer läuft seit Anfang September 2015 und reduziert die Stromkosten der Familie, wenn auch noch nicht erheblich. In etwa vier Wochen haben sie immerhin 14 € eingespart. Die Investitionskosten lagen für bei etwa 4.000 €. Damit sich seine Investition alleine über den Strompreis amortisieren kann, müsste sie bei den aktuellen Stromkosten 30 Jahre unter optimaler Sonnenausbeute laufen. Nur auf den Strompreis gerechnet betrachtet hat Otte wenig Aussicht, dass sich das Projekt bald von selbst trägt. Doch Otte betrachtet sein Projekt auch unter ökologischen und ideellen Maßstäben. In dieser Hinsicht hat es sich für ihn längst bezahlt gemacht.

Neue Ideen verändern auch das eigene Konsumverhalten

Für ein schmiedeeisernes Balkongeländer hätte er mindestens 2.000 € investieren müssen. Hätte er die Paneele für sein Balkongeländer in China statt in Deutschland bezogen, wäre es für ihn ebenfalls deutlich billiger geworden. Doch das war für ihn keine Option. Zunächst sei sein Projekt auch ein Test gewesen, der sich künftig ausbauen lässt. Otte plant, auf seinem Dach eine professionelle Photovoltaikanlage installieren zu lassen. Seine durch das Minikraftwerk gesammelten Erfahrungen werden ihm dann sehr nützlich sein. Zunächst wollte der Dormagener Energieversorger sein Kraftwerk am Balkongeländer nicht genehmigen, doch diese Unstimmigkeiten sind mittlerweile beseitigt. Die Familie hat ihre Verbrauchsgewohnheiten angepasst und benutzt stromintensive Elektrogroßgeräte vor allem dann, wenn die Sonne scheint.

Förderung des Baus von Solaranlagen

Wer sich auch mit dem Gedanken trägt, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach zu installieren, kann unterschiedliche Förderprogramme nutzen und somit die Investitionskosten reduzieren. Die deutsche Kreditbank für Wiederaufbau (KfW) fördert den Bau neuer Photovoltaikanlagen. Speziell für diesen Zweck wurde das Programm „Erneuerbare Energien Standard – Photovoltaik“ (Programm Nr. 274) entwickelt. Allerdings muss man zwischen Photovoltaikanlagen und Solaranlagen unterscheiden. Photovoltaikanlagen dienen ausschließlich der Stromerzeugung, Solaranlagen dienen der Erzeugung von Warmwasser.

Eine Photovoltaikanlagen-Förderung durch die KfW bezieht sich ausschließlich auf das Programm 274, das beim Neubau mit dem Programm 153 („energieeffizient bauen“) kombiniert werden kann. Den günstigen KfW-Kredit können Privatpersonen, gemeinnützige Organisationen, alle privatwirtschaftlichen Unternehmen oder Unternehmen mit kommunaler, karitativer oder kirchlicher Beteiligung in Anspruch nehmen. Achtung: Privatpersonen werden durch die Einspeisung von Solarstrom grundsätzlich zu Unternehmern. Alle wichtigen Informationen zur Förderung gibt es nicht nur bei der KfW, sondern auch beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle.

Das Kraftwerk am Balkongeländer ist eine kleine, aber sehr effektive und umweltfreundliche Möglichkeit, den eigenen Strompreis zu reduzieren und gleichzeitig etwas für die Umwelt zu tun. Wenn sich viele Menschen für solche Ideen begeistern können, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Behörden oder örtlichen Energieversorger mitspielen, deutlich größer. Es lohnt sich, mit seinen Nachbarn zu kommunizieren und vielleicht eine Interessensgemeinschaft zu bilden.


Bildnachweis: © freeimages.com – Gregor Buir

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